Im Kindergarten ist die Welt noch in Ordnung und die Antwort auf die Frage „Was willst du mal werden, wenn du groß bist“ kommt wie aus der Pistole geschossen: Baggerfahrer, Tierärztin, Schokoladentester. Doch je näher das Ende der Schulzeit rückt, desto schwieriger wird die Entscheidung. Sinkende Beschäftigungszahlen, wachsende Erwartungen von Arbeitgebern und Gesellschaft und neue Berufsbilder verlangen von angehenden Azubis und Studenten, sich möglichst früh und möglichst intensiv mit dem Thema „Traumjob“ auseinander zu setzen.
Wünsche wie Spaß, Coolness und dicke Brieftasche können nur die grobe Richtung vorgeben, wohin der Weg einmal führen soll. Um einen Beruf zu finden, der wirklich zu einem passt, muss man viele Faktoren berücksichtigen – Zeugnisnoten und Begabung sind nur zwei davon. Die Eltern der Schulabgänger sind dabei nur bedingt als Ratgeber geeignet, denn oft sind sie ebenso überfordert wie die Jugendlichen selbst. Professionelle Unterstützung bei der Berufswahl bieten neben den Beratungsstellen der Arbeitsämter, IHKs und Hochschulen auch eine ganze Reihe von Unternehmen, die das klassische Beratungsangebot mit kostenpflichtigen Leistungen wie Berufswahltests oder persönlichen Coachings ergänzen. Doch egal, welche Hilfe man auch in Anspruch nimmt – Selbst(er)kenntnis ist nach wie vor der erste Schritt zur richtigen Entscheidung.
Stärken erkennen, Ziele definieren
Wer langfristig mit seiner Berufswahl zufrieden sein möchte, sollte sich vorab ein möglichst genaues Bild von seiner Person und seinen individuellen Fähigkeiten machen. „Wer bin ich?“, „Was kann ich?“, „Wohin will ich?“ und „Wie schaffe ich das?“ sind die Kernfragen, die es dazu möglichst detailliert zu beantworten gilt. Ergänzend zu den gedruckten Ratgebern von Institutionen und Verlagen liefern interaktive Tests Persönlichkeitsprofile und Vorschläge, welche Berufe konkret dazu passen.
Das Spektrum der Angebote reicht dabei vom kostenlosen Kurzcheck, wie ihn beispielsweise die Arbeitsagentur unter www.planet-beruf.de für Haupt- und Realschulabsolventen anbietet, bis hin zum dreistündigen (gebührenpflichtigen) Assessment für Abiturienten des Geva Instituts, das von Stiftung Warentest als „sehr gut“ bewertet wurde und als Offline-Version auch im schulischen Umfeld durchgeführt werden kann. Kommerzielle Anbieter wie EINSTIEG offerieren neben kostenlosen Informationen im Internet und Abi-Messen in größeren Städten auch Workshops und gezielte Einzelcoachings, um Schulabgänger optimal auf den Einstieg ins Berufsleben vorzubereiten.
Wegweiser in die Zukunft
Ist die persönliche Richtung erst einmal vorgegeben, sind praktische Tipps und konkrete Adressen gefragt.
Zu allen Themen rund um Berufsvorbereitung, Lehrstellensuche und Bewerbung informiert das Online-Portal www.planet-beruf.de der Bundesagentur für Arbeit. Zielgruppe dieses Angebots sind Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I, die eine praktische Ausbildung anstreben. Sehr handfeste Unterstützung bieten Websites wie www.berufswahl-tipps.de oder www.ausbildung.info, die angehende Azubis mit Angeboten wie Musterbewerbungen, Vertrags-Checklisten und einem Vorstellungs-Knigge bei ihrer Berufswahl begleiten.
An Abiturienten, die ein Studium planen, richten sich die Angebote von www.studienwahl.de, www.abi.de und www.wege-ins-studium.de. Sie informieren über Studiengänge, Zugangsvoraussetzungen und Beschäftigungschancen und geben wertvolle Hinweise zu Fördermitteln oder Studienkrediten. Speziell für Jugendliche, die als erste Mitglieder ihrer Familie eine Hochschulausbildung beginnen, ist www.arbeiterkind.de gedacht. Die Website schließt mögliche Wissenslücken und hilft den angehenden Akademikern, ihr Studium zu organisieren und die damit verbundenen Herausforderungen leichter zu meistern. Das neue Internetportal www.stipendienlotse.de des Bundesbildungsministeriums bündelt alle Förderangebote für besonders begabte Studenten und trägt so dazu bei, die ausgeschriebenen Stipendien optimal zu vermitteln.
Probieren geht vor Studieren
Nicht immer ist es möglich, bei Ausbildung oder Studium sofort den gewählten Weg einzuschlagen. Fehlende Lehrstellen oder Numerus-clausus-Bestimmungen können unter Umständen längere Wartezeiten mit sich bringen. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen und die Chancen auf einen raschen Einstieg zu verbessern, sind zielgerichtete Praktika eine gute Wahl. Praktikumsbörsen wie praktika.de oder praktikum.de helfen, geeignete Stellen in Wohnortnähe zu finden.
Eine weitere Möglichkeit, sich schon vor dem Startschuss fit für die Karriere zu machen, sind Auslandsaufenthalte in Form eines Language Year mit Intensivsprachkurs und/oder Working Holiday, bei dem die Studienreise mit Arbeiten am Reiseziel finanziert wird. Hier bieten Websites wie www.auslandsjob.de, www.gapyear24.de oder www.travelworks.de Unterstützung beim Finden geeigneter Angebote und der Organisation entsprechender Visa.
Wer sich bei der Berufsvorbereitung auch für seine Mitmenschen engagieren möchte, kann ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Initiative arbeiten während dieser Zeit, die als soziales Bildungsjahr anerkannt ist, in Krankenhäusern, Seniorenheimen und anderen sozialen Einrichtungen und können dort wertvolle Erfahrungen im menschlichen Miteinander sammeln. Informationen und Hilfestellung zu diesem Thema liefert die Website www.fsj-hessen.de.
Die richtige Wahl
So wichtig Ratgeber wie Eltern, Lehrer oder auch Mitarbeiter von Berufs- oder Studienberatungen auch sein mögen – letztendlich muss jeder Jugendliche selbst bestimmen, welchen Weg er einschlagen möchte. Noch so gute Argumente für oder gegen einen bestimmten Beruf helfen wenig, wenn die Entscheidung nicht aus eigener Überzeugung getroffen wird.
Wohl kaum jemand wüsste heute, wer Astrid Lindgren ist, wenn die junge Schwedin dem Wunsch ihrer Mutter gefolgt wäre und sich als „Haustochter“ auf ein Leben als Ehefrau und Mutter vorbereitet hätte. Und ein Albert Einstein hätte als Elektrotechniker, als den sein Vater ihn gerne gesehen hätte, nur schwer die Zeit gefunden, sich mit Quantenphysik oder Pazifismus zu beschäftigen.
