Ohne Ausbildung geht es nicht – das erkannte schon der Thüringer Pädagoge Friedrich Fröbel, der vor 170 Jahren den ersten Kindergarten in Deutschland eröffnete. Er bemühte sich von Beginn an um geeignete Qualifizierungsmöglichkeiten für seine „Kindergärtnerinnen“. Mit der Zahl der Betreuungseinrichtungen wuchsen in der Folgezeit auch die Ausbildungsstätten – nicht nur für Fröbels Personal, sondern auch für die in den konfessionellen Vorschulen arbeitenden „Kleinkinderlehrerinnen“ und „Bewahranstaltsschwestern“.
Von der Kindergärtnerin zum Erzieher
Um die unterschiedlichen Ausbildungsstandards zu vereinheitlichen, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals eine staatliche Ausbildungs- und Prüfungsordnung für den Beruf der Kindergärtnerin erlassen. Diese Berufsbezeichnung blieb lange erhalten – bis Mitte der sechziger Jahre die Arbeitsfelder Kindergarten, Hort und Heim in der BRD zu einer neuen Berufsausbildung zusammengefasst wurden: der Beruf „Erzieher/in“ war geboren. Zugleich erfolgte (zumindest theoretisch) auch die Abkehr von der weiblichen Vorherrschaft in den Kindergärten: die Fachschulen mit ihren beträchtlich gesteigerten Ausbildungskapazitäten standen nun auch Männern offen.
Leistungsträger in der Kinderbetreuung
Heute sind Erzieherinnen und Erzieher die zentralen Leistungsträger im öffentlichen System der Kinderbetreuung, um die wachsenden Ansprüche an die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erfüllen. Bis zum Jahr 2013 soll, so will es der Gesetzgeber, bundesweit im Durchschnitt für jedes dritte Kind unter drei Jahren ein Betreuungsplatz bereitstehen. Vor diesem Hintergrund hat das Hessische Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit jetzt eine Werbe- und Imagekampagne gestartet, die die Träger der Einrichtungen dabei unterstützen soll, geeignetes Personal zu finden. Unter www.grosse-zukunft-erzieher.de können sich junge Leute, Quereinsteiger und Migranten über das Berufsfeld und seine Voraussetzungen informieren.
Experten für frühkindliche Bildung
Auch im Bildungsbereich sind die Kitas in den Fokus gerückt. Hirnforscher haben erkannt, dass in den ersten Lebensjahren die entscheidenden Weichen für das Lernen und den persönlichen Bildungserfolg des Menschen gestellt werden. Daher sind die Erzieherinnen und Erzieher verstärkt als Experten für frühkindliche Bildung gefragt, die die individuellen Entwicklungspotenziale der Kinder erkennen und bestmöglich fördern sollen.
Dahinter steht das politische Ziel, der heranwachsenden Generation durch eine frühere und am einzelnen Kind ausgerichtete Bildung optimale Entwicklungschancen zu ermöglichen. Als erstes Bundesland hat Hessen deshalb einen Bildungs- und Erziehungsplan vorgelegt. Er richtet sich nicht nur an die Kitas und bietet einen pädagogischen Orientierungsrahmen vom Zeitraum der Geburt bis zum Ende der Grundschulzeit.
Diese Entwicklung wirkt sich auch auf die Qualifikation der in Kitas engagierten Fachkräfte aus. So treten neben die Erzieherinnen und Erzieher nun auch an Hochschulen qualifizierte Elementarpädagoginnen und –pädagogen. In den letzten vier Jahren sind mehr als 40 neue Studiengänge entstanden (darunter fünf in Hessen), die für frühkindliche Bildungsaufgaben qualifizieren.
Männer und Migranten gesucht
Wenn es nach den Experten geht, sollte sich das pädagogische Personal in den Krippen und Kindergärten auch in anderer Hinsicht verändern: Mehr Männer und Migranten werden gebraucht. Im Jahr 2008 lag der Männeranteil erst bei rund 3 Prozent. Dabei können die männlichen Erzieher mehr als Fußballspielen oder Nase putzen. Ihre Vorbildfunktion mit den Möglichkeiten zur Identifikation und Abgrenzung ist für die kindliche Entwicklung immens wichtig.
Migranten sollen in den Kitas dazu beitragen, dass mehr Zuwandererkinder von der frühkindlichen Förderung profitieren. Mit ihrer besonderen Erfahrung sind sie in der Lage, bei den ausländischen Eltern und Kindern Vertrauen zu schaffen und kulturelle Brücken zu schlagen.
Mangelnde gesellschaftliche Anerkennung
Und was meinen die Erzieherinnen und Erzieher selbst? Nach einer GEW-Studie sind die meisten mit ihrem Arbeitsplatz recht zufrieden. Handlungsbedarf besteht aus ihrer Sicht vor allem bei der mangelnden gesellschaftlichen Anerkennung ihrer Tätigkeit. Höchste Zeit, dass sich das ändert – bei einem der wichtigsten Berufe unserer Zeit.
(Quellen: Der historische Rückblick zur Berufsgeschichte basiert auf dem Aufsatz "Selbst ein Weg von tausend Meilen beginnt mit einem ersten Schritt" von Ralph Christian Amthor, kindergartenpaedagogik.de)
