Partizipationsförderung durch Aktionsprogramme

Kinder und Jugendliche haben nicht nur Selbst- und Mitbestimmungsrechte; ihre Vorstellungen und Ideen sind für die Gestaltung ihrer Lebensräume, für das Zusammenleben mit anderen und für die Organisation des Alltags von großer Bedeutung.

Das Lebensumfeld gestalten

In den letzten Jahren hat in der Kinder- und Jugendpolitik die Diskussion zum Thema Partizipation (Beteiligung, Mitwirkung) eine neue Qualität erreicht. Mit dem Ziel einer kinder- und jugendfreundlichen Gesellschaft erhalten junge Menschen die Möglichkeit, sich nicht nur öffentlich zu artikulieren, sondern sich konkret in Planungen und Aktionen ihrer Lebensbereiche zu engagieren. Kinder und Jugendliche werden darin unterstützt, sich eine eigene Meinung zu bilden, politische Möglichkeitsräume zu erkunden, Entscheidungen zu treffen und handlungsfähig zu sein. Neben der Familie, Kindergarten, Schule und Gleichaltrigengruppe wird auch den Beteiligungsangeboten der Jugendarbeit eine wichtige Funktion zur Orientierung in der sozialen und politischen Welt zugeschrieben.

 

Aktionsprogramme des Landes

Wie diese Beteiligung verwirklicht werden kann, stand im Zentrum der beiden Aktionsprogramme.

  • Das Aktionsprogramm „Partizipation“ (1999-2001)
  • Das Aktionsprogramm „Partizipation und interkulturelle politische Bildung“ (2003-2005)

 

Aktionsprogramm "Partizipation"

Bei der konkreten Arbeit von 25 Projekten, die mit dem ersten Aktionsprogramm Partizipation durch die Hessische Landesregierung gefördert wurden,  ging es oft um die Ergänzung oder Neu- bzw. Umgestaltung von Plätzen, Schulhöfen oder Spielplätzen oder die Gestaltung von Räumen. Die Interessen der Kinder und Jugendlichen richteten sich auf die direkte Verbesserung ihrer Aufenthaltsorte (Wohnumfeld, Freizeitanlagen, Jugendräume u.ä.) aber auch auf eine Steigerung der Sicherheit und des Wohlbefindens im öffentlichen Raum (Verkehr, Wege).

 

Aktionsprogramm "Partizipation und interkulturelle politische Bildung"

Das Aktionsprogramm „Partizipation und interkulturelle politische Bildung“ (2003-2005) knüpfte an die Erfahrungen und Erkenntnisse der Vorgängeraktion an. Es wurden 17 Modellprojekte, davon acht im Themenfeld „Partizipation“ und neun mit dem Schwerpunkt „interkulturelle politische Bildung“ mit 590.000 Euro gefördert.

Die Hälfte dieser Projekte befanden sich in kommunaler Trägerschaft, der andere Teil wurde von Verbänden und freien Trägern realisiert. Erprobt wurden Gestaltungs- wie Vernetzungs- und Strukturentwickelnde Projekte. Dabei wurden verstärkt Aspekte der Verstetigung ebenso wie Fragen des Transfers von Beteiligungskultur in den Blick genommen. Die Projekte mit dem Schwerpunkte „interkulturelle politische Bildung“ zeichneten sich durch sehr unterschiedliche Initiativen aus: Familienseminare zum intergenerativen Wertedialog, Plan-, Geländespielszenarien mit Jugendlichen zur Lebens- und Empfindungswelt von Einwanderern, Netzwerkentwicklung mit den hessischen Partnerregionen, Interkulturelle Jugendbildung und die europäische Osterweiterung, stehen hier beispielhaft für die breite Facettierung in diesem Feld der Modellförderung. Dabei geht es stets darum, dass die Prinzipien der Partizipation und Beteiligung in allen Bereichen der Bildungsangebote umgesetzt werden können. Sie muss altersgerecht ab dem Vorschulalter ermöglicht werden. Beteiligung ist ein Lernprozess, nicht nur für die Kinder und Jugendlichen, sondern auch für die Professionellen aus der Jugendarbeit wie der Politik.
Das Aktionsprogramm „Partizipation und interkulturelle politische Bildung“ wurde wissenschaftlich von der UNI Marburg begleitet. Eine Dokumentation und der Abschlussbericht liegen vor.

 

Aktionsprogramm „Partizipation und Kooperation zwischen Jugendarbeit und Schule (PKJS)" im Rahmen des Jugendbildungsförderungsgesetzes

Die zentrale Botschaft des Zwölften Kinder- und Jugendberichtes lautet: Keine Institution schafft Bildung, Erziehung und Betreuung allein. Der Bericht empfiehlt deshalb, schulische und nicht-schulische Angebote besser aufeinander abzustimmen sowie die unterschiedlichen Bildungsorte und Lernwelten miteinander zu verknüpfen. Gleichzeitig spricht der Bericht der außerschulischen Jugendarbeit in der Bildungsbiographie junger Menschen eine entscheidende Rolle zu.
In Hessen ist die außerschulische Jugendarbeit und Jugendbildung außerordentlich vielfältig und breit entwickelt - ein Potenzial somit, das es zu mobilisieren gilt, wenn es darum gehen soll, in der Entwicklung von Ganztagsangeboten neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Schule und außerschulischen Trägern zu entwickeln und zu erproben. Wir suchen nach Möglichkeiten der Gestaltung sowie nach modellhaften Ansätzen und Beispielen der Kooperation von Jugendarbeit und Schule.
Eine ständige gesellschaftliche Herausforderung ist die Fortentwicklung und Stärkung der „Partizipationskultur“ in Hessen. Demokratie braucht Kinder und Jugendliche, die sich einmischen. Deshalb will das Hessische Sozialministerium der Beteiligungsbewegung in Hessen neue Impulse geben. Es gilt, auf Grundlage der mit den Aktionsprogrammen gemachten Erfahrungen, die angestoßenen Arbeitsansätze weiter zu entwickeln und zu verstetigen.

Jugendarbeit und Schule sind in Bewegung geraten - jede für sich und beide zusammen.

Das Hessische Sozialministerium hat mit der Ausschreibung des Aktionsprogramms „Partizipation und Kooperation zwischen Jugendarbeit und Schule“ im Jahr 2006, die „Bewegung“ gezielt über die Jugendarbeit angestoßen und erfreulich vielfältige Resonanz erfahren. Aus 68 Bewerbungen wurden 19 Projekte zur Modellförderung mit insgesamt 1 Million Euro in den Jahren 2007 – 2009 ausgewählt.

Die wissenschaftliche Begleitung des Programms hat die Hochschule Darmstadt, Fachbereich Sozialpädagogik, Herr Prof. Dr. Achim Schroeder, Frau Ulrike Leonhardt. Sie werden die hessischen Projekte der Jugendarbeit und die Bildungspraxis im Kooperationsfeld Schule untersuchen, die Rahmenbedingungen in den Blick nehmen und fragen, ob es zu einer verbesserten Kooperation und Partizipation von Schule und Jugendarbeit kommt.

  • Ansprechpartner
  • Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit
    Außenstelle Kassel
    Gerhard Sechtling
    Tel. 0561/3085-223

Inhalt erstellt am 16.12.2004  -  Zuletzt aktualisiert am 09.07.2007

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