Wiesbaden, den 16.11.2004.Lautenschläger und Wolff stellen erste Ergebnisse zu Nachmittagsbetreuung, Schülermitbestimmung und Berufstätigkeit der Eltern vor.
Neues Instrument zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
Die Hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger hat heute in Wiesbaden gemeinsam mit der Hessischen Kultusministerin Karin Wolff das neue Projekt „Kinderbarometer Hessen 2004“ vorgestellt, das die „hessenstiftung – familie hat zukunft“ auf den Weg gebracht hat. „Durch Befragungen werden die Stimmungen, Meinungen und Trends von Kindern und Jugendlichen in Hessen ermittelt. Das Kinderbarometer ist ein neuer Baustein der Beteiligungsmöglichkeiten von jungen Menschen und zugleich ein Gradmesser für die Kinder- und Familienfreundlichkeit im Land“, erklärten die beiden Ministerinnen.
Auf diese Weise erhalte man direkte Anhaltspunkte für die Gestaltung einer kindgerechten Politik und eine Grundlage, um die Perspektive von Kindern stärker in der öffentlichen Diskussion einbringen und bei Entscheidungen berücksichtigen zu können. Gleichzeitig soll das „Kinderbarometer Hessen 2004“ weitere Erhebungen in den Kommunen, beispielsweise zu Betreuungs- und Freizeitangeboten für Kinder, anregen.
Erstmals wurden im Herbst 2003 und Frühjahr 2004 an 100 Schulen 2.200 Kinder der vierten bis siebten Klassen aller Schulformen in Hessen befragt. Die Themen des Fragebogens waren schwerpunktmäßig die Nachmittagsbetreuung an der Schule, die Mitbestimmung in der Schule und die Sicht der Kinder auf die Arbeit ihrer Eltern. Die beiden Ministerinnen präsentierten die zentralen Ergebnisse der Befragung.
20 Prozent der Schülerinnen und Schüler gaben bei der Umfrage an, dass sie ein Nachmittagsangebot an der Schule besuchen. Die Nutzung ist in Großstädten und bei Kindern mit Migrationshintergrund besonders verbreitet. Die Kinder wünschen sich für die inhaltliche Gestaltung des Nachmittags nicht die Vertiefung der morgendlichen Schulfächer, sondern Sport, Spiel, Entspannung, Projektunterricht sowie Zeit zur Diskussion von Problemen. Die Nachmittagsbetreuung sollte, so das Votum der Kinder, nicht im Klassenverband, sondern in Kleingruppen stattfinden. Eine altersgemischte Zusammenstellung der Kleingruppen wird abgelehnt. Die Identifikation der Schülerinnen und Schüler mit der Schule ist hoch. Sie fühlen sich aber nicht ausreichend beteiligt und wünschen sich mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten.
Für die meisten der Befragten ist es Alltag, dass sowohl ihr Vater als auch ihre Mutter arbeiten. Die Erwerbstätigkeit der Eltern hat nach Aussage der Kinder nur wenig negative Auswirkungen auf sie. Nur selten leidet die Kommunikation oder die gemeinsame Aktivität unter der Arbeitsbelastung der Eltern. Ungünstig wirken sich allerdings familienunfreundliche Arbeitszeiten wie Nachtarbeit oder Arbeit am Abend oder Wochenende aus. Auch wenn aufgrund der Berufstätigkeit der Eltern eine Annäherung der Geschlechterrollen zu vermuten ist, wird aber die kindliche Sicht der Familienrollen weiterhin traditionell geprägt. Dem Vater wird stärker die Rolle zugeschrieben, Ernährer der Familie zu sein, während die Mutter – aus Sicht der Kinder – Versorgungstätigkeiten zu übernehmen hat.
Die Ergebnisse des Kinderbarometers fördern zum Teil ungewohnte Sichtweisen zu Tage. So ist es aus Sicht der Kinder nicht entscheidend, ob ihre Eltern beide arbeiten oder nicht. Wichtiger für das Wohlergehen der Kinder ist nach den Ergebnissen der Umfrage, was Eltern bei ihrer Arbeit erleben, wie sie dies zuhause mitteilen und ob sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen können. Ein weiteres Beispiel betrifft die klassische Form der Schülerbeteiligung, den Klassensprecher. Jedes fünfte Kind in Hessen hatte bereits einmal dieses Amt inne. Doch liegen die eigentliche Funktion des Klassensprechers und das Bild, das die Schüler von ihm haben, weit auseinander. Die Schüler stellen sich eher einen disziplinierenden oder streitschlichtenden Sprecher vor als einen, der ihre Interessen bündelt und sie vertritt.
Das Kinderbarometer ist ein Projekt der „hessenstiftung - familie hat zukunft“, deren Beiratsvorsitzende Sozialministerin Silke Lautenschläger ist. Kultusministerin Karin Wolff gehört ebenfalls dem Beirat der Stiftung an. Das Gremium hatte im Frühjahr 2003 beschlossen, in Anlehnung an bekannte „Meinungsbarometer“ ein Referenzinstrument für Hessen zu schaffen. Die Befragungen werden vom ProKids-Institut durchgeführt. Sozial- und Kultusministerium haben an der Konzeption der Umfrage mitgearbeitet.
