"Wie lebt sich's mit Oma ... und den Enkeln?"

Familie Elm

Früh hatten wir begonnen, wir beide – meine Frau und ich – mit der Gründung einer Familie – sehr früh, für unsere Eltern viel zu früh.
„ Ihr nehmt euch zuviel weg – genießt euere Jugend, macht keine unüberlegten Dinge, freut euch des Lebens!“
Wir freuten uns ja, mehr als unsere Eltern ahnten und wissen durften. Doch mit ihren Mahnungen und Ratschlägen wurden wir ständig konfrontiert, an jedem Tag, den Gott werden ließ. Trotzdem, in unserer Zweisamkeit zeigte sich die Sonne, auch wenn es regnete. Und überhaupt, ich kann mich an keine klimatische Veränderung in dieser Zeit erinnern – für mich war jeder Tag schön – nicht eine einzige Wolke zeigt sich an unserem Himmel, die „Großwetterlage“ in unserer so glücklichen Beziehung, präsentierte uns ein ständiges, ungetrübtes „Hoch“.

Weitere, lebenserfahrene Feststellungen ließ man uns angedeihen „Ihr seht euch zu oft, ihr habt doch keine Zeit mehr für euch selbst – konzentriert euch auf eueren Beruf.“ Wir hörten zwar hin – aber nicht zu. Soweit so gut! Wir heirateten. Noch früher als unsere Eltern es geahnt haben wollten.

Die grauen und trüben Ahnungen, die man uns beiden so wortreich vorgemalt hatte, trafen – Gott sei’s gedankt – nicht ein. Im Gegenteil – wir wurden in wenigen Jahren reich beschenkt, mit drei gesunden Kindern, zwei Jungen ein Mädchen. Für mich als ehemaliges „Einzelkind“ eine herrliche Erfahrung. Nun waren wir eine richtige Familie geworden und unsere Eltern stolz auf ihre Enkelkinder. Natürlich lag es an ihrer so vortrefflichen Erziehung, an ihren Erfahrungen, die sie so selbstlos an uns weiter gegeben hatten, darum klappte es bei uns so gut, was sie ja auch von Anfang an gewusst, gefühlt und in keinem Fall anders erwartet hatten.

„Kinder wir sind stolz auf euch!“, das war schön zu hören; dazu kam, dass wir ihnen die schönsten und intelligentesten Enkelkinder geschenkt hatten, die es überhaupt gab, wie sie, ach so stolz in ihrem Freundekreis freudig erzählten. Wir hatten Glück, denn wieder zeigten sich keine bedrückenden Sorgenwolken an unserem Familienhimmel außer den üblichen „Kurzgewittern“ – die ja, wie man weiß, die Luft so schön reinigen können. Apropos Luft – die fehlte uns, oder war sehr dünn im finanziellen Bereich, doch wir erarbeiteten uns einen „Einfallsreichtum“ der auch sein Geld wert ist.

So fanden unsere erlebnisreichen und abenteuerlichen Urlaub in der sogenannten: „Costa della Rhön“ oder im „Vogelsbergensis“ statt und oft, weil die Kinder so süß waren, ging es ins Sauerland (blöder Einfall). Hier wurde der „Möhnerstausee“ zu unserer Ostsee, zur Nordsee, zum wilden unruhigen Atlantik und zum wunderschönen warmen Mittelmeer. So fuhren wir in jedem Jahr woanders hin – aber immer zum Möhnesee. Gemeinsam bewohnten wir unsere prächtige „Villa Kunterbunt“, ein recht günstig erstandener Wohnwagen, mit einem großen Vorzelt. Darin wurde es besonders gemütlich, wenn der Regen seine Melodien auf das Wohnwagendach trommelte, wie dicht beieinander hockten Lieder Sagen, Geschichten erzählten oder „Monopoli“ spielten, wobei unsere helle Tochter ihre Brüder oft zur Weißglut brachte, weil sie immer, aber auch wirklich immer, die teuersten Straßen und Häuser ergatterte und uns alle in den vorzeitigen Bankrott trieb. Familienleben pur! Heiter, unbeschwert, hier und da nur etwas abgedunkelt, wenn es Zeugnisse gegeben hatte.... na ja – bald wurde alles wieder hell und freundlich. Heute will ich gar nicht verstehen, worüber ich mich eigentlich aufgeregt habe. Das Glück war nah und echt – es hat uns eigentlich nie verlassen – aber unsere Kinder.

Sie waren ja nicht weit weg – nur aus unserem Haus. Doch knapperten wir zwei recht mühsam an der ungewohnten Situation – im übrigen die gleiche, vor die wir unsere Eltern einmal gestellt hatten. Dies bleibt von Generation zu Generation, ein fester Bestandteil aller Familien. Mir kam es vor, als wäre dies alles über Nacht geschehen – die Kinder waren flügge geworden und bauten fleißig an ihren eigenen Nestern. Nach wie vor erfährt meine liebe Frau noch heute von ihren Kindern zärtliche Umarmungen, bei mir ist ein kräftiger Händedruck meiner Söhne der Zuneigungsbeweis, der mich zufrieden macht und die Küsse meiner Tochter.

Wir beide waren nun wieder allein, mit großen Plänen im Hinterkopf, aber viel kleineren Kochtöpfen. Dann kamen die Kinder wieder öfter, alle mit ihrem geliebten Anhang, selbstredent in unsere Arme, auch alle! Die Familie wurde größer als vorher – auch die Kochtöpfe und verschwindend klein unsere großen Pläne. Denn mit einem Schlag änderte sich wieder alles, vor allem mein Lebensgefühl, die Werte verschoben sich ungemein – weil da ein bezauberndes, kleines Wesen mit einem zarten Stimmchen, mir etwas ins Ohr hauchte, so, dass meine Sinne zu taumeln begannen: „Opa!“

Ab diesem Moment war alles anders, auch für meine geliebte Frau, die ein paar Tage länger auf ihr „Oma!“ warten musste. Da war etwas geschehen – unser Leben schien bewegter, frischer. Viele Dinge, die ach so wichtig waren, nahmen keinen Gedanken mehr in Anspruch. Wichtig geworden war unsere große, heitere Familie. Nun rufen schon vier Enkel nach Oma und Opa. Glück und Freude haben sich vervierfacht.

Großeltern werden immer gebraucht, wir dürfen es erfahren... und, weil wir einmal so früh begonnen haben, sind wir „Alten“ noch jung genug, um mit unseren Enkeln, die Welt neu zu entdecken, aber auch unsere nähere Heimat wird wieder lebendig, Blumen und Kräuter intensiv besprochen, die Fahrräder bewegt und im Schwimmbad die errungenen Prüfungen, wie „Seepferdchen“ und Freischwimmerzeugnis bejubelt. Selbst unser kleiner Garten wird zu einer Märchenlandschaft und wir sehen wieder selbst so einiges um uns herum, was sich der Erwachsenenwelt heimlich verborgen hatte – allein durch die Fragen der Kinder. Wir lernen wieder Formeln und Regeln der Mathematik kennen und finden gemeinsam Lösungswege, die wir einmal, auch richtig, aber völlig anders, gehen mussten. Vier „Sparschweinchen“ zieren eine Ablage in unserer Küche, her verschwindet dann so mancher Euro, wenn die Leistungen in der Schule, gut oder sehr gut ausfallen.

Die unverstellten Zuneigungsbeweise unserer geliebten Enkel, machen uns reich und glücklich. Durch die unbekümmerte Heiterkeit der Kinder werden wir beschenkt. Und weil wir lieben können sind wir unermesslich wohlhabend geworden – allein durch unser Familienglück.
„ Es lässt sich gut leben mit „Oma“ und den Enkeln!“

Der „Opa“ Günther Elm

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Inhalt erstellt am 28.02.2005  -  Zuletzt aktualisiert am 22.06.2005

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