Erstmals in Deutschland entwickelt das Land Hessen gemeinsam mit Bayern ein umfassendes Bildungskonzept für Kinder, das sich nicht auf einen Altersabschnitt beschränkt, sondern die gesamte kindliche Entwicklung zwischen dem ersten und dem zehnten Lebensjahr berücksichtigt. Sozialministerin Silke Lautenschläger und Kultusministerin Karin Wolff haben den hessischen Bildungs- und Erziehungsplan am 21. März in einer ersten Entwurfsfassung in Wiesbaden vorgestellt. Sein Ziel ist es, Kinder früher, nachhaltiger, individueller und intensiver zu fördern.
„Das Kind muss im Mittelpunkt stehen. Wichtig ist spielerisches Lernen von Anfang an. Kinder sind neugierig, wollen mitmachen und gefördert werden“, betonte Sozialministerin Lautenschläger. Neuere Erkenntnisse aus dem Bereich der Hirnforschung und der Entwicklungspsychologie hätten gezeigt, dass gerade die frühkindliche Phase von 0 bis 3 Jahren prägend für die weitere Entwicklung eines Kindes sei und die Grundlage für das lebensbegleitende Lernen bilde. „Wir möchten alle an Bildung und Erziehung Beteiligten an einen Tisch holen, auch die Familien“, ergänzte Kultusministerin Wolff. „Nur wenn wir alle aktiv in die Umsetzung des Plans einbeziehen, können wir die Qualität der frühen Bildung entscheidend verbessern.“
Der Entwurf des Bildungs- und Erziehungsplans wurde von einer Fachkommission unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Dr. Wassilios E. Fthenakis vom Staatsinstitut für Frühpädagogik München erarbeitet. Die Fachkommission setzt sich aus Experten der Ministerien und verschiedener Institutionen zusammen, darunter Vertreter der kommunalen Spitzenverbände, der Kirchen, der Liga der freien Wohlfahrtspflege, der Unternehmerverbände, der Staatlichen Schulämter sowie Fachkräfte und Eltern.
In einer knapp dreimonatigen Anhörungsphase wird der Entwurf des Bildungs- und Erziehungsplans jetzt öffentlich zur Diskussion gestellt. Verbesserungsvorschläge, Anregungen und Kritikpunkte sollen im Anschluss in eine weitere Fassung des Plans einfließen. Im Kindergarten-/Schuljahr 2005/06 wird der Bildungs- und Erziehungsplan dann an 60 ausgewählten Einrichtungen in die Erprobungsphase gehen. Kindertagesstätten und Grundschulen können sich gemeinsam für die Teilnahme bewerben. „In der Erprobungsphase geht es darum, den Plan mit Leben zu füllen und ihn auf seine Praxistauglichkeit zu testen“, erklärten die Ministerinnen Wolff und Lautenschläger. „Hier sind Kreativität, Erfahrung und Engagement von Eltern, Fach- und Lehrkräften gleichermaßen gefragt.“
Der Bildungs- und Erziehungsplan setzt einen Orientierungsrahmen für Eltern, Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher. Neben gemeinsamen Bildungs- und Erziehungszielen beinhaltet er einrichtungsübergreifende, ineinander übergehende Handlungsleitlinien, wie die individuellen Fähigkeiten der Kinder gezielt und kontinuierlich gefördert werden können. Insbesondere Kinderbetreuungseinrichtungen und Grundschulen sollen zu einem aufeinander aufbauenden Bildungssystem zusammengeführt werden. Im Mittelpunkt steht die Stärkung von Grundkompetenzen wie sozialer Kompetenz oder Sprachkompetenz, die Kinder gemäß ihres Entwicklungsstands erwerben können. Dabei sollen sie von Anfang aktiv in die Lernprozesse eingebunden werden.
(Quelle: Hessisches Sozialministerium)
