Kongress präsentiert familiengerechte Angebote
Hessische Hochschulen wollen den Titel „Familiengerechte Hochschule“, so ein Ergebnis des Kongresses „Vereinbarkeit von Beruf & Familie. Hessische Hochschulen zeigen Profil!“, zu dem am 1. Juli Studierende, Professoren, Vertreter von Hochschulen, Stiftungen und Deutschem Studentenwerk in der Aula der Justus-Liebig-Universität Gießen zusammenkamen. Der Präsident der Gießener Universität, Professor Stefan Hormuth, und die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger forderten die Universitäten in Hessen auf, durch familienfreundliche Personalpolitik und Arbeitsbedingungen ihren Beschäftigten – Frauen, aber auch Männern – die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Darüber hinaus müsse Studieren mit Kind als Alltag an den Hochschulen integriert werden.
„Auf Dauer kann es sich eine wissensbasierte Dienstleistungsgesellschaft nicht leisten, dass die Studenten von heute nicht mehr die Eltern von morgen sind,“ stellte Sozialministerin Silke Lautenschläger fest. „Derzeit bleiben aber gerade diejenigen immer häufiger zeitlebens ohne Kinder, die selbst einen hohen Bildungsabschluss haben.“ Bei westdeutschen Frauen mit Hochschulabschluss sei der Anteil der Kinderlosen in den letzten zehn Jahren von 31 auf 42,2 Prozent gestiegen. „Das Absolvieren eines Studiums muss auch mit Kind möglich sein. Wenn dies erleichtert wird, wird zugleich für die vielen Frauen, die eine fundierte Ausbildung haben wollen, das Zeitfenster für die Erfüllung des Kinderwunsches erweitert“, betonte die Ministerin.
Seit Anfang 2005 untersucht die „hessenstiftung – familie hat zukunft“ in ihrem auf vier Jahre angelegten Modellprojekt „Studieren mit Kind“ an der Universität Gießen die Erfolgsfaktoren, die eine Vereinbarkeit von Familiengründung und Studium befördern. Frau Professor Uta Meier-Gräwe, wissenschaftliche Leiterin des Modellprojekts und Professorin für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaft, beschrieb, warum die Studienzeit ein relativ günstiges biographisches Zeitfenster für Elternschaft und Familiengründung sei. „Akademiker erleben heute eine ‚Rush hour of life’ zwischen 30 und 45“, führte Meier-Gräwe aus. Der berufliche Einstieg solle gefestigt werden und die Weichen für eine Karriere müssten gestellt werden. Gleichzeitig dazu den Übergang von der Partnerschaft zur Elternschaft zu bewältigen, stelle größte Ansprüche an das tägliche Zeitmanagement zwischen Beruf und Familie. Eine frühere Familiengründung scheine daher sinnvoll. Doch entscheide sich nur eine kleine Minderheit von Studierenden (6%) schon während des Studiums für Kinder. „Wir müssen den Studierenden mit Kindern und denen, die es werden wollen, faktisch wie mental einen roten Teppich ausrollen,“ betonte Meier-Gräwe.
Die hessischen Hochschulen sollen künftig keine kinderfreie Zone bleiben. Die Landesregierung leistet hierzu einen wichtigen Beitrag: Sie unterstützt die Hochschulen auf dem Weg zu familiengerechten Arbeits- und Studienbedingungen, indem sie ihnen das Audit „Familiengerechte Hochschule“ ermöglicht. Es wird von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung angeboten, die dieses Instrument 2002 zur Unterstützung von Hochschulen initiiert: Zunächst analysieren externe Auditoren die bereits vorhandenen Angebote einer Hochschule. Auf dieser Basis erarbeitet die Hochschule gemeinsam mit den Auditoren auf ihre Institution zugeschnittene Ziele und Maßnahmen, die in einem dreijährigen Prozess umgesetzt werden. Als erste hessische Hochschule hat die Fachhochschule Frankfurt das Audit durchgeführt und 2004 ein entsprechendes Zertifikat erhalten.
Sieben hessische Hochschulen haben das Angebot der Landesregierung bereits angenommen. Die Fachhochschulen Gießen-Friedberg, die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Justus-Liebig-Universität Gießen, die Philipps-Universität Marburg und das Klinikum der Philipps-Universität Marburg haben mittlerweile das Grundzertifikat erhalten. Die TU Darmstadt und die Universität Kassel befinden sich derzeit im Verfahren. Der Vorreiter – die Fachhochschule Frankfurt, die FH Gießen-Friedberg, die Universitäten Frankfurt, Gießen und Marburg – präsentierten im Rahmen des Kongresses ihre Modelle familiengerechter Studien- und Arbeitsbedingungen. In unterschiedlicher Schwerpunktlegung werden sie in den kommenden Jahren ihre Angebote für Gleitzeit und Teilzeitarbeit erweitern, die Kinderbetreuung für Angestellte und Studierende ausbauen und verstärkt Information und Beratung anbieten. Die Fachhochschule Frankfurt zum Beispiel zeigt ihren Studierenden Wege auf, wie sie ein Auslandsstudium mit Kind realisieren können und berät ausländische Studierende mit Familie, die ihrerseits zum Studium an die FH nach Frankfurt kommen.
Der Kongress war die zweite Veranstaltung der Reihe „Dialog Beruf & Familie in Hessen“, der die Frage in den Mittelpunkt stellt, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden kann. Damit wollen das Hessische Sozialministerium, die Gemeinnützige Hertie-Stiftung und die „hessenstiftung – familie hat zukunft“ den Blick für Familienfreundlichkeit in unserer Gesellschaft schärfen und die Bedeutung der Familienpolitik als Standortvorteil bewusst machen.
(Quelle: Hessisches Sozialministerium)
