Hochschule und Kind? - Ja, klar!

Tagung beleuchtet Zwischenergebnisse der Gießener Längsschnittstudie "Studieren und Forschen mit Kind"

"Studierende und promovierende Eltern mit Kind halten durchgängig den Ausbau von qualitativ hochwertigen und flexiblen Kinderbetreuungsangeboten auch für die unter Dreijährigen für dringend erforderlich", teilte Prof. Uta Meier-Gräwe bei der ersten Tagung zu dem von ihr geleiteten Modellprojekt "Studieren und Forschen mit Kind" am 2. November an der Justus-Liebig-Universität in Gießen mit. Über 130 Teilnehmer, Verantwortliche verschiedenster Institutionen und Betroffene,  konnten nach der Präsentation der Zwischenergebnisse in sechs Workshops ihre Ideen dazu einbringen, mit welchen Maßnahmen Studieren und Forschen mit Kind in Gießen vom Notfall zum Normalfall werden könne.

"Hauptziel ist es, die Vereinbarkeit von Studium, wissenschaftlicher Karriere und Familie zu verbessern. Nur wenn wir die Voraussetzungen dafür schaffen, werden sich auch langfristig wieder mehr Studierende und Akademikerinnen für Kinder entscheiden. Gerade in dieser Gruppe ist die Kinderlosigkeit besonders hoch", betonte Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger. Sie wies in ihrem Grußwort darauf hin, dass die "hessenstiftung - familie hat zukunft", deren Beiratsvorsitzende sie ist, das Modellprojekt finanziere, weil es eine vierjährige Längsschnittanalyse mit konkreten Maßnahmen verbinde. Der Beirat der Stiftung werde die Ergebnisse der Dokumentenrecherche und der ersten Welle von Tiefeninterviews prüfen, um daraus erste Schritte der Umsetzung zu realisieren.  Die Hessenstiftung will mit ihren Fördermitteln - zunächst 130.500 Euro über vier Jahre - einen Anreiz schaffen, der weitere Mittel in der Region mobilisieren soll, zugunsten der Studierenden mit Kind.

Die präsentierte qualitative Erhebung auf der Basis von Interviews mit Experten und Betroffenen führt einige Faktoren auf, die der Vereinbarkeit von Studium, Forschung und Elternschaft derzeit im Wege stehen. Entgegen einer in der Öffentlichkeit weit verbreiteten Meinung, dass diese Studienphase genügend zeitliche Spielräume berge, stehen studierende und promovierende Eltern mit Kind unter einem enormen täglichen Zeitdruck. Der Balanceakt zwischen Studium, Familiengründung und einem Job zur Absicherung des Lebensunterhalts führt häufig, vor allem bei Frauen, zum Studienabbruch. Die Einführung modularisierter Studiengänge und Studiengebühren verschärft den Druck. Die Befragten forderten für ihre Lage bessere und flexiblere Kinderbetreuung auch in Prüfungsphasen, ein gebündelteres Informations- und Beratungsangebot, mentalen Barriereabbau und einfach mehr Verständnis.

Die Dokumentenanalyse brachte zutage, dass es an verlässlichem, aktuellen Datenmaterial über die angezielte Gruppe mangelt. Für Gießen als der Stadt mit der höchsten Studierendendichte in Deutschland lässt sich keine genaue Anzahl studierender und forschender Eltern mit Kindern angeben. Die Schätzung von 1000 bis 1500 studierenden Eltern mit Kind beruht auf dem aktuellen Lehr- und Studienbericht, der fünf Prozent Eltern an der Justus-Liebig-Universität angibt.

Die Ergebnisse der Studie wie auch die Workshops betreffen sechs Handlungsfelder: Studienorganisation, Kinderbetreuung, Finanz- und Wohnsituation, Information und Beratung, Hochschulpolitik und Übergang in die Erwerbstätigkeit. In allen Feldern sollen in den nächsten zwei Jahren Verbesserungsmaßnahmen auf den Weg gebracht werden. Das Projekt "Studieren und Forschen mit Kind" ist konzeptionell so angelegt, dass nach der Maßnahmenphase (November 2005 bis Oktober 2007) im vierten Jahr die Bestandsaufnahme wiederholt wird, um Veränderungen in der Situation erfassen zu können und ein umfassendes Bild von studierenden Eltern bzw. Eltern in der postgraduierten Qualifikationsphase zu erhalten.

 (Quelle: hessenstiftung - familie hat zukunft)

Inhalt erstellt am 04.11.2005  -  Zuletzt aktualisiert am 04.11.2005

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