Alkopops in neuem Gewand

Marktcheck der Verbraucherzentrale Hessen ermittelt Versuche von Herstellern und Händlern, den Jugendschutz bei den alkoholhaltigen Trendgetränken zu umgehen

Ob mit Lemon und Rum oder Taurin, Koffein und dem „Geschmack von Wodka“ - die Hersteller von Alkopops haben sich wegen drohender Umsatzeinbußen etwas einfallen lassen: „Weinhaltige Cocktails“ heißt das Zauberwort. Bei der neuen Rezeptur liefert statt Branntwein jetzt Wein den Alkohol. So werden die seit August 2004 zum Jugendschutz eingeführte Sondersteuer auf branntweinhaltige Alkopops und der vorgeschriebene Warnhinweis „Abgabe an Personen unter 18 Jahren verboten“ umgangen.

Mit einem durchschnittlichen Alkoholgehalt von 5,5 Vol. % sind die weinhaltigen Cocktails aber genauso hochprozentig und für Jugendliche ungeeignet wie ihre Vorgänger. „Besonders bedenklich ist, dass die trendig aufgemachten, weinhaltigen Alkopops jetzt bereits an 16-Jährige abgegeben werden dürfen und natürlich ebenso zum frühzeitigen Alkoholkonsum verführen können“, warnt Andrea Schauff, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hessen.

Wie zudem ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Hessen im Januar 2006 in Frankfurt zeigte, werden Alkopops von den Händlern auch an jüngere Konsumenten abgegeben: In 5 von 7 Verkaufsstellen erhielt eine 14-jährige Testkäuferin die Produkte ohne Nachfrage nach Alter und Personalausweis. Die Verbraucherzentrale fordert deshalb eine Ausdehnung der Alkopopsteuer auf hochprozentige, wein- und bierhaltige Süßgetränke. Im Handel müssen die Jugendschutzbestimmungen strikt eingehalten und strenger kontrolliert werden.

Die Untersuchung der Verbraucherorganisation hat ergeben, dass die Hersteller der weinhaltigen Cocktails für den Wiedererkennungseffekt bei Jugendlichen sowohl optisch als auch geschmacklich gesorgt haben. Mit bunter, peppiger Aufmachung der Getränke, Zucker, einem Mix an Zusatzstoffen, Koffein, Taurin, Spirituosenaroma oder der geringfügigen und damit nicht steuerpflichtigen Zugabe von Wodka oder Rum zur „Geschmacksabrundung“ sind die weinhaltigen Trendgetränke von den branntweinhaltigen Alkopops kaum zu unterscheiden.

Der Spirituosengeschmack kann die für Jugendliche unerwünschte Gewöhnung an hochprozentige Alkoholika fördern. Koffein und auch die teils enthaltene Kohlensäure in den Getränken beschleunigen die Alkoholaufnahme ins Blut. Mit einem Preis von rund 0,60 bis 0,80 Euro pro 275 ml kosten die weinhaltigen Cocktails meist nicht mehr als ihre branntweinhaltigen Vorgänger vor in Kraft treten der Sondersteuer.

Laut einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von Juni 2005 liegen deutsche Jugendliche im EU-Vergleich mit dem Konsum von rund 36 Gramm reinem Alkohol pro Woche im oberen Bereich. Die Menge reinen Alkohols, die männliche Jugendliche durchschnittlich pro Woche allein durch den Konsum von wein- und bierhaltigen Alkopops aufnehmen, stieg von rund 5 Gramm in 2004 auf rund 8 Gramm in 2005.

(Quelle: Verbraucherzentrale Hessen e. V.)

Inhalt erstellt am 22.06.2006  -  Zuletzt aktualisiert am 22.06.2006

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