UNICEF, Deutscher Kinderschutzbund und Bündnis für Kinder warnen vor den Folgen der zunehmenden Armut von Kindern
UNICEF, der Deutsche Kinderschutzbund und das Bündnis für Kinder haben die Bundesregierung aufgefordert, einen Aktionsplan mit konkreten Zielvorgaben zur Reduzierung der Kinderarmut festzulegen. Nach neuesten Berechnungen des Kinderschutzbundes leben heute in Deutschland allein 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche auf Sozialhilfeniveau. Immer mehr Kinder müssen auf Taschengeld, Freizeit- und Sportangebote verzichten. Oft ernähren sie sich mangelhaft und sind bei schlechter Gesundheit. Benachteiligte Kinder bleiben immer häufiger in isolierten Wohnvierteln unter sich, ohne gute Schulen, Ausbildungsmöglichkeiten und ausreichende soziale Unterstützung. Gemeinsam warnten die drei Organisationen auf dem Forum „Deutschland für Kinder“ in Berlin, an dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnahm, vor den dramatischen Folgen von Armut und Ausgrenzung für die betroffenen Kinder und den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft.
„Kinder ohne Chancen sind die Arbeitslosen von morgen. Die Überwindung von Kinderarmut ist eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben“, erklärte Bundespräsident a.D. Roman Herzog, Vorstandsvorsitzender des Bündnis für Kinder. Mit dem Forum „Ausgeschlossen – Kinderarmut in Deutschland“ fordern UNICEF, der Deutsche Kinderschutzbund und das Bündnis für Kinder mehr politischen Willen im Kampf gegen Kinderarmut ein.
Untersuchungen von UNICEF zeigen, dass die Kinderarmut in Deutschland, gemessen am durchschnittlichen Jahreseinkommen von Familien, im vergangenen Jahrzehnt deutlich schneller gestiegen ist als die Armutsrate in der übrigen Bevölkerung. Besonders schwierig ist die Situation in Familien mit nur einem Elternteil. Fast 40 Prozent der Alleinerziehenden und ihre Kinder sind relativ arm. Und sie bleiben es auch oft sehr lange. Und Kinder aus Zuwandererfamilien wachsen deutlich häufiger in Armut auf als ihre deutschen Altersgenossen.
Kinderarmut bedeutet aber mehr als materiellen Mangel. So wirken sich Einkommen und Bildungsstand der Eltern stark auf den Schulerfolg aus. Viele benachteiligte Familien sind nicht in der Lage, ihre Kinder ausreichend zu fördern und zu motivieren, damit sie die Schule erfolgreich bewältigen. Zudem haben Kinder, die in relativer Armut aufwachsen, deutlich weniger Möglichkeiten, am sozialen und kulturellen Leben teilzunehmen als ihre Altersgenossen. Dies alles führt letztlich zu einer Beeinträchtigung ihrer gesamten körperlichen und geistigen Entwicklung. Viele Kinder aus benachteiligten Wohnvierteln weisen bereits bei der Einschulung Defizite bei Feinmotorik, Grobmotorik und Sprachfähigkeit auf.
(Quelle: UNICEF Deutschland)
