06.11.-12.11.2006 - Raubtierfütterung per Milchflasche

Sonntag 22:00
„Offizieller Beginn der Kinderwoche“. Hierbei handelt es sich um eine scherzhaft durchgeführte Übergabe der Verantwortlichkeit für die Kinder von mir auf meine Frau bzw. umgekehrt. In der nun folgenden Woche ist meine Frau auf der Arbeit und ich bin für die Kinder da. Ich vermisse nun die Arbeit, freue mich aber auch gleichzeitig auf die Kinder.

Montag 6:00 Uhr
Katarina ist wie immer die Erste die aufwacht. Sie ruft laut „Paaapaaa“. Da ich dieses nun seit geraumer Zeit kenne, verlasse ich in aller Ruhe mein warmes Bett und schleiche rüber zu Katarina. Johanna darf hierbei auf keinen Fall geweckt werden, da mir ansonsten ein extrem schlecht gelauntes Kind droht.
Katarina ist wie immer putzmunter und lacht mich fröhlich an. Für diese Lächeln würde ich um jede denkbare Nachtzeit das Bett verlassen. Mit einem „Pscht“ versuche ich ihr zu verdeutlichen, dass sie etwas leiser sein soll. Sie versucht sich auch an einem „Pssssst“ und lacht laut. Ich geben ihr ein Bilderbuch und  verlasse mit den Worten „Ich hole dir ein Milchfläschen“ das Zimmer. Als ich zurück komme sitzt Katarina lesend im Bett. Sie schaut mich strahlend an und zeigt mir stolz einen „WauWau“. Danach trinkt sie das Fläschchen bis auf ein Drittel der Gesamtmenge aus, egal wie voll es ist, ein Drittel bleibt immer übrig - wie sie das nur schafft? Danach zeigt sie dann energisch auf das Bett – gut so, da will ich ja auch wieder hin. Katarina singt noch eine Weile und schläft dann ein. Ich auch. Johanna hat wie fast immer nichts bemerkt und schläft selenruhig weiter. Sie hat ja eine anstrengende Kindergartenwoche vor sich.

Montag 7:15 Uhr
Johanna wacht auf, rumpelt durch ihr Zimmer, öffnet kraftvoll die Tür und hüpft zu mir ins Bett. Wir unterhalten uns eine Weile und beschließen leise aufzustehen, um ein gemeinsames Frühstück einzunehmen. Hierbei genießt Johanna ganz offensichtlich die ungeteilte Aufmerksamkeit, die ihr zukommt.

Montag 8:00 – 9:30 Uhr
Katarina ist nun auch wieder wach. Jetzt geht´s los. Beide Kinder anziehen, gemeinsames Frühstück und ab zum Kindergarten. Das ist manchmal wie einen Sack Flöhe hüten. Katarina wackelt halsbrecherisch auf ihrem Kinderstuhl herum. Nach dem Frühstück werde ich ca. 100 mal „Katarina setz dich hin“ gesagt haben. Gleichzeitig animiert Johanna Katarina zu weiterem Unfug. Wir lachen und machen Quatsch zusammen.
Nach dem Frühstück machen wir uns auf zum Kindergarten. Er liegt nur 500 m von unserer Wohnung entfernt. Johanna und ich handeln kurz aus, ob sie heute zu Fuß geht oder mit ihrem Fahrrad fährt. Ich schleppe das Fahrrad samt Buggy aus dem Keller und es geht los.

Im Kindergarten werden wir schon von Johannas Freunden erwartet. Sie stürzen sich auf Katarina, der das Ganze manchmal etwas zu viel ist. Ich unterhalte mich währenddessen mit anderen Eltern und treffe erste Verabredungen für die Woche.

Johanna geht sehr gerne in den Kindergarten, ein kurzes Tschüss und Kuss und weg ist sie. Katarina und ich bringen noch die Lunchbox in die Kindergartenküche und machen uns auf den Weg nach Hause.

Montag 9:30 bis 14:00 Uhr
Katarina und ich lesen zwei Bilderbücher. Danach will Katarina alleine die Wohnung erkunden. Sie liebt diese Streifzüge. Ich fülle eine Waschmaschine, lese die Zeitung, spüle und räume die Wohnung auf. Katarina fährt mit dem Bobby-Car um mich herum. Gegen 11:30 Uhr wird sie müde und will ins Bett. Ein Milchfläschen (wie immer 2/3) und sie schläft ein. Nun beginne ich mit meiner Arbeit. Diese Woche habe ich viel zu tun. Nach einigen Telefonaten mit Kollegen und Kunden sind die Dinge grob organisiert. Es kann losgehen.

Zwei Stunden später muss ich Katarina wecken. Völlig verpennt lässt sie sich zum Buggy tragen und fährt mit mir zum Kindergarten. Johanna wartet schon und beschwert sich über unsere angeblich verspätete Ankunft. Ich kitzle sie durch und sie kuschelt sich mit einem fetten Lachen an mich. Johanna hat sich wie so oft für den Nachmittag verabredet. Ich schließe mich mit den anderen Eltern kurz und freue mich auf den Nachmittag.

Montag 14:00 – 18:00 Uhr
Zuhause fällt mir ein, du könntest endlich mal was trinken. Da die Kinder Hunger haben, vergesse ich es aber wieder und kümmere mich um das Wesentliche: Raubtierfütterung. Nach dem Mittagessen geht’s auf den Spielplatz. Dieser hat sich seit einigen Wochen zum Treffpunkt von Eltern und Kindern unseres Kindergartens entwickelt. Die Kinder spielen zusammen, die Eltern unterhalten sich - das ist richtig nett!

Seit Oktober 2005 ist Johanna im Kindergarten. Unser Freundeskreis hat sich seither erheblich erweitert. Johanna kennt alle Kinder inklusive deren Eltern und stellt mir alle vor. Hieraus haben sich mittlerweile feste Freundschaften ergeben.

Um 18:00 Uhr läuten die Glocken der benachbarten Kirche und alle gehen gemeinsam Nachhause. Das haben wir Eltern uns schlau ausgedacht, da alle nahezu gleichzeitig gehen, entfällt das „Ich will aber noch bleiben, die Anderen bleiben ja auch noch“. Mit zwei völlig fertigen aber total glücklichen Kindern ziehe ich nach Hause. Auch ich verspüre nun eine gewisse Müdigkeit in meinen Knochen.

Montag 18:00 – 20:00 Uhr
Hoffentlich kommt meine Frau bald. Jetzt wird es anstrengend. Beide sind so müde, dass jedes Wort und jede Aktion meinerseits auf der Goldwaage liegt. Ein Fehler und das Geschrei geht los. Gegen 18:30 trifft Christine ein. Es gibt ein gemeinsames Abendessen. Danach bringt jeder ein Kind ins Bett. Hier wird nach Möglichkeit immer abgewechselt, wobei Johanna bestimmt, wer sie ins Bett bringt. Heute bringe ich Katarina ins Bett, d.h. ein Milchfläschchen (2/3 wie immer) und sie schläft ein. Kaum lege ich sie hin, öffnet sie die Augen, lächelt mich an und verabschiedet sich mit einem „Tsüüüs“. Danach beginnt sie zu singen und schläft nach 5 Minuten ein.

Nachdem beide im Bett sind, räume ich noch das Chaos in der Wohnung auf, spüle diverse Milchfläschchen. Nach einer Dusche bearbeite ich nochmals meine Mails. Danach ist Feierabend. Ein schöner Tag geht zu Ende.

Inhalt erstellt am 10.11.2006  -  Zuletzt aktualisiert am 10.11.2006

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