Heute ist „Kinderbetreuung light“: Katarina ist von 9:00 bis 14:00 bei ihrer Tagesmutter, Johanna bis 16:00 Uhr im Kindergarten. Für mich bedeutet dies Zeit für Sport und Arbeit.
Dienstag 7:00 Uhr
Beide Kinder schlafen noch, was ist heute nur los mit ihnen? Ich stehe auf, da ich meine freie Zeit ohne die Kinder schwinden sehe, wenn wir nicht endlich in die Gänge kommen.
Nachdem ich das Frühstück für beide vorbereitet habe, geht die Küchentür auf. Johanna schaut vorsichtig und verpennt herein, um die Lage zu peilen. Nachdem sie mich sieht, geht ein Strahlen über ihr Gesicht: Endlich mal allein mit Papa! Ich nehme sie auf den Arm und erkundige mich nach ihrem Wohlbefinden – Johanna geht es wie immer gut. Die Tage, an denen sie mit schlechter Laune erwacht, sind doch eher die Ausnahme.
Wir setzen uns konspirativ an den Frühstückstisch – Katarina darf auf keinen Fall geweckt werden – und frühstücken zusammen. Sofort kommt von Johanna die Frage: Papa, was machen wir heute? Da ich kurz nach sieben Uhr noch nicht das gesamte Tagesprogramm strukturiert habe, antworte ich ihr: Das weiß ich jetzt noch nicht. Johanna nutzt dies sofort, um den Vorschlag zu unterbreiten, doch auf den Spielplatz zu gehen. Da will sie derzeit eigentlich immer hin. Wir „lesen“ zusammen die Zeitung und lauschen mit einem Ohr, ob Kararina schon wach ist. Wird langsam Zeit für sie.
Dienstag 7:30 Uhr
Katarina schmettert von oben ihr morgendliches „Paaaaaaaaaaapa“. Johanna fordert mich auf, zu Katarina zu gehen. Wo ist eigentlich meine Selbstbestimmung geblieben?
Ich gehe hoch, Johanna futtert weiter an ihrem Frühstück. Oben hole ich ein fröhlich hüpfendes Kind aus dem Bett, wechsle ihm die Windel – die übliche morgendliche Stinkbombe, die eine anschließende Lüftung des gesamten Obergeschosses erfordert – und ziehe Katarina an. Stofftier Heinzi muss dabei immer ganz nah am Kind sein. Zusammen gehen wir runter zu Johanna. Diese empfängt vielsagend, fett grinsend – ich habe schon ganz lange mit dem Papa gefrühstückt - ihre Schwester. Katarina nimmt ihr Frühstück zur Kenntnis und fängt an mit Johanna Grimassen zu schneiden. Auch turnt sie wieder halsbrecherisch auf ihrem Kinderstühlchen herum. Nach ca. 500-mal „Katarina bleib bitte sitzen“ wird das Frühstück beendet – wir müssen los.
Aber wir gehen nicht einfach so los. Bevor w i r losziehen, ist natürlich noch jede Menge zu tun. Nein – so einfach wie früher ist das nicht mehr. Einfach so aus dem Hause gehen, d.h. Schuhe an, Jacke an, das war mal. Jetzt müssen erst mal die Zähne geputzt werden. Die Begeisterung beider Kinder für das Zähneputzen ist hierbei schon fast unheimlich. Voller Elan stürzen beide ins Badezimmer und streiten sich, wer als erste dran kommt. Anschließend muss ich Katarina noch anziehen, während Johanna dies mittlerweile alleine schafft. Jetzt noch die Mützen, Jacken, Heinzi, Schnulli, Schlüssel, Kinderrucksäcke, Kinder, …..dann kann es losgehen. Ich freue mich immer, wenn ich bei diesem Durcheinander nicht vergesse meine Schuhe anzuziehen. Zwei unterschiedliche Laufschuhe hatte ich neulich schon mal an, wobei sich die Paare wirklich sehr ähneln. Schnell noch den Kinderwagen und Johannas Fahrrad aus dem Keller geholt und schon sind wir unterwegs.
Dienstag 8:30 Uhr
Im Kindergarten werden wir schon erwartet. Johannas Räuberbande tanzt im Flur herum und empfängt uns mit einem lautstarken „Johanna, Johanna, Johanna ….“. „Johanna, schnell, zieh dich um, wir haben eine Überraschung für dich in der Puppenecke vorbereitet“. Da kann man ja fast neidisch werden. Katarina und ich verabschieden uns und ziehen weiter.
Dienstag 9:00 Uhr
Katarina und ich sind bei der Tagesmutter. Nach anfänglichen Abschiedsdramen ist sie dort richtig gut angekommen. Sie lässt sich von ihr küssen und herzen und lacht dabei vor Glück. Erste Hinweise der Tagesmutter auf Katarinas starken Willen und Widerstand, wenn ihr etwas nicht passt, geben mir die Gewissheit, dass sie sich nun richtig wohl fühlt. Ein kurzes Gespräch noch und ich ziehe weiter. Jede Minute zählt. Freizeit ist mittlerweile ein hohes Gut geworden. Ich fahre zu meiner Laufstrecke.
Dienstag 9:20 Uhr
Heute scheint die Sonne und ich bin hoch motiviert. Ich laufe 10 Kilometer, bin ziemlich erschöpft, aber sehr zufrieden. Anschließend fahre ich nach Hause zum Duschen. Danach ein kurzes Frühstück. Nun muss ich mich an die Arbeit machen. Ich arbeite bis 13:30 Uhr. Anschließend erledige ich noch etwas an Haushaltsarbeit und mache mich kurz vor 14:00 wieder auf den Weg, um Katarina abzuholen.
Dienstag 14:00 Uhr
Ich bin noch nicht an der Tür, da höre ich von drinnen ein lautes „Paaaapa“. Die Tür geht auf und Katarina fällt mir glücklich in die Arme.
Heute gehen wir zusammen einkaufen. Kaum steigen wir aus dem Auto, vernehme ich von einem frech grinsenden Kind „Bezel“. Das hat sie schon raus, die Schlaubacke. Im Supermarkt kaufe ich ihr natürlich eine Bretzel – hab ich eine andere Wahl? Unmittelbar nach Passieren der Supermarktschranke gibt mir Katarina das nächste Stichwort: „Kese“ – und grinst. Ich lache und verspreche ihr ein Stück Käse. Sie mampft ihre Bretzel und freut sich sichtlich auf die Käsetheke, die wir bald darauf ansteuern. Schon bei der Annäherung wird die Forderung nach Käse sowohl in der Frequenz als auch in der Lautstärke intensiver. Die Bedienung erwartet uns schon und übergibt Katarina ein Stück Käse. Wir kaufen auch noch was und weiter geht´s zwischen den Regalen bis zur Kasse. Ich schaue auf die Uhr und stelle fest, dass wir so langsam zum Kindergarten müssen. Johanna will schließlich auch abgeholt werden. Eigentlich wollte ich noch eine kurze Pause machen, aber das war´s dann wohl.
Dienstag 15:30 Uhr
Johanna wird abgeholt und wir gehen gemeinsam zum Kinderturnen. Nach dem Kinderturnen drehen wir wunschgemäß noch eine Runde über den Spielplatz und ziehen dann weiter nach Hause.
Dienstag 18:00 Uhr
Ich kredenze den Kindern ein Abendessen, bei dem sie noch mal so richtig aufdrehen. Füße werden provozierend auf den Tisch gelegt, es wird sich lautstark zugeprostet. Na dann, wenn alle ihre Füße auf den Tisch legen, dann mach ich das auch. Manchmal kann man die beiden doch noch überraschen.
Dienstag 19:00 Uhr
Zum Abschluss des Tages werden die beiden noch gebadet. Zwei kleine Nackedeis rennen wenige Minuten später über den Flur, auf der Flucht vor Papa. Wir rennen und lachen, springen über die Betten und kullern drin herum, bis beide ins Badezimmer flitzen und hüpfend vor der Badewanne „Papa, Wasser“ skandieren. Ich setze die beiden Frechdachse ins Wasser, das vor lauter Wasserspielzeug kaum zu sehen ist. Nun werden Eimerchen gefüllt, Boote in Betrieb genommen, Wasserräder gedreht und Fische gefischt. Irgendwann beginnt wie immer der Unfug und beide fangen an, sich und vor allem mich mit Wasser zu bespritzen. Ich wasche Johanna die Haare, was, seit sie im Kinderschwimmkurs ist, auch ohne Geschrei möglich ist. Hier ist wirklich ein Wunder geschehen. Nach zweimaliger Teilnahme am Schwimmkurs war unser Kind geheilt und hatte beim Haare waschen keine „Schmerzen“ mehr. Katarina muss das erst noch lernen. Derzeit brüllt sie wie am Spieß. Ich dusche beide ab, und hebe beide aus der Wanne. Johanna helfe ich kurz beim Abtrocknen, dann ist Katarina dran. Mit etwas Schadenfreude föhne ich ihr wie immer eine Sturmfrisur. Sie sieht aus wie Einstein. Beide Kinder sind frisch und sauber, da betritt meine Gattin das Haus. Das nenn ich Timing. Voller Stolz präsentiere ich zwei satte, saubere und zufriedene Kinder – bin ich nicht ein Held? Den Rest kennt ihr ja schon. Zwei Milchfläschchen ….. und ab ins Bett.
