Allein unter Müttern

Ein Vormittag auf dem Spielplatz
Johanna und ich machen heute einen Ausflug. Es ist Mittwochmorgen, wir haben gemeinsam gefrühstückt, das Wetter ist schön. Wir fahren in den Park zum Spielplatz. Johanna kann mittlerweile schon klettern und rutschen, auch das Schaukeln klappt schon ganz gut.

Gegen 10 Uhr kommen wir an. Viele Kinder sind schon da, um sie herum ihre Mütter – nur Mütter, denn Mittwochmorgens um 10 befinden sich natürlicherweise keine Väter auf dem Spielplatz. Das ist ein Naturgesetz, denn Männer sind um diese Zeit auf der Arbeit.  

Sofort registriere ich die Blicke der anwesenden Frauen und sehe bei einigen auf der Stirn geschrieben: Was macht der denn da, um diese Zeit, mitten in der Woche? Hat der sonst nichts zu tun? Ich gewöhne mich nur langsam daran. Ein Mann um diese Zeit in dieser Umgebung ist einfach etwas Ungewöhnliches. Das kann nur bedeuten, dass mit ihm irgendetwas nicht in Ordnung ist. Entweder ist er arbeitslos, oder vielleicht einfach nur ein fauler Hund. Neben der Fraktion der Neugierigen gibt es noch die der Ablehnenden, die mich einfach nur aktiv übersehen.

Nach einiger Zeit ergeben sich dann doch erste Kontakte. Wir unterhalten uns über die Kinder, das Wetter, dies und das. Aber irgendwann kommt sie dann doch, die Frage, um deren Beantwortung es hier wirklich geht. Manchmal direkt, wie z.B. „Was machen Sie eigentlich so beruflich?“ Oder indirekt: „Haben Sie Urlaub bei diesem schönen Wetter?“. Doch mein „Geheimnis“ wird erst mal nicht preisgegeben. Ich verneine die Frage hinsichtlich meines Urlaubs und erzähle von meiner beruflichen Tätigkeit. Die Fragezeichen in den Augen meiner Gesprächspartnerinnen werden immer größer.

Um das „neugierige Leiden“ nicht ins Unerträgliche zu steigern, lasse ich die Katze dann doch aus dem Sack und erzähle von unserem Kinderbetreuungsmodell. Zur Erinnerung: eine Arbeitswoche und eine Kinderwoche. Grundsätzlich finden das alle Mütter toll oder interessant, ich bemerke aber, dass bei vielen auch eine gehörige Portion Skepsis vorhanden ist. Nur ganz wenige sind wirklich interessiert und aufgeschlossen und fänden es gut, wenn auch sie mit ihrem Partner diese Möglichkeiten hätten.

Mit ist natürlich klar, dass nicht alle Familien diese Chance der gleichberechtigten Kinderbetreuung haben und bin deshalb umso dankbarer dafür. Allen, die jedoch darüber nachdenken, kann ich nur empfehlen, alles dafür zu tun, um beiden Elternteilen möglichst viel Zeit für die Kinder zu ermöglichen - und zwar nicht nur abends kurz vorm Schlafengehen oder mal am Sonntag Morgen…

Inhalt erstellt am 08.08.2007  -  Zuletzt aktualisiert am 08.08.2007

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