Neues Kinderschutz-Projekt in Nord- und Osthessen

Drogenhilfe, Jugendämter und Ärzte sorgen gemeinsam für schnelle Unterstützung

„Wenn Gewalt, Straftaten oder auch Sucht den Familienalltag bestimmen, sind es die Kinder, die am meisten leiden – bundesweit wird ihre Zahl auf mehrere Zehntausend geschätzt“, sagte Gerd Krämer, Staatssekretär im Hessischen Sozialministerium, zum Start des Projekts „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“. „Das Projekt sorgt für einen besseren Kinderschutz. Wichtig ist, dass gefährdete Eltern und Kinder die nötige Unterstützung schnell, zeitgleich und aufeinander abgestimmt erhalten und nicht nacheinander und unkoordiniert, wie es bisher oft noch ist.“

In mehreren nord- und osthessischen Landkreisen arbeitet das neuartige Projekt der Drogenhilfe Nordhessen e.V. (DN), beteiligt sind die Kreise Kassel, Hersfeld-Rotenburg, Werra-Meißner und Schwalm-Eder. Das Land Hessen übernimmt die Hälfte der Kosten für die Implementierung. Ziel ist es, Kinder vor Missbrauch, Vernachlässigung und Misshandlung zu schützen, hierbei sollen die Hilfen für die betroffenen Familien besser aufeinander abgestimmt werden. Um Kinder aus hoch belasteten Familien zu schützen, in denen Vater, Mutter oder beide Eltern suchtkrank sind oder unter psychischen Störungen leiden, arbeiten Jugendämter, Ärzte, freie Träger, Hebammen und viele andere in einem Netzwerk zusammen.

Dramatische Lebenssituation vernachlässigter und gefährdeter Kinder

„Die dramatischen Lebenssituationen vernachlässigter und gefährdeter Kinder haben für uns den Ausschlag gegeben, das Projekt ‚Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme’ zu entwickeln“, sagte Ralf Bartholmai, Geschäftsführer der Drogenhilfe Nordhessen e.V. Mit finanzieller Unterstützung der vier beteiligten Landkreise und des Landes Hessen werden – angesiedelt bei der DN – vier halbe Stellen geschaffen. Eingestellt werden Sozialpädagogen und Sozialarbeiter mit besonderer Erfahrung in der Arbeit mit Risikofamilien.

Wenn beim Jugendamt ein gefährdetes Kind gemeldet wird, in dessen Familie vermutlich ein Suchtproblem oder eine psychische Erkrankung besteht, soll ein Mitarbeiter der DN verständigt werden. Er wird dann zum Beispiel den Mitarbeiter des Jugendamtes begleiten, wenn dieser in der Familie nach dem Rechten sieht. In diesen Familien leben Täter und Opfer zusammen, teilen eine Lebensrealität. Gewalt, Sucht, Verelendung, Misshandlung, Missbrauch, Delinquenz und psychische Störungen dominieren das Zusammenleben von Eltern und Kinder. Die Vereinsmitarbeiter sind auf die Arbeit mit Süchtigen und psychisch Kranken spezialisiert und aktivieren weitere Hilfsmaßnahmen.

Gesamte Familie berücksichtigen

Die Drogenhilfe Nordhessen als Träger ambulanter und stationärer Jugend- und Suchthilfeeinrichtungen verfügt über ein breites Angebot möglicher Hilfen für die Betroffenen. Ein sinnvoller und nachhaltiger Betreuungsansatz muss alle betroffenen Menschen innerhalb des familiären Systems berücksichtigen. Deshalb kümmern sich in dem Projekt mehrere Professionelle mit spezifischer Kompetenz in einem integrierten Ansatz um die gesamte Familie. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen.

„Mit dem Projekt soll nicht nur ein verbesserter Kinderschutz erreicht werden, sondern auch ein umfassender Wissenstransfer über geeignete Hilfsmaßnahmen“, erklärte Staatssekretär Gerd Krämer. Es sei ein Regionen übergreifendes Konzept entwickelt worden. Alle beteiligten Kreise könnten die Methoden und Konzepte, die erarbeitet werden, am spezifischen Bedarf orientiert nutzen. Durch diese „geänderte Hilfearchitektur“ erhielten die Fachkräfte neue Erkenntnisse, ohne ein völlig neues Hilfesystem etablieren zu müssen.

(Quelle: Hessisches Sozialministerium)

  • Ansprechpartner
  • Ralf Bartholmai, Geschäftsführer Drogenhilfe Nordhessen e. V. c/o Fachklinik Böddiger Berg, Am Weinberg 1, 34587 Felsberg, Tel.(0 56 62) 94 80-0

Inhalt erstellt am 26.09.2008  -  Zuletzt aktualisiert am 26.09.2008

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