Erstes KiSS-Siegel in Hessen vergeben

Auszeichnung für besondere Sprachförderung geht an Bad Homburger Kita

Jürgen Banzer, Hessischer Minister für Arbeit, Familie und Gesundheit überreichte der katholischen Kindertagesstätte St. Martin in Bad Homburg als erstem Kindergarten in Hessen das KiSS-Siegel, eine Plakette, die dokumentiert, dass der Kindergarten besonders auf die sprachliche Entwicklung der Kinder achtet. „Das frühe Erlernen der Sprache ist der Schlüssel für späteren schulischen und beruflichen Erfolg. Deshalb haben wir Ende 2007 damit begonnen, das Hessische Kindersprachscreening flächendeckend einzuführen“, so der Minister anlässlich seines Besuchs bei dem Kindergarten.

Defizite früh erkennen

„Mit der Sprachstandserfassung bei Kindern im Alter von 4 bis 4,5 Jahren tragen wir erheblich dazu bei, Defizite und Förderbedarf früh zu erkennen“, so der Minister. Ziel der Hessischen Landesregierung sei es, die sprachlichen Kompetenzen und Kommunikationsfähigkeiten der Kinder möglichst ganzheitlich zu erfassen. Die individuellen Ergebnisse eines Kindes bilden dann die fachgerechte Grundlage für eine frühzeitige sprachliche Förderung. „Auf diese Weise wollen wir die Bildungschancen für alle Kinder in den hessischen Kindertagesstätten verbessern“, betonte Jürgen Banzer.

Vielfältige Ursachen

In den letzten Jahren gebe es zunehmend mehr Sprachauffälligkeiten in der Schuleingangsuntersuchung. Auch die ersten Ergebnisse des KiSS zeigten, dass bis zu 24 Prozent der deutschsprachigen Kinder und 38 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund betroffen sind. Sprachauffälligkeiten, so der Minister, scheinen vor allem verschiedene gesellschaftliche Ursachen zu haben, wie mangelnde Ansprache, eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten und nicht ausreichende Deutschkenntnisse der Eltern. Außerdem gebe es Kinder, bei denen die Sprachauffälligkeiten auf medizinische Ursachen zurückzuführen sind. Hierzu könnten Schwerhörigkeit oder Entwicklungsrückstände gehören, die nicht immer rechtzeitig erkannt werden.

(Quelle: Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit)

Hintergrund

KiSS ist das einzige in Deutschland anerkannte Sprachscreening, das Kinder erfasst, die eine medizinische Abklärung ihrer Sprachauffälligkeit benötigen. KiSS besteht aus drei Bestandteilen: dem eigentlichen Sprachscreening, dessen Durchführung mit dem Kind durchschnittlich etwa 15 bis 20 Minuten dauert (untersucht Spontansprache, Artikulation, Wortschatz und Grammatik), und zwei Fragebögen über die bisherige Sprachentwicklung des Kindes. Sie richten sich an die Eltern und die pädagogischen Fachkräfte („Elternbogen“ und „Kitabogen“). Die Eltern werden durch die pädagogischen Fachkräfte über das Ergebnis des Screenings informiert und in Absprache mit den Sprachexperten des Gesundheitsamtes beraten. 

Das Land Hessen zertifiziert Sprachexperten (zum Beispiel Sprachheilpädagogen und Logopäden) an den Gesundheitsämtern der Landkreise und kreisfreien Städte, die die pädagogischen Fachkräfte schulen und sie bei der Durchführung von KiSS in den Kindertagesstätten unterstützen. Die Fortbildung ist kostenlos und umfasst eine sechsstündige theoretische sowie eine zweistündige praxisbegleitende Schulung. Bislang nehmen 380 hessische Kindertagesstätten an KISS teil.

 

Inhalt erstellt am 16.09.2009  -  Zuletzt aktualisiert am 16.09.2009

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