Mehr Tagesväter erwünscht

Projekt der hessenstiftung will Männern den Weg in die Kindertagespflege erleichtern

Mit einem Anteil von knapp zwei Prozent sind Männer in der hessischen Kindertagespflege noch immer eine Ausnahme. „Das wollen wir durch gezielte Unterstützungsangebote ändern“, erklärte die Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit, Petra Müller-Klepper, in Wiesbaden. In ihrer Eigenschaft als Vorstandsvorsitzende der hessenstiftung – familie hat zukunft stellte sie das Projekt „Männer in der Kindertagespflege“ vor, das von der Stiftung aufgelegt worden ist und ein Landespilotprojekt zur Kindertagespflege flankiert.

Perspektive für Männer

Um das mit dem Bund vereinbarte Versorgungsziel von durchschnittlich 35 Prozent zu erreichen, müssen in Hessen bis zum Jahr 2013 knapp 51.000 Plätze für unter Dreijährige vorhanden sein. Dafür werden auch Betreuungsplätze in der Kindertagespflege benötigt. In der Regel sind es Frauen, die sich als Tagesmütter betätigen. „Wir sehen in der Kindertagespflege auch für Männer eine Perspektive“, so Petra Müller-Klepper. Immer mehr Männer fänden Gefallen an dieser Aufgabe, zum Beispiel wenn sie in der Elternzeit ihr eigenes Kind betreuten – eine Entwicklung, die von entwicklungspsychologischer Seite auch gefordert wird. „Gerade im Feld der Betreuung und Bildung in der frühen Kindheit, das von weiblichen Fachkräften dominiert ist, sind männliche Bezugspersonen für die Sozialisation besonders wünschenswert.“

Bedürfnisse nicht ausreichend berücksichtigt

Noch scheint Kindertagspflege als Tätigkeit von Männern überwiegend Teil einer Patchwork-Biografie zu sein, meinte Projektleiter Jürgen Wüst von der IFOK GmbH, der die Ergebnisse eines Expertenworkshops aus Wissenschaft und Praxis vortrug. Die Bedürfnisse von Männern würden im derzeitigen Angebot der Qualifizierung, Begleitung und bei Fachveranstaltungen noch nicht ausreichend berücksichtigt. Gleichwohl müsse nicht alles unter dem Fokus des Geschlechts betrachtet werden. Die bessere gesellschaftliche Wertschätzung der Kindertagespflege, ihre Vernetzung mit den Erzieherinnen und Erziehern sowie eine Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit seien wichtige Herausforderungen für alle Tagespflegepersonen und für die Träger.

Fortbildungsveranstaltung geplant

Eine zentrale Empfehlung des Expertenworkshops hat das Hessische Kindertagespflegebüro bereits aufgegriffen. Seine Leiterin Ursula Diez-König kündigte eine eigene Fortbildungsveranstaltung für Tagesväter an: „Wir nehmen unseren Qualifizierungsauftrag in der Kindertagespflege ernst und möchten auch Männer, die den Beruf Tagesvater ausüben, unterstützen.“ Die ganztägige Veranstaltung zu Rolle und Selbstverständnis von Männern in der Kindertagespflege wird am 20. März 2010 im Saalbau Bornheim Frankfurt stattfinden.

(Quelle: Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit)

Hintergrund

Die hessenstiftung – familie hat zukunft beschäftigt sich seit ihrer Gründung durch das Land Hessen im Jahr 2001 mit der Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und dem zukunftsorientierten Aufwachsen von Kindern. Aufbauend auf zahlreichen Stiftungsprojekten rund um die Themen Vaterschaft und Mannsein, und hier speziell in der Weiterführung von Projekten zur Förderung von Männern im Erzieherberuf, hat das vorgestellte Projekt erstmals die Frage nach den Perspektiven der Kindertagespflege für Männer aufgegriffen.

 

Inhalt erstellt am 03.11.2009  -  Zuletzt aktualisiert am 03.11.2009

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