440.000 Haushalte in Hessen haben eine Haushaltshilfe

Kongress „Familienunterstützende Dienstleistungen“ zeigt neue Wege der Familienförderung

In Hessen steigt der Bedarf an familienunterstützenden Dienstleistungen. „Rund 440.000 der insgesamt 2,9 Millionen Haushalte, also 15,2 Prozent, haben bereits eine Haushaltshilfe. Bundesweit beschäftigen etwa 10 Prozent der Haushalte eine solche Kraft. Zunehmend suchen vor allem ältere Menschen, aber auch erwerbstätige Eltern diese Unterstützung, um den Alltag managen zu können“, skizzierte Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, auf dem Kongress „Familienunterstützende Dienstleistungen“ in Frankfurt die Ergebnisse einer Untersuchung der Hessen-Agentur. Damit sei dieser „klassische Kernbereich“ der haushaltsnahen Dienstleistungen wesentlich verbreiteter, als es die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten vermuten lasse. Die Schattenwirtschaft decke einen wesentlichen Anteil der Nachfrage ab. Nach Modellrechnungen entspreche allein die Nachfrage, die für Hessen bei Dienstleistungen im Haus wie Putzen, Waschen oder Kochen festgestellt worden sei, einem Beschäftigungspotential von rund 40.000 Vollzeitkräften. 

Geringe Inanspruchnahme

Auf Einladung des Hessischen Sozialministeriums, der „hessenstiftung – familie hat zukunft“ und des Unternehmensnetzwerks „Erfolgsfaktor Familie“ diskutierten die mehr als 250 Teilnehmer des Kongresses das Potenzial von haushaltsnahen und familienunterstützenden Dienstleistungen, Erwerbstätige mit Familienpflichten zu entlasten und somit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. „Die Ursachen dieser vergleichsweise geringen Inanspruchnahme sind vielfältig. Neben den Kosten und einem hohen Such- und Organisationsaufwand herrscht nach wie vor Zurückhaltung,  Hilfen im privaten Bereich in Anspruch zu nehmen. Sie gelten meist als Luxus. Dabei ist die Entlastung nötig, um die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen und dennoch Zeit für die Familie zu haben. Von einem Dienstmädchenprivileg kann hier wahrlich nicht mehr die Rede sein“, betonte die Staatssekretärin.

Bessere Rahmenbedingungen benötigt

Die steuerliche Absetzbarkeit dieser Leistungen, die von der Bundesregierung im vergangenen Jahr deutlich ausgebaut und vereinfacht worden sei, bezeichnete Petra Müller-Klepper als neue Form der Familienförderung. Handlungsbedarf bestehe bei der Angebotsinfrastruktur und der Markttransparenz. Angebote und Fördermöglichkeiten seien zu wenig bekannt. Die Rahmenbedingungen auf der Angebots- wie auf der Nachfrageseite müssten verbessert werden. „Wir brauchen mehr koordinierende Stellen, die Informationen sammeln, bündeln und dann zielgruppengenau vermitteln. Diese Aufgabe könnten Haushaltsagenturen oder Beratungseinrichtungen wie Familienzentren und Mehrgenerationenhäuser übernehmen. Es lohnt sich, über lokale Plattformen nachzudenken, die als Anlaufstellen steuernd und vermittelnd arbeiten.“

„Bezahlbare Familienservices sind gerade auch für Arbeitgeber attraktiv, weil sie Beschäftigten Zeit für Familie ermöglichen, was deren Leistungsfähigkeit und  Motivation fördert“, betonte auch Ulrich Kuther als Geschäftsführer der hessenstiftung, in deren Kongressreihe „Dialog Beruf und Familie in Hessen“ die Veranstaltung stattfand.

„Erwerbstätige, die sich um Kinder oder Angehörige kümmern, verbringen nicht selten genauso viel Zeit mit Hausarbeit und Organisation wie mit ihren Kindern und Angehörigen selbst. Dieses Missverhältnis zu verändern, darin liegt ein Potenzial für Familien wie für Arbeitgeber“, unterstrich Sofie Geisel vom Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“, das als Initiative des Bundesfamilienministeriums und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages die Veranstaltung gemeinsam mit der hessenstiftung inhaltlich vorbereitet hat.

Vereinbarkeit von Familien und Beruf

Im Zentrum des Kongresses stand die Frage, unter welchen Bedingungen familienunterstützende Dienstleistungen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie spürbar erleichtern können und welche Rolle dabei speziell auch Unternehmen und Kommunen spielen können. Dabei wurde deutlich, dass nicht nur der Preis eine Hürde darstellt, sondern auch die Zurückhaltung und Vorbehalte, die viele potenzielle Kunden Dienstleistungen im Privatbereich entgegenbringen. Vielfach sei es einfach nicht üblich, Dienstleister zu beauftragen – selbst wenn man es sich leisten können, unterstrichen die Experten auf dem Podium.

Diskutiert wurden in diesem Zusammenhang auch Gutscheinsysteme wie sie in Frankreich, Belgien oder Großbritannien praktiziert werden und die in diesen Ländern zu einer deutlich besseren Nutzung von Dienstleistungen geführt haben.

Einblick in die Praxis

Gute Ideen und Beispiele aus der Praxis wurden nicht nur auf dem Podium diskutiert. Auf dem Markt der Möglichkeiten zeigten Aussteller wie die Verbraucherzentrale Hessen, die All About Family GmbH (Friedberg), die AOK Hessen, das Mehrgenerationenhaus Anton (Gründau), die pme Familienservice GmbH (Frankfurt), die  Regierungspräsidien in Hessen, die Terminal for Kids gGmbH (Kelsterbach), die  VivaSenia GmbH (Rödermark) und die Work-Life-Management GmbH (Potsdam) ihre Angebote an familienunterstützenden Dienstleistungen.

(Quelle: Hessisches Sozialministerium)

Inhalt erstellt am 15.10.2010  -  Zuletzt aktualisiert am 15.10.2010

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