Zu Hause alt werden

Hessen will mit dem Bundesförderprogramm „Soziales Wohnen im Alter“ neue Modelle quartiersbezogener Hilfen erproben

Die Landesregierung will die Sorgearbeit durch neue Formen der Unterstützung ausbauen, damit mehr ältere Menschen bei eingeschränkter Alltagskompetenz und Pflegebedürftigkeit im vertrauten Wohnumfeld bleiben können. „Wir brauchen neue, zusätzliche Strukturen, die ein tragfähiges Netzwerk der Hilfe schaffen: einen Mix aus professionellen Diensten, familiärer Sorgearbeit und bürgerschaftlichen Initiativen, also das Zusammenspiel von Fachkräften, Angehörigen, Nachbarn und Ehrenamtlichen“, erklärte Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, in Wiesbaden.

Mit dem Modell der Pflegebegleiter, die pflegende Angehörige durch Anteilnahme, Organisation und Orientierungshilfen im Alltag unterstützen, habe das Land bereits einen innovativen Ansatz erfolgreich auf den Weg gebracht. Im Rahmen des Bundesförderprogramms „Soziales Wohnen im Alter“ sollen nun weitere Modelle von sozialen Dienstleistungen und Nachbarschaftshilfe in Abstimmung mit der Landesregierung erprobt werden.

Renaissance der Nachbarschaftshilfe

Sorgearbeit, wie sie beispielsweise in der häuslichen Pflege praktiziert werde, sei ein Segen, weil auf diese Weise den Bedürfnissen der Älteren Rechnung getragen werde. „Die meisten Menschen wollen zu Hause alt werden und auch bei Krankheit, beginnender Hilfebedürftigkeit, körperlicher Beeinträchtigung und Pflegebedürftigkeit in der eigenen Wohnung leben“, so die Staatssekretärin. Es müssten neue Dienstleistungs- und ambulante Versorgungsangebote entwickelt und durch bürgerschaftliches Engagement ergänzt werden, damit trotz des Anstiegs von Hilfs- und Pflegebedürftigkeit und insbesondere von Demenzerkrankungen möglichst viele Menschen auch bei Unterstützungsbedarf selbstbestimmt leben könnten. „Wir brauchen eine Renaissance der Nachbarschaftshilfe.“ Zudem müssten auch technische Möglichkeiten stärker genutzt werden.

Derzeit werden in Hessen 75,2 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. „Dies ist eine großartige humanitäre Leistung, die von den Angehörigen erbracht wird. Damit liegt Hessen im Ländervergleich an der Spitze“, so die Staatssekretärin. Unterstützend seien die ambulanten Pflegedienste im Einsatz. Angesichts der demographischen Entwicklung und der sich verändernden familiären Strukturen spreche vieles dafür, dass diese Versorgungsleistungen in Zukunft nicht mehr im gleichen Maße zur Verfügung stehen. Benötigt würden deshalb quartiersbezogene Hilfsangebote, die in Kooperation mit Kommunen, gemeinnützigen Organisationen und anderen Trägern in das bestehende Hilfesystem integriert werden bzw. an bestehende Strukturen anknüpfen.

Bundesprogramm „Soziales Wohnen im Alter“

Die Staatssekretärin ermunterte die Organisationen, Träger, Verbände, Städte und Kommunen sich mit Projektskizzen für das Programm „Soziales Wohnen im Alter“ zu bewerben. Themen könnten z.B. die Verbesserung der Infrastruktur im ländlichen Raum, der Aufbau mobiler Beratungsangebote oder der Zusammenhalt verschiedener Kulturen im Wohnumfeld sein. „Es geht darum, eine stationäre Versorgung zu vermeiden und den Hilfesuchenden und Pflegebedürftigen eine optimale Versorgungssituation anzubieten.“

Das Bundesfamilienministerium wird mit den Bundesländern die Auswahl treffen, welche Projekte gefördert werden. Kriterien sind insbesondere Innovationsgehalt, die Bereitschaft zur Kooperation mit anderen Trägern sowie Nachhaltigkeit und Übertragbarkeit der Projekte. Die Förderung ist auf maximal 36 Monate begrenzt. Anträge sind in einzureichen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, z.Hd. Frau Stephanie Biella, Stichwort: Nachbarschaft und soziale Dienstleistungen, Sibille-Hartmann-Str. 2-8, 50964 Köln. Die Bewerbungsfrist endet am 15. Juli 2011.

(Quelle: Hessisches Sozialministerium)

Inhalt erstellt am 02.05.2011  -  Zuletzt aktualisiert am 02.05.2011

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