Was sich Kinder wünschen und wovor sie Angst haben

Länderbericht Hessen zum LBS-Kinderbarometer 2011 zeigt, was die 9- bis 14-Jährigen heute beschäftigt.

Frankfurt, 8. Februar 2012. „Kinder wünschen sich gemeinsame Zeit mit ihren Eltern“, sagte der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner als Schirmherr des LBS-Kinderbarometers Hessen. „Die familiengerechte Abstimmung verschiedener Zeitstrukturen ist die große Herausforderung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Mütter und Väter und ihre Kinder.“

Seit 1997 führt das PROSOZ Institut für Sozialforschung - PROKIDS das LBS-Kinderbarometer im Auftrag der Landesbausparkassen-Initiative „Junge Familie“ durch. Die Studie ist eine auf kontinuierliche Wiederholung angelegte Querschnittsstudie von Kindern im Alter zwischen 9 und 14 Jahren. Dabei geht es darum, die kindliche Perspektive ernst zu nehmen und ihr einen festen Platz in der gesellschaftlichen Diskussion zu geben. Im Winter 2010/2011 wurden deutschlandweit mehr als 10.000 Kinder befragt. Damit ist das LBS-Kinderbarometer eines der größten Beteiligungsprojekte der Bundesrepublik. Bereits zum dritten Mal förderten die LBS Hessen-Thüringen und die hessenstiftung – familie hat zukunft einen für Hessen repräsentativen eigenen Länderbericht. Die Ergebnisse stellten die Förderer gemeinsam mit dem Deutschen Kinderschutzbund am 8. Februar in Frankfurt vor.

Zukunftsängste

Kinder und Jugendliche leben heute zwischen Leistungsdruck und Zukunftsangst. So befürchtet jedes dritte Kind im Alter von 9 bis 14 Jahren in Hessen, als Erwachsener arbeitslos oder arm zu sein, vielleicht sogar obdachlos zu werden. Das ergab das repräsentative LBS-Kinderbarometer 2011, das alle zwei Jahre durchgeführt wird. Dabei zeigen die Ergebnisse, dass sich Hessens Kinder nicht nur um ihre berufliche und materielle Zukunft Gedanken machen: 11 Prozent der befragten Kinder äußerten auch Ängste in Bezug auf ihre künftige eigene Familie. Darunter zum Beispiel Verlustängste, die Sorge, sich nicht richtig um sie kümmern zu können oder auch vom späteren Partner betrogen zu werden. Zudem fürchten 11 Prozent den Verlust eines Familienmitglieds oder eine Krankheit in der Ursprungsfamilie.

Aktivitäten mit dem Vater sind gefragt

Gerade die Familie spielt für Kinder eine wichtige Rolle. Sie bietet neben anderem im Idealfall Rückhalt und Geborgenheit. Laut der Studie fühlen sich 73 Prozent in ihrer Familie „gut“ bis „sehr gut“, allerdings fühlen sich auch immerhin 9 Prozent unwohl. Betrachtet man die Wünsche der Kinder an die Eltern, so zeigt sich ein verstärktes Bedürfnis nach mehr Zeit für gemeinsame Aktivitäten mit dem Vater. Zwar sind etwas mehr als die Hälfte der hessischen Kinder zufrieden mit dem Anteil der Zeit, die ihr Vater mit ihnen spielt, dennoch wünschen sich immerhin 39 Prozent dafür mehr Zeit. Ein Drittel der Kinder fände es gut, wenn er weniger arbeiten und somit noch mehr für sie da wäre. 64 Prozent sind zufrieden mit der väterlichen Unterstützung bei den Hausaufgaben, 12 Prozent wünschen sich dabei mehr Betreuung, bei genauso vielen dürfte es auch gerne weniger sein. „Die Studienergebnisse zeigen, dass Väter und Mütter gleichermaßen an der Kindererziehung beteiligt sein sollten. Entgegen der doch in vielen Familien noch eher traditionellen Rollenverteilung brauchen Kinder genauso die Aufmerksamkeit des Vaters“, erklärt Dr. Ulrich Kuther, Geschäftsführer der hessenstiftung – familie hat zukunft.

Aktivitäten wie Wandern, Basteln, Kochen oder Computerspielen mit dem Vater kommen aus Sicht der Kinder in den meisten Fällen nicht zu kurz. Trotzdem wünscht sich gut ein Drittel mehr Sport mit ihrem Vater zu treiben, und 19 Prozent möchten öfter gemeinsam Computerspielen. „Genauso viele Kinder wünschen sich aber auch, dass der Vater weniger Zeit für gemeinsames Computerspielen aufbringt“, so Kuther weiter. „Das zeigt, dass Kinder durchaus offen für andere Aktivitäten sind, wenn man ihnen Alternativen aufzeigt.“

Schule wichtiger als der PC

Das Thema Computer nimmt für Hessens Kinder allgemein keinen hohen Stellenwert ein. Das zeigt das LBS-Kinderbarometer: „Spiele am PC“ steht auf der Beliebtheitsskala an 11. Stelle. Auf Platz 1 dagegen findet sich Sport, gefolgt von Aktivitäten mit Freunden. Selbst die Schule ist den Kindern wichtiger. Sie steht noch vor dem Computer auf Platz 5. „Das macht deutlich, dass Erwachsene mit ihrer Meinung über Kinder und deren Vorlieben absolut falsch liegen können. Umso wichtiger ist es, Kinder selbst zu befragen, wenn es um kindliche Belange geht“, so Anja Beisenkamp, Leiterin des PROSOZ Instituts für Sozialforschung – PROKIDS und verantwortlich für die empirische Befragung.

Kinder mögen Nachmittagsangebote in der Schule

Fast die Hälfte der Kinder fühlt sich in der Schule „gut“ bis „sehr gut“, 25 Prozent fühlen sich „eher gut“ und 13 Prozent „mittelmäßig“. Ebenfalls 13 Prozent fühlen sich „eher schlecht“ bis „schlecht“ und „sehr schlecht“. „Das kann verschiedene Gründe haben: Schulstress oder die Angst bei schlechten Noten Ärger mit den Eltern zu bekommen, vielleicht sogar sitzen zu bleiben“, weiß Verone Schöninger, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes, Landesverband Hessen e.V. Je wohler sich die Kinder in der Schule fühlen, desto größer ist der Wunsch nach schulischen Angeboten am Nachmittag. 70 Prozent der Befragten schätzen die Nachmittagsprogramme. Angebote am Nachmittag für Nachhilfe zu nutzen, stößt bei den Kindern nur auf wenig Gegenliebe. Zwar hält ein knappes Viertel (23 Prozent) Nachhilfe am Nachmittag für eine „sehr“ oder „ziemlich“ gute Idee, mehr als die Hälfte zeigt jedoch „gar kein“ oder nur „wenig“ Interesse daran. „Auffällig ist der direkte Zusammenhang mit dem Wohlgefühl im häuslichen Umfeld: Je besser die Kinder sich in ihrer Familie fühlen, desto weniger wünschen sie sich Nachhilfe am Nachmittag in der Schule“, hebt Schöninger hervor.

Insgesamt zeigt sich, dass die Kinder ein Bedürfnis nach Abwechslung zum geistig anstrengenden Schulunterricht am Vormittag haben. 74 Prozent möchten sich am Nachmittag am liebsten ausruhen und entspannen. Die meisten finden es gut, wenn zum Schulnachmittagsangebot Sport- und Spielmöglichkeiten gehören. Einige Tage in der Woche sind bei der Hälfte der Kinder auch schon verplant. Denn entgegen aller Vorurteile, die Kinder von heute würden sich nicht bewegen, treibt über die Hälfte der 9 bis14-Jährigen laut Befragung mehrmals in der Woche Sport im Verein. „Zudem betätigen sich drei Viertel der Kinder in der Freizeit sportlich, zum Beispiel beim Fahrradfahren, Klettern oder Skaten. Das deckt sich auch mit dem Ergebnis, dass auf Platz 1 der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen Sport genannt wird“, ergänzt Anja Beisenkamp vom PROSOZ Institut.

(Quelle: hessenstiftung - familie hat zukunft )

Inhalt erstellt am 08.02.2012  -  Zuletzt aktualisiert am 09.02.2012

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