Im hessischen Gesundheitswesen soll der Blick für die gesundheitlichen Folgen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen geschärft und damit das Eingreifen bei entsprechenden Delikten und die Vorbeugung verbessert werden.
Gewaltfolgen erkennen und gesundheitliche Vorsorge verbessern
Mit dem Aktionsplan des Landes Hessens zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt (2004) legt Hessen als eines der ersten Bundesländer fest, dass die Gesundheitsversorgung ein integraler Bestandteil der Prävention und des Schutzes vor Partnergewalt darstellt; der Schwerpunkt auf das Gesundheitswesen wird in der Fortschreibung des Landesaktionsplans gestärkt.
Aufbau einer Schutzambulanz – Kompetenzzentrum für Gewaltbetroffene
Im Jahre 2009 liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Vorbereitung einer Schutzambulanz, die ab 2010 in Fulda die gesundheitliche Versorgung von Gewaltbetroffenen verbessern und die gerichtsverwertbare Dokumentation von Verletzungsfolgen gewährleisten soll. Die Schutzambulanz wird Menschen aller Altersgruppen und aus allen Gewaltrisikogruppen betreuen. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Rechtsmedizin am Justus-Liebig-Universität Giessen ist vorgesehen.
Zur Zeit steht an: Teambildung und Fortbildung des Personals am Klinikum Fulda, am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda und in verwandten Diensten, die mitwirken werden. Die Kooperation mit Hilfseinrichtungen, Jugend- und Gesundheitsbehörden, Strafverfolgung und Gerichten sowie Datenerhebung wird im Steuerungsgremium AG Schutzambulanz abgestimmt.
Das Pilotvorhaben wird vom Landkreis Fulda und dem Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit mit einer Laufzeit von 2009 - 2012 realisiert. Eine wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch die Hochschule Fulda, die am Studiengang Public Health einen Schwerpunkt zur Gewaltprävention im Gesundheitswesen bildet.
Anleitungen für die ärztliche Praxis
Um bessere Ergebnisse bei der Attestierung von Gewaltfolgen zu erzielen, wurden in den letzten Jahren drei Anleitungen veröffentlicht. Neben der juristisch und kriminalistisch verwertbaren Befunderhebung und Spurensicherung steht auch die interdisziplinäre Kooperation mit lokalen Hilfseinrichtungen im Mittelpunkt.
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Dokumentationsbogen I - bei häuslicher Gewalt nach körperlicher Misshandlung in der Partnerschaft (2003, 1. Auflage; fortwährende Überarbeitung, um die Praxiserfahrungen zu berücksichtigenund die Nutzerfreundlichkeit zu erhöhen).
Diese Anleitung baut auf wissenschaftlich evaluierten Vorbildern auf und ist das Ergebnis einer kontinuierlichen Gemeinschaftsarbeit des Hessischen Netzwerkes Gewaltprävention im Gesundheitswesen. Hier wirken Expertinnen und Experten aus Hilfeeinrichtungen, psychotherapeutischer Praxis, Chirurgie und Allgemeinmedizin, Rechtsmedizin, der zahnaerztlichen Versorgung, Gesundheitsaemtern, der Fachanwaltschaft sowie der Sozial- und Gesundheitspolitik mit. Auch in den regionalen Arbeitskreisen gegen haeusliche Gewalt in Hessen engagieren sich die Gesundheitsberufe zunehmend. -
Dokumentationsbogen II - bei Verdacht auf sexualisierte Gewalt gegen Erwachsene (2007), der ebenfalls durch das Hessische Netzwerk Gewaltprävention und mit vielfältiger Unterstützung von Experten und Expertinnen entstand. Auch dieser Bogen entspricht den juristischen Anforderungen, ohne die Verletzbarkeit der Betroffenen außer Acht zu lassen.
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Gewalt gegen Kinder: Handlungshilfen für Arztpraxen in Hessen ist ein praxisorientierter Leitfaden mit einem Dokumentationsbogen ebenfalls auf dem neuesten Stand der Wissenschaft, empfohlen als Anleitung für niedergelassene Ärzte sowie Kliniken in Hessen bei Verdacht auf Kindesmisshandlung und -vernachlässigung (2008).
Ziel dieser Orientierungshilfen ist es, den gesellschaftlichen Dialog über den Schutz vor Gewalt und den unmittelbaren einfühlsamen Umgang mit Ihren Opfern voranzubringen.
