Gewaltprävention im Gesundheitswesen

Gewaltfolgen erkennen und gesundheitliche Vorsorge verbessern

Die Gesundheitsversorgung ist ein integraler Bestandteil der Prävention und des Schutzes vor interpersoneller Gewalt. Das Hessische Netzwerk Gewaltprävention im Gesundheitswesen  wurde 1999 gegründet, um die Gesundheitsberufe zu unterstützen.

 

 Junge und Mädchen mit Sonnenhüten am Strand

 

Aufbau einer Schutzambulanz in Fulda und eines überregionalen Unterstützungsangebots der Rechtsmedizin in Gießen

Seit 2010 steht das Modellvorhaben Schutzambulanz Fulda im Zentrum Vital, Gerloser Weg 20 in Fulda Menschen aller Altersgruppen als Kompetenzzentrum für die gerichtsverwertbare Dokumentation von Verletzungsfolgen und für das Fallmanagement zur Seite. In enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH und in Kooperation mit Kliniken, niedergelassenen Praxen und Beratungseinrichtungen erfolgt die Unterstützung Hand-in-Hand. Die Schutzambulanz Fulda steht auch angrenzenden Landkreisen zur Verfügung.

 

Seit 2014 bietet das gesicherte Webportal Forensisches Konsil Gießen einen kostenlosen Online-Dienst der Ambulanz des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH. Online wie auch telefonisch können Fragen an die Ärztinnen und Ärzte des Instituts für Rechtsmedizin gestellt werden. Das Forensische Konsil Gießen bietet landesweit fachlichen Rat und Fortbildungsangebote für alle Berufsgruppen und ehrenamtlich Engagierte, die mit Gewalt konfrontiert werden. Behandelnde Ärztinnen und Ärzte werden bei der Befunderhebung und gerichtsfesten Dokumentation bei Verdacht auf Gewalteinwirkung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unterstützt. Ein persönlicher Untersuchungstermin kann vereinbart werden. Die Asservierung von Beweismaterial wird für zwei Jahre sichergestellt.

 

 

Anleitungen für die ärztliche Praxis

Um bessere Ergebnisse bei der Attestierung von Gewaltfolgen zu erzielen, wurden bisher vier Anleitungen veröffentlicht. Hier wirken Expertinnen und Experten aus Hilfeeinrichtungen, psychotherapeutischer Praxis, Chirurgie und Allgemeinmedizin, Rechtsmedizin, der zahnärztlichen Versorgung, Gesundheitsämtern, der Fachanwaltschaft sowie der Sozial- und Gesundheitspolitik mit. Die Dokumentationsbögen bauen auf wissenschaftlich evaluierten Vorbildern auf und werden kontinuierlich überprüft; 2010 konnte die neueste Anleitung für die Zahnmedizin klinisch erprobt und formell validiert werden. Begleitmaterial bietet weitere Orientierung für die Klinikerinnen und Kliniker wie für die Patientinnen und Patienten.

Neben der juristisch und kriminalistisch verwertbaren Befunderhebung und Spurensicherung steht auch die interdisziplinäre Kooperation mit lokalen Hilfseinrichtungen im Mittelpunkt. Sie entsprechen den juristischen Anforderungen, ohne die Verletzbarkeit der Betroffenen außer Acht zu lassen.

 

Dokumentationsbogen I - bei häuslicher Gewalt nach körperlicher Misshandlung in der Partnerschaft

 

Dokumentationsbogen II - bei Verdacht auf sexualisierte Gewalt gegen Erwachsene (2007)

 

Gewalt gegen Kinder: Handlungshilfen für Arztpraxen in Hessen (überarbeitete Zweitauflage 2008)

 

Dokumentationsbogen IV –  zahnmedizinische Versorgung

Zahnmedizinische Befunddokumentation zur Erfassung häuslicher Gewalt, wie beispielwsweise die DENT-DOC-CARD, die auf einem handlichen Format den Zahnärztinnen und Zahnärzten einen kurzen Überblick über das Vorgehen beim Erkennen, Ansprechen und Dokumentieren von häuslicher Gewalt gibt und das Ablaufschema zur Vorgehensweise beim Erkennen und Dokumentieren häuslicher Gewalt (Flussdiagramm) finden Sie unter Häusliche Gewalt erkennen durch Zahnärzte - Handlungsempfehlung und Materialien für die Zahnarztpraxis.

 

Ziel dieser Orientierungshilfen ist es, Kompetenz in der Gesundheitsversorgung auszubauen. Zudem gilt es, den gesellschaftlichen Dialog über den Schutz vor Gewalt und den unmittelbaren einfühlsamen Umgang mit ihren Opfern voranzubringen.

Inhalt erstellt am 17.12.2004  -  Zuletzt aktualisiert am 18.12.2014

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