Seid freundlich zur Familie!

 

Eine Mutter umarmt ihren Sohn

Wenn das Wort „familienfreundlich“ fällt, ist der Gedanke an günstigen Urlaub, Verpackungsgrößen von Frühstückutensilien oder die mobilen Wohltaten der Autokonzerne nicht weit. Familienfreundlich kann jedoch auch der Ort sein, an dem man lebt – eine Tatsache, die sich auf weit mehr als auf die eigene Gefühlswelt und Geldbörse bezieht. Familienfreundlichkeit ist ein immer wichtiger werdender Standortfaktor im wirtschaftlichen Wettbewerb der Regionen und Kommunen. Und das Erstaunliche ist: diese Form der Freundlichkeit kann man messen.

Das Bundesfamilienministerium hat dies zusammen mit der Prognos AG getan und eine Bestandsaufnahme der Familienfreundlichkeit in Deutschland erstellt. Der „Familienatlas 2005“ prüft alle 439 Kreise und kreisfreien Städte anhand von 16 Indikatoren aus fünf Bereichen: Demographie, Betreuungsinfrastruktur, Bildung und Arbeitsmarkt, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Sicherheit und Wohlstand. Anschließend werden sie in eine von acht Kategorien eingeordnet. Dies ist, wie die Macher der Studie angeben, kein Ranking, sondern eine Klassifizierung – eine Zuordnung zu „Familienfreundlichkeitsprofilen“.

Das Ergebnis: in ganz Deutschland gibt es Defizite. Die Probleme sind jedoch unterschiedlich groß: Die Südhälfte Deutschlands wird als relativ familienfreundlich eingestuft, dem Großteil des Ostens werden hingegen „fehlende Perspektiven” für Familien bescheinigt. In Hessen heißt es immerhin für 12 der 21 Landkreise, dass es sich als Familie gut wohnen und leben lässt. Einziges Manko ist die fehlende Infrastruktur für die Kinderbetreuung. Anders ist die Situation in den hessischen Großstädten. Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt werden als «Singlestädte» eingestuft, in denen sich junge Menschen ausbilden lassen, die ihre Familien aber meist woanders gründen – eine Einschätzung, die von den jüngsten Zahlen des Statistischen Landesamtes gestützt wird. So liegt der Anteil der Einpersonenhaushalte in den kreisfreien Städten Offenbach am Main, Darmstadt und Wiesbaden zusammen bei 43,6 %, in Frankfurt am Main erreicht er sogar 51,2 % (Mikrozensus 2004).

Was aber können die Kommunen tun, um familienfreundlicher zu werden? Klar ist: Standardlösungen gibt es nicht. Jede Region muss eigene Wege entwickeln, um den Bedingungen und Bedürfnissen vor Ort gerecht zu werden. Hierbei sollten alle Beteiligten eingebunden werden. Dann ist die Chance groß, dass praxisnahe und zugleich auch überraschend neue Ideen entstehen. Dies zeigen Projekte wie „Hanau – die zeitbewusste Stadt“, ein Preisträger im Landeswettbewerb „Familienfreundliche Kommune“ (2003). Die an runden Tischen ausgearbeitete Grundidee war hier, durch die Abstimmung von Betreuungszeiten, Öffnungszeiten öffentlicher Einrichtungen, Arbeitszeiten und Verkehrsverbindungen so etwas wie einen Zeitwohlstand für die Hanauer Familien zu schaffen.

Doch auch wenn die Rahmenbedingungen gar nicht so schlecht sind – in vielen Fällen kommt es erst gar nicht zu einer Familiengründung, weil der Wunsch nach Kindern einfach abnimmt. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung zieht nach Auswertung verschiedener Umfragen und Studien den Schluss, daß weniger Deutsche denn je überhaupt noch Lust auf Kinder haben. Und dieser Lustfeind sitzt im Kopf: das stark ausgeprägte Sicherheitsdenken vieler potentieller Eltern, die den Sprung auf die Karriereleiter, zwei sichere Einkommen, ein gefülltes Sparkonto oder den Besitz einer Immobilie als Grundbedingung für das Elternsein vorsehen.

 

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Inhalt erstellt am 26.02.2005  -  Zuletzt aktualisiert am 02.02.2012

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