Umweltfreundlich, gesund und sozial soll die Welt sein, in der unsere Kinder aufwachsen. Für die meisten Eltern steht das außer Frage. Und wenn man der Verbraucherministerin Renate Künast folgt, wird vielen Vätern und Müttern immer deutlicher bewusst, „dass Kaufentscheidungen und tägliches Verhalten sich auf Umwelt und Gesellschaft auswirken – und auf die Lebensqualität zukünftiger Generationen. Sie interessieren sich deshalb zunehmend dafür, woher die Waren stammen und ob bei ihrer Herstellung die Menschenrechte, der Umwelt- und der Tierschutz beachtet wurden.“
Während das Wissen um globale Zusammenhänge und neue Produkte wächst, ist beim Einkommen leider keine Zunahme zu verzeichnen. Die tägliche Kaufentscheidung, der Gang in den Supermarkt wird so immer wieder zur Gewissensprobe. Nehme ich die H-Milch vom Discounter für 55 Cent, oder doch die Öko-Milch, womöglich noch von einem regionalen Erzeuger, für den doppelten oder dreifachen Preis? Wenn wir uns beim Kauf richtig entscheiden wollen, um unseren Beitrag zu einer nachhaltigeren Entwicklung zu leisten, dann führt der Blick ins Portemonnaie oft genug zu einem Rückzieher, d.h. zur Wahl eines billigeren Lebensmittels aus der industriellen Massenproduktion. „Wie ihr es immer dreht und wie ihr's immer schiebt“, heißt es schon bei Bertolt Brecht, „erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes steht aber bei den Verbrauchern mittlerweile selbst das „Fressen“ nicht mehr an erster Stelle. Die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2003 zeigt: erst kommt die Miete, dann das Auto, und dann das Essen. Von ihrem verfügbaren Einkommen geben die Hessen im Schnitt rund 73 Prozent für den privaten Konsum aus. Ein Drittel davon entfällt auf Wohnen und Energiekosten. In den Großstädten kann dieser Anteil aber noch deutlich größer sein. Wie das Hessische Statistische Landesamt festgestellt hat, muss jeder fünfte Hesse schon 40 Prozent und mehr seines gesamten Einkommens für Miete bezahlen. Zweitgrößter Ausgabeposten sind die in den letzten Jahren stark gestiegenen Kosten für Verkehr und Mobilität. Erst dann folgen Nahrung, Getränke und Tabakwaren: 300 Euro werden im Bundesdurchschnitt monatlich dafür ausgegeben.
Immerhin 13,7 Prozent ihres Einkommens legen die Hessen auf die hohe Kante – sagt die Statistik. In der Praxis sieht das oft anders aus. Viele Haushalte sind froh, wenn das Konto am Monatsende nicht in die Miesen gerät. Sparen heißt die Devise, und das geht oft genug zu Lasten der gesunden Ernährung. „Bei den hohen Ausgaben für Miete und Versicherungen versuchen wir, die Kosten bei den Lebensmitteln wieder reinzuholen“, sagt Anna P. aus Obertshausen, Mutter von 5 Kindern. Öko-Produkte stehen dabei nicht auf dem Einkaufszettel: „Was meine Kinder allein an Milch trinken, ist im Bio-Laden nicht zu bezahlen.“ Dass es auch anders geht, ist ihr durchaus bewusst: ein Erdgasauto, Wohnen im Niedrig-Energiehaus – „das hätte ich auch gern, aber was kostet das?“
20 bis 30 Euro mehr pro Monat gibt Barbara M., alleinerziehende Mutter aus Wiesbaden, für Bio-Kost aus. Eine bewusste Entscheidung, die ihr durch das preisgünstige Angebot einer regionalen Supermarktkette mit einem Mischangebot von normalen und ökologischen Produkten erleichtert wird. Die Mehrkosten versucht sie durch ein verändertes Mobilitätsverhalten auszugleichen: „Ich werde jetzt öfter mal mein Rad benutzen.“ Gerade der Verzicht auf das eigene Auto birgt für Familien sogar ein großes Einsparpotential, wenn sie die Vorteile der Großstadt nutzen können. Die Kombination von RMV-Ticket, CarSharing und BahnCard bringt zwar, wie der Frankfurter Geoffrey K. erzählt, einen hohen Planungsaufwand mit sich: „Spontanfahrten sind nicht mehr so leicht, wenn ich nicht gerade zu Fuß gehe oder das Rad nehme.“ Da die Kinder aber über Mitnahmeregelungen in Bus und Bahn oft kostenlos mitfahren können, sind die Mobilitätskosten für die Familie insgesamt gesunken.
Kosten sparen und die Umwelt entlasten – geht das auch beim Wohnen? Immerhin werden in diesem Bereich fast 45 Prozent der gesamten Umweltauswirkungen privater Haushalte erzeugt. Zugleich handelt es sich ja um den Kostenfresser Nummer eins. Die Handlungsmöglichkeiten für Familien sind jedoch begrenzt. Natürlich kann der Energieverbrauch über neue Geräte, Energiesparlampen und das eigene Verhalten reduziert werden. Der Blick auf die Stromrechnung bringt aber den großen Frust: trotz geringeren Verbrauchs steigen die Kosten von Jahr zu Jahr. Da fällt auch der Wechsel zu einem Öko-Stromanbieter schwer, obwohl der Preisunterschied zu konventionellen Anbietern längst nicht mehr so groß ist: nur noch knapp 50 Euro pro Jahr liegen die beiden günstigsten Tarife auseinander (laut Tarifrechner von stromtarife.de).
Um bei der Energie wirklich Geld zu sparen, muss man schon als Bauherr aktiv werden – und sich beispielsweise ein so genanntes 3-Liter-Haus anschaffen. Dadurch kann der Heizwärmebedarf auf ein Sechstel reduziert werden. Unter dem Titel „Ökologisch Bauen“ bietet die KfW Förderbank sogar ein Finanzierungsprogramm für Energiesparhäuser an. Die Möglichkeiten sind also da, bleiben aber für viele unerreichbar. Dafür sorgt das Preisgefüge auf dem Grundstücks- und Immobilienmarkt, der das Wort Nachhaltigkeit mit dem Wort Geldanlage, aber sicher nicht mit sozialer Verträglichkeit verbindet. Die Verbraucherinnen und Verbraucher können hier nicht viel ausrichten - ein Bewusstseinswandel ist nötig, der vor allem von der Politik angestoßen werden muss.
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