Spielplatz Computer

Szene aus dem Computerspiel _Die Sims_ (Quelle_ Electronic Arts)

Nach der Schule wird gespielt – in einer virtuellen Abenteuerlandschaft, gesteuert von Maus und Tastatur. Während viele Eltern dem digitalen Spieltrieb ihrer Kinder rat- und hilflos gegenüber stehen, häufen sich die warnenden Stimmen der Experten. Neurobiologen, Psychologen und Pädagogen untersuchen in aufwändigen Studien den Zusammenhang von exzessiver Mediennutzung und Schulleistung. Die Diagnose lautet bei immer mehr Kindern: Leistungsabfall, Verdummung und Verwahrlosung. So verhindert die Bilderflut der Computerspiele nach Aussage des Magdeburger Hirnforschers Henning Scheich, dass die von der Schule vermittelten Lerninhalte in dauerhaftes Wissen umgewandelt werden. Der niedersächsische Kriminologe und Jugendforscher Christian Pfeiffer spricht von einer Verarmung der sozialen Existenz: „Wer pro Tag in seiner Freizeit mehr als vier Stunden vor dem Fernseher oder dem PC verbringt, der versäumt das Leben.“

Ist der Computer also ein Teufelswerk, dessen Gebrauch man den Kindern am besten untersagen sollte? Keineswegs, wie die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger unterstreicht: „Gerade der Computer ist ein Medium für Kinder, um im spielerischen Gebrauch Kreativität zu entfalten und auf kindgerechte Art zu forschen und Wissen anzueignen.“ (Quelle: hsm.hessen.de). Sie kann sich dabei auf die Ergebnisse eines vom Sozialministerium unterstützten Forschungsprojektes berufen, das den Einsatz von Computern in Kindergärten untersucht hat. Dabei konnten die Forscher keine negativen Aspekte bei der Computernutzung von Kindern im Vorschulalter feststellen: Die Kinder verbrachten weder übermäßig viel Zeit vor dem PC noch führte die Computernutzung zu schädlichem Sozialverhalten.

Die positiven Aspekte von Computerspielen betont auch Johannes Fromme, Professor für Erziehungswissenschaftliche Medienforschung. Der unschätzbare Vorteil für Kinder und Jugendliche liegt laut Fromme in spielerisch erlernter Medienkompetenz, die später einen leichteren Einstieg in die digitale Medien- und Informationswirtschaft ermöglicht. Eine von ihm durchgeführte Studie zu Computerspielkulturen bei Heranwachsenden zeigt zwar, dass Video- und Computerspiele spätestens seit Anfang der 90er Jahre selbstverständliche Bestandteile der Freizeitkultur von Kindern geworden sind. Gleichwohl liefern die Untersuchungsergebnisse keine Hinweise darauf, dass die Spiele andere Freizeitaktivitäten verdrängt hätten.

Diese Einschätzung wird von der Statistik bestätigt. Das Kinderbarometer Hessen hat im Jahr 2004 Schülerinnen und Schüler der 4. - 7. Klasse nach den beliebtesten Freizeitaktivitäten befragt. Bei Mädchen und Jungen auf Platz eins: Sich mit Freunden treffen. Auf dem zweiten Platz folgen allerdings bei den Jungen die Computerspiele, während Mädchen gern reiten, bummeln gehen oder lesen.

Eltern können ihre Kinder also guten Gewissens zum Spielen auch mal an den Computer lassen – wenn der Computer nicht im Kinderzimmer steht und die Eltern darüber informiert sind, mit welchen Spielen und mit welcher Häufigkeit gespielt wird. Medienkompetenz heißt das Stichwort, das in diesem Zusammenhang an die Erziehungsberechtigten herangetragen wird. Da sie nicht so leicht zu erwerben ist, gibt es seit einiger Zeit umfangreiche Online-Angebote, die entsprechende Informationen, Tipps und Empfehlungen für Eltern bereithalten – nicht nur im Hinblick auf Computer, sondern auch für andere Medien.

SCHAU HIN! ist eine vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützte Initiative für mehr Erziehungsverantwortung im Umgang mit den elektronischen Medien. Das Webangebot bietet konkrete Hilfestellungen und Hintergrundwissen, damit Eltern den Medienkonsum ihrer Kinder kompetent begleiten können. „Orientierung im Medienalltag“ verspricht auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Ihre Website enthält einen eigenen Bereich für Eltern und Erziehende.

Wenn es darum geht, das geeignete Spiel herauszusuchen oder Informationen über unbekannte Spiele zu finden, können Eltern auf mehrere Online-Datenbanken zurückgreifen, die Spielbeschreibungen, Alterseinstufungen und zum Teil auch Empfehlungen enthalten. Für die Erstinformation bietet sich zavatar.de an, die europaweit größte Datenbank für Unterhaltungssoftware. Pädagogische Meinungen und persönliche Beurteilungen einzelner Spieler enthält Search&Play, die Computerspiele-Datenbank der Bundeszentrale für politische Bildung. Medientipps sind auf der Website des Instituts für angewandte Kindermedienforschung zu finden. Übrigens: wie die KIM-Studie herausgefunden hat, haben die Kinder im Jahr 2003 am liebsten mit den „Sims“ gespielt, einer komplexen Simulation familiären Lebens. Das sagt Ihnen nichts? Dann fragen Sie mal Ihre Kinder!

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Inhalt erstellt am 28.09.2005  -  Zuletzt aktualisiert am 02.02.2012

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