Viel Geld wird in Deutschland für Familienförderung ausgegeben – doch die Ergebnisse sind noch ausbaufähig. In der Diskussion um neue Ideen und effektivere Maßnahmen steht die Kinderbetreuung im Mittelpunkt. Mit einem neuen Gesetz will die Bundesregierung dafür sorgen, dass die Betreuungskosten künftig steuerlich besser absetzbar sind. Nach der alten Regelung konnten Eltern maximal 1.500 Euro pro Kind geltend machen – aber nur, wenn ihre Kosten über 1.548,- Euro lagen.
Das soll nun anders werden: die Höhe der Eigenbeteiligung wird sich flexibel nach den Gesamtkosten für die Kinderbetreuung richten. Ein Drittel dieser Kosten müssen berufstätige Alleinerziehende und Doppelverdiener in Zukunft selbst tragen, zwei Drittel können sie von der Steuer absetzen - bis maximal 4.000 Euro pro Jahr und Kind. Dabei ist es egal, wo das Kind betreut wird, ob im Kindergarten, bei einer Tagesmutter oder ob eine Kinderfrau ins Haus kommt.
Bleibt das Problem der fehlenden Betreuungsplätze. Darauf hat das Hessische Sozialministerium bereits im Jahr 2001 reagiert und die „Offensiv für Kinderbetreuung“ ins Leben gerufen. Von zunächst 8,18 Millionen Euro im Jahr 2001 wurden diese Mittel inzwischen auf 23,2 Millionen Euro aufgestockt. Im Zentrum dieses Förderprogramms stehen Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren – bis zu 7.500 neue Plätze sollen für diese Altersgruppe geschaffen werden. Weitere Ziele der Offensive sind der Ausbau der Kindertagespflege, der Aufbau einer Altersvorsorge von Tagesmüttern und -vätern und längere Öffnungszeiten von Kinderkrippen. Daneben werden auch Hortplätze und Teilzeitbetreuungsangebote für Kinder im Grundschulalter finanziell gefördert.
Wie innovative Familienförderung auf kommunaler Ebene aussehen kann, erprobt die Landesregierung zur Zeit in Frankenberg. Die nordhessische Kommune ist 2005 als Sieger aus dem Landeswettbewerb „Familienstadt mit Zukunft“ hervorgegangen und kann nun über einen Zeitraum von 10 Jahren eigene Projekte zum Thema Familienfreundlichkeit entwickeln. Erste Maßnahmen sind bereits in der Umsetzung. So legt die Kommune in Kooperation mit dem Land Hessen für jedes neugeborene Kind ein Sparbuch an. Auf dieses Sparbuch werden durch die Projektgelder drei Jahre lang monatlich zehn Euro eingezahlt. Unterstützung gibt es dabei von der Frankenberger Raiffeisenbank, die das Sparbuch im Rahmen eines exklusiven Bonusplans für Neugeborene mit vier Prozent verzinst. Über das Geld darf das Kind erst mit Volljährigkeit verfügen, es sollte zudem für Bildungsmaßnahmen verwendet werden.
Ziel des Modellprojektes ist es, mit verbesserten Lebensbedingungen nicht nur bestehende Familien zu fördern, sondern vor allem für neue Familien zu sorgen und die Geburtenrate vor Ort zu erhöhen. Denn Hessen hat dasselbe Problem wie die anderen Bundesländer: es werden zu wenig Kinder geboren. Wenn sich dieser demografische Trend nicht ändert, sind aufgrund des Bevölkerungsrückgangs in den nächsten Jahrzehnten negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt zu erwarten. Vor diesem Hintergrund ist es für Bund und Länder geradezu eine ökonomische Notwendigkeit, neue Wege in der Familienförderung zu gehen.
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