Wenn das Fest der Liebe naht, liegen in manchen Familien die Nerven blank. Neuesten Umfragen zufolge fühlt sich fast ein Viertel der Bundesbürger durch den Heiligen Abend und die anschließenden Feiertage stark unter Druck gesetzt. Das hat Folgen für das familiäre Wohlbefinden: Bei jedem sechsten Deutschen herrscht an Weihnachten eine angespannte und gereizte Stimmung zwischen den Familienmitgliedern.
Viele der durch den Feiertagsstress verursachten Streitigkeiten lassen sich problemlos wieder bereinigen. Was aber ist zu tun, wenn der Streit zum Dauerzustand wird? Wenn der siebenjährige Sohn seinen Vater permanent mit deftigen Schimpfwörtern belegt? Wenn die zwölfjährige Tochter keinen Finger mehr im Haushalt rühren will und weder auf Bitten noch auf Drohungen reagiert?
In solchen Fällen sind Eltern oft mit ihrem Latein am Ende. Einen Ausweg aus der Krise bieten Erziehungsberatungsstellen, die in ganz Hessen über sämtliche Städte und Landkreise verteilt sind. In den einzelnen Beratungsstellen steht ein Team aus Psychologen, Pädagogen und Sozialarbeitern bereit, um bei Erziehungsproblemen, Familienkonflikten, Schulproblemen, psychischen Störungen oder Gewalterfahrungen zu helfen. Dabei sind sie zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die Beratungsleistung ist kostenfrei und kann nicht nur von Eltern, sondern auch von Kindern und Jugendlichen in Anspruch genommen werden. Alle Adressen der 65 hessischen Beratungsstellen sind im Adressbuch des FamilienAtlas zu finden.
Wer kurzfristig Hilfe braucht und eine anonyme Beratung bevorzugt, der kann sich seit dem Jahr 2005 auch an die „Virtuelle Beratungsstelle“ der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) wenden. Das professionelle Online-Angebot bietet Einzelberatung, Gruppenberatung sowie Themenchats zu Erziehungs- und Beziehungsproblemen oder auch Schul- und Ausbildungsfragen. Nach einer kostenlosen Registrierung unter www.bke-jugendberatung.de oder www.bke-elternberatung.de können Eltern und Jugendliche direkt mit qualifizierten Fachkräften in Kontakt treten – ihre Fragen werden innerhalb von 48 Stunden beantwortet.
Viele praxisnahe Fachbeiträge für Erziehungsfragen sind im Online-Familienhandbuch des bayerischen Staatsinstituts für Frühpädagogik enthalten. Hier werden Themen behandelt, über die sich fast alle Eltern im Laufe ihres Erzieherdaseins einmal Gedanken machen, wie z.B. der Familienrat, sinnvolle Ordnungsprinzipien und tatkräftige Mithilfe im Haushalt.
101 Tipps für den Erziehungsalltag bekommen Eltern auf www.aktiv-fuer-kinder.de, einem Informationsangebot des Arbeitskreises Neue Erziehung. Der seit 60 Jahren aktive Verein bietet als besonderen Service auch eine Reihe von 46 Elternbriefen, die – beginnend mit der Geburt des Kindes - über einen Zeitraum von 8 Jahren altersgerechte Antworten auf Erziehungsfragen geben.
Neben dem Internet ist es vor allem auch das Fernsehen, das jede Menge Erziehungstipps für überforderte Eltern bereithält. Während die öffentlich-rechtlichen Sender regelmäßige Serviceformate für Familien hauptsächlich im Vorabendprogramm der dritten Programme ausstrahlen, inszenieren die Privatsender Erziehungsberatung als Quotenrenner in der Primetime. Rund 3,5 Millionen Zuschauer verfolgen beispielsweise die erzieherischen Interventionen der „Super Nanny“ – laut RTL ein Versuch, „den betroffenen Familien eine Hilfestellung zu bieten, andererseits aber auch dem Zuschauer anhand von unterschiedlichen Fällen Lösungsansätze für Probleme in der eigenen Familie aufzuzeigen.“
Was bei den Zuschauern gut ankommt, stößt bei vielen Fachleuten jedoch auf deutliche Kritik. So spricht Dr. Helga Theunert, wissenschaftliche Direktorin des JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, von einer zweifelhaften Gehorsamkeitsspädagogik: „Sie betrachtet Kinder als Befehlsempfänger, die über Drill funktionsfähig gemacht werden sollen.“
So verlockend die Vorstellung auch ist, im Eifer des familiären Gefechts die richtigen Worte von einer Super-Nanny ins Ohr geflüstert zu bekommen – der Weg zu einer gelungenen, für alle Seiten zuträglichen Erziehung lässt sich nicht in 45 Minuten zurücklegen. Der Deutsche Kinderschutzbund bietet aus diesem Grund bereits seit einigen Jahren Elternkurse an, die bundesweit von zertifizierten Fachkräften durchgeführt werden. „Starke Eltern – starke Kinder“ heißt das Angebot, das mit dem Modell einer anleitenden Erziehung bei den Stärken der Eltern ansetzt und dadurch die Kommunikation innerhalb der Familie verbessern will. Im besten Fall kommt es dazu, dass Eltern und Kinder voneinander und miteinander lernen – und das kann sogar Spaß machen.
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