Lokale Bündnisse für Familie

Wenn berufstätige Eltern in Bad Soden, Eschborn, Schwalbach oder Sulzbach einen Betreuungsplatz für ihr Kind suchen, dann können sie das bequem im Internet erledigen. Die Regionale Betreuungsbörse Taunus bietet ihnen die Möglichkeit, sich über das vorhandene Angebot in der Region zu informieren und dort einen geeigneten Platz zu finden. Das praktische Webangebot ist das Ergebnis einer umfangreichen Kooperation: Die vier Kommunen sowie die dort ansässigen Firmen und freien Träger haben sich zu einem "Regionalen Netzwerk für Kinderbetreuung" zusammengeschlossen, um das Angebot an qualifizierter Kindertagespflege zu fördern und auszubauen.

Das Bündnis versteht sich als Vermittler zwischen Tagesbetreuern, Eltern und Arbeitgebern. Neben der Betreuungsbörse übernimmt es auch Qualifizierungsmaßnahmen von Tagesmüttern und –vätern. Gerd Ritter, Personalleiter von Procter & Gamble, eines der am Netzwerk beteiligten Unternehmen, zeigt sich beeindruckt, „wie viel erreicht werden kann, wenn Kommunen und Unternehmen in einem Bündnis zusammenarbeiten.“

Eine solche Zusammenarbeit von regionalen Institutionen und Unternehmen ist kein Einzelfall - in Hessen gibt es zur Zeit 44 lokale Bündnisse für Familie, die über das ganze Land verteilt sind und kleine Gemeinden, Großstädte und ganze Landkreise umfassen. Eines ist ihnen allen gemeinsam: Sie gehören zur bundesweiten Initiative „Lokale Bündnisse für Familie“.

Die Initiative wurde Anfang 2004 vom Bundesfamilienministerium ins Leben gerufen. Ihr Ziel war und ist es, die Lebensbedingungen für Familien vor Ort zu verbessern und vor allem Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Denn, so Dr. Jan Schröder, Leiter des Servicebüros der Initiative: „Familie und Beruf gehen zusammen, wenn alle an einem Strang ziehen und vor Ort handeln. Lokale Bündnisse für Familie setzen in den Städten und Gemeinden an, orientieren sich konsequent an den Bedürfnissen der Menschen und entwickeln passgenaue Lösungen, zum Beispiel für flexible Kinderbetreuung. Dies ist nur mit starken Partnern zu schaffen.“

Die Gesamtzahl dieser in Bündnissen organisierten Netzwerk-Partner liegt mittlerweile bei 10.000 -  dazu gehören Handwerksbetriebe ebenso wie Global Player, Sportvereine und kirchliche Einrichtungen, Verbände und Kommunen. Mitte Mai 2007 waren 400 Bündnisse in der Initiative aktiv, über 230 weitere Gründungen sind in Vorbereitung. Ausgehend von dem großen gemeinsamen Ziel sind die Handlungsfelder der einzelnen Lokalen Bündnisse je nach Zusammensetzung und regionaler Situation sehr vielfältig. Sie reichen von flexiblen Arbeitszeiten, betrieblicher Kinderbetreuung, familiengerechter Gestaltung von Wohnraum bis hin zu generationenübergreifenden Angeboten.

Beim guten Vorsatz allein soll es aber nicht bleiben, wie Gabriele Mankau, Koordinatorin des Frankfurter Bündnisses für Familien, erläutert: „Das Bündnis und seine Projekte zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Familien sollen nicht nur Gerede sein, sondern praxisbezogen umgesetzt werden. Wir wollen sichtbare Ergebnisse haben."

Tatsächlich kann das Frankfurter Bündnis knapp zwei Jahre nach seiner Gründung eine ganze Reihe von erfolgreich umgesetzten Projekten vorweisen. Neben einer jährlich stattfindenden Familienmesse für alle, die für und mit Familien arbeiten, hat die Stadt in diesem Jahr erstmals einen „Familienkongress“ ausgerichtet, der als wissenschaftliches Diskussionsforum für eine zukunftsorientierte Familienpolitik dienen soll.

Auch im täglichen Leben hat sich etwas getan: für Frankfurter Familien werden nun Eltern-Kind-Zentren eingerichtet, die nach dem Vorbild der englischen „Early Excellence-Center“ arbeiten und ein umfassendes Programm zur frühen Förderung, Betreuung, Beratung und Bildung bieten - alles unter einem Dach. Ausschließlich von Frauen für Familien mit Kindern entwickelt und konzipiert wurde „Familie & Kind“ - ein mittlerweile preisgekrönter Sonderteil der Gelben Seiten Frankfurt.

Sichtbare Ergebnisse strebt auch die hessische Landesregierung an, die seit dem Jahr 2006 mit dem Service-Büro der Initiative zusammenarbeitet. Im Mittelpunkt der Kooperation stehen die landesweite Etablierung der Bündnisidee sowie gemeinsame Projekte zur Vereinbarkeit von Familie und Studium sowie zum generationsübergreifenden Arbeiten. Ein weiterer Baustein in der Kooperationsvereinbarung sind jährliche Spitzengespräche mit Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Kirchen und Wohlfahrtsverbänden zum Thema Familienfreundlichkeit.

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Inhalt erstellt am 06.06.2007  -  Zuletzt aktualisiert am 02.02.2012

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