Wenn die Kita Urlaub macht....

Kinder bauen mit Werkzeugen

Das Sommerferien-Programm der Kita Sternenzelt bietet jede Menge Spaß: vom Schwimmen, Kochen, Fußballspielen bis zur Discoparty ist für jeden Geschmack etwas dabei. Schade nur, dass die Kindertagesstätte selbst auch Urlaub macht: 3 Wochen beträgt die Schließzeit der von rund 80 Wiesbadener Schulkindern besuchten Einrichtung. Für manche Eltern, die in diesem Zeitraum arbeiten müssen, entsteht so ein echtes Betreuungsproblem – wohin mit den Kindern?

Die Stadt Wiesbaden kennt das Problem, das auch bei den anderen Betreuungseinrichtungen besteht, und bietet ein eigenes Ferienprogramm an, um die Betreuungslücke zu schließen. Rund 4.500 Plätze stehen für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 15 Jahren zur Verfügung. Das bei den Eltern sehr begehrte Programm besteht aus insgesamt 221 Angeboten in Form von Tagesfahrten, Workshops und Erkundungen.

Ähnliche Angebote gibt es mittlerweile in nahezu allen hessischen Großstädten. Haben die Kinder einen der Plätze ergattert, können sie an einer Vielzahl von Aktivitäten teilnehmen: Kanu fahren, Pizzabacken, Theater spielen, Jonglieren, Klettern oder Pferde bändigen. Auch auf dem Land muss der Sommer nicht eintönig sein. So umfasst die Gladenbacher Ferienpass-Aktion unter dem Motto "Sommer ist, was Du draus machst" mehr als 60 Angebote für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 16 Jahren. Erstmals bietet der Landkreis Marburg-Biedenkopf auch eine Frühbetreuung ab 7.30 Uhr an.

Das sommerliche Betreuungsproblem der Eltern betrifft jedoch nicht nur die Städte und Kommunen. Gerade die Arbeitgeber sind gefragt, auch in der Ferienzeit einen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu leisten. Davon können sie selbst erheblich profitieren, weil sie motivierte, konzentrierte und loyale Beschäftigte bekommen, Fehlzeiten minimieren und so die Produktivität ihres Betriebs steigern. Nach Ansicht von Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger tragen familiengerechte Arbeitsbedingungen zudem entscheidend dazu bei, „qualifizierte Frauen langfristig an den Betrieb zu binden, was angesichts der demografischen Entwicklung und des drohenden Fachkräftemangels von Bedeutung ist.“

Das Hessische Sozialministerium geht mit gutem Beispiel voran und organisiert seit einigen Jahren eine Sommerferienbetreuung für die Kinder der Mitarbeiter des Ministeriums und der umliegenden Behörden. Für sie wird im Zeitraum von zwei Wochen täglich zwischen 8 Uhr und 16.30 Uhr ein erlebnisreiches Programm geboten. Das Angebot ist ein Ergebnis des Audits Beruf & Familie, dem sich das Sozialministerium unterzogen hat.

Preisgekrönt ist KiBiz, die Betreuungsinitiative des Hessischen Rundfunks. Deren Konzept ist so einfach wie wirkungsvoll: In den Schulferien stellen pensionierte Mitarbeiter des Senders ein Ganztags-Programm für Kinder von 3 bis 12 Jahren auf die Beine. Dazu gehören Ausflüge, Schnitzeljagden oder Filmproduktionen. Vom Orchestermusiker bis zur Chefsekretärin reicht das Spektrum der ehrenamtlichen Animateure.

Auch in der Wirtschaft gibt es gelungene Initiativen: Die in Frankfurt angesiedelte Commerzbank AG hat seit dem Ende der 80er-Jahre sukzessive ein Bausteinsystem aus Ferienbetreuung, Beratung und Vermittlung von Kinderbetreuung am Wohnort sowie Zuschüssen zu Kinderbetreuungskosten aufgebaut, das Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt.

Eine in Deutschland einmalige Einrichtung feierte im vergangenen Jahr ihr 50-jähriges Bestehen: das ABB-Kinderferienhaus in Schapbach im Landkreis Freudenstadt. Seit seiner Eröffnung im Sommer 1956 haben dort mehr als 23.000 Kinder von Betriebsangehörigen des auch in Hessen vertretenen Technologiekonzerns ABB kostenlos ihre Ferien verbracht. Die kleinen Gäste werden während ihres zweiwöchigen Aufenthalts rund um die Uhr von einem halben Dutzend ausgebildeter Erzieherinnen betreut. Ihnen zur Seite steht ein siebenköpfiges Team von Köchinnen, Reinigungshilfen und einem Hausmeister.

Es geht aber auch eine Nummer kleiner - schon ab einem Kind kann sich die Einrichtung einer Ferienbetreuung für Unternehmen lohnen. Das Internetportal „Mittelstand und Familie“ gibt Arbeitgebern praktische Tipps, wie eine Kinderferienbetreuung kurzfristig, einfach und kostengünstig umgesetzt werden kann. Von der Auswahl des Spielzimmers, der Suche nach Betreuerinnen bis hin zu Vorschlägen für Ausflüge und Aktivitäten wird alles erläutert, was für die Betreuung notwendig ist. Auch die Planung eines umfangreichen Ferienprogramms lässt sich anhand von Umsetzungsschritten und detaillierten Arbeitsmaterialien in die Praxis umsetzen.

 

Ihre Meinung ist gefragt

Geht es Ihnen auch so - oder ist alles ganz anders? Diskutieren Sie mit - im FamilienForum.

Und wenn Sie einen Vorschlag haben für ein neues Thema des Monats: Dann schreiben Sie uns!

 

Inhalt erstellt am 16.07.2007  -  Zuletzt aktualisiert am 02.02.2012

Detailsuche

  • Adressbuch
  • Einrichtungen und Ansprechpartner in Ihrer Nähe
  • Erste Hilfe
  • Die Anlaufstelle für den familiären Notfall
  • Kontakt
  • Der direkte Draht zur FamilienAtlas - Redaktion
Seitenanfang