Neue Wege durch den Antragsdschungel

Zwei Kinder in offener Landschaft

Laut Bundesfamilienministerium haben im ersten Halbjahr 2007 insgesamt 200.000 Frauen und Männer das neue Elterngeld beantragt. Nicht erfasst wurde die Zahl der werdenden Mütter und Väter, denen es überhaupt nicht gelungen ist, einen Antrag zu stellen. Denn obwohl es im Internet viele Informationen gibt, ist der Beratungsbedarf bei den Familien angesichts der komplexen Materie sehr hoch. Innovative Service-Einrichtungen können hierbei weiterhelfen.

Dies zeigen nicht zuletzt die vielen Anfragen, die bei der Online-Redaktion des FamilienAtlas eingehen. Dort heißt es zum Beispiel: „Ich würde gerne wissen, wie ich genau die Elternzeit beim Arbeitgeber beantrage.“ Andere merken an: „Es ist alles sehr kompliziert und man blickt als Laie trotz der Merkblätter gar nicht durch.“ Oder: „Können Sie mir bitte helfen? Bin sehr verzweifelt und weiß nicht weiter.“

Was steht mir eigentlich zu, und an wen muss ich mich wenden? Vor dieser Frage stehen einige Eltern - nicht nur beim Thema Elterngeld und Elternzeit, sondern auch im Hinblick auf eine Vielzahl familienbezogener Leistungen, Unterstützungen und Regelungen, die von den verschiedenen Stellen ausgegeben werden. So können beispielsweise Wiesbadener Eltern eine Familienkarte, Hilfen zum Lebensunterhalt, einen Unterhaltsvorschuss, Elterngeld und Kindergeld bekommen, wenn sie die entsprechenden Anträge bei vier verschiedenen Stellen einreichen: beim Amt für Soziale Arbeit, beim Jugendamt, beim Hessischen Amt für Versorgung und Soziales und bei der Agentur für Arbeit.

So ist es kein Wunder, dass allen technischen Kommunikationsmöglichkeiten zum Trotz der Wunsch nach einer persönlichen Beratung sehr groß ist. Um diesem Wunsch zu entsprechen, sind in diesem Jahr mehrere innovative Einrichtungen in Hessen entstanden. Landesweit telefonisch erreichbar sind die Familieninformationsstellen, ein neues Informationsangebot des Hessischen Sozialministeriums. Unter der Hotline-Nummer (0180) 2 35 83 76 bekommen ratsuchende Bürgerinnen und Bürger Auskunft zu allen Fragen rund um das Thema Familie und erfahren, welche Stellen für welche Angebote und Leistungen zuständig sind.

Unter Federführung des Regierungspräsidiums Gießen sind Familieninformationsstellen bei den sechs Hessischen Ämtern für Versorgung und Soziales in Darmstadt, Wiesbaden, Frankfurt, Gießen, Fulda und Kassel eingerichtet worden. Die Fachberater dort haben bereits Erfahrung im Umgang mit Familienthemen und gewährleisten eine kunden- und bürgerfreundliche Beratung.

Auch auf kommunaler Ebene können sich junge Familien vermehrt an Service-Einrichtungen wenden, die ihnen als so genannte Erstberatungsstelle gebündelte Informationen über soziale Dienstleistungen und Hilfsmöglichkeiten vor Ort zur Verfügung stellen. Beispielsweise in Oestrich-Winkel, Bad Vilbel oder Frankenberg wurden bereits solche Familienbüros eröffnet.

Auf dem besten Weg zur familienfreundlichen Kommune befindet sich mittlerweile Frankenberg. Nachdem die nordhessische Stadt im Jahr 2005 den Landeswettbewerb "Familienstadt mit Zukunft" gewonnen hatte, konnte das dortige Familienbüro dank der finanziellen Förderung durch das Hessische Sozialministerium im März 2007 seine Arbeit aufnehmen. Seine Serviceangebote sind vielfältig, wie Leiterin Daniela Neuschäfer im Gespräch mit dem FamilienAtlas erläutert: „Das Familienbüro Frankenberg leistet Erstberatung in allen Bereichen, die Familien betreffen. Fünf Mitarbeiterinnen, darunter eine Erzieherin und eine Diplom-Pädagogin, geben Hilfestellung, um im individuellen Fall die passende Beratungsmöglichkeit zu finden und wahrnehmen zu können.“ Darüber hinaus findet regelmäßig eine Senioren- und Ernährungsberatung statt. Ein weiteres Angebot ist die Einkaufskinderbetreuung. Ohne Kostenbeitrag können Eltern ihre Kinder für zweieinhalb Stunden in die Obhut einer Erzieherin geben, um in dieser Zeit in Ruhe einkaufen zu gehen.

Knapp 150 Frankenberger nutzen pro Monat die Dienste des Familienbüros. Vor allem junge Mütter nehmen sowohl die Beratungs- als auch die Betreuungsangebote in Anspruch. „Der größte Informationsbedarf“, so Daniela Neuschäfer, „besteht bei den Themen Elterngeld, Kindergeld, Kinderbetreuung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier kann das persönliche Gespräch tatsächlich Abhilfe leisten, denn das Feedback der Ratsuchenden ist durchweg positiv.“ Bleibt zu hoffen, dass das Frankenberger Beispiel Schule macht und Familienbüros bald auch in anderen hessischen Kommunen ihre Arbeit aufnehmen.

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  • Telefon-Hotline zum Elterngeld

    Informationen und fachliche Auskünfte zum Elterngeld können unter der Rufnummer 0641-3034444 beim Regierungspräsidium in Gießen abgefragt werden.

  • Weitere Informationen
  • Die Familieninformationsstellen sind hessenweit zum Ortstarif (nur Anrufe innerhalb Hessens, auch aus öffentlichen Telefonzellen möglich) montags bis donnerstags von 08:00 bis 15:30 Uhr und freitags von 08:00 bis 12:00 Uhr unter der Hotline (0180) 2 35 83 76 für Fragen rund um familienbezogene Leistungen erreichbar.

Inhalt erstellt am 24.10.2007  -  Zuletzt aktualisiert am 02.02.2012

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