Oft ist es die vergebliche Suche nach einem Krippenplatz, aber auch der Wunsch nach einer familiären und flexiblen Betreuungsform, die Eltern mit kleinen Kindern dazu bringen, sich nach einer Tagesmutter (oder einem Tagesvater) umzusehen. Ihre Zahl wächst von Jahr zu Jahr: In den westlichen Bundesländern wurde 2008 fast jedes 5. Kind unter 3 Jahren in Tagespflege betreut. Mehr als 36.000 Frauen und Männer waren im vergangenen Jahr bundesweit in der Kindertagespflege tätig – fast 20 Prozent mehr als noch im Jahr 2006.
Mehr Plätze benötigt
Angesichts der Ausbaupläne im Bereich der Kinderbetreuung reicht diese Steigerung jedoch nicht aus. Denn nach dem Kinderförderungsgesetz (KiföG), das im Dezember 2008 in Kraft trat, soll es bis zum Jahr 2013 bundesweit im Durchschnitt für jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz geben. Rund ein Drittel davon sollen in der Kindertagespflege entstehen.
Aktionsprogramm „Kindertagespflege“
30.000 Tagesmütter und -väter müssen deshalb zusätzlich zu den bereits tätigen Tagespflegekräften gewonnen werden. Das Bundesfamilienministerium setzt dabei auf das Aktionsprogramm "Kindertagespflege". Es soll das Berufsbild insgesamt aufwerten. Denn der Ausbau der Tagespflege ist nicht nur eine Frage der Quantität, sondern auch der Qualität.
Unterschiedliche Qualifikationen
„Die Ausbildung der Tagesmütter ist die Achillesferse“, sagt Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, „denn die Anforderungen sind in Deutschland sehr unterschiedlich.“ Tatsächlich setzen die Jugendämter, die für die Erteilung der Pflegeerlaubnis zuständig sind, oft sehr unterschiedliche Qualifikationen voraus: Die Anforderungen reichen vom Einführungskurs mit wenigen Stunden bis zur mehrwöchigen Ausbildung. Nach einem Bericht der Bundesregierung verfügen 16 Prozent der Tagespflegepersonen in Deutschland sogar über keinerlei formale Qualifikation; 37 Prozent haben einen Kurs von weniger als 160 Stunden absolviert.
Einheitliches Gütesiegel geplant
Aus diesem Grund will die Bundesregierung gemeinsam mit den Bundesländern und der Bundesagentur für Arbeit ein Gütesiegel für die Ausbildungsträger einführen. Es soll eine einheitliche Qualifikation der Tagespflegekräfte garantieren und so den Eltern die Gewissheit geben, dass ihr Kind auch in der Tagespflege gut betreut wird.
Geplant ist, die zukünftigen Tagesmütter und Tagesväter ab dem Sommer 2009 bundesweit nach dem fachlich anerkannten 160-stündigen Curriculum des Deutschen Jugendinstituts (DJI) oder vergleichbarer Lehrpläne auszubilden. Nur wenn die Bildungsträger Qualifizierungen in diesem Umfang anbieten, erhalten sie das neue Gütesiegel von den Landesjugendämtern.
Ausbauprogramme in Hessen
Der Ausbau und die Aufwertung der Kindertagespflege stehen auch in Hessen ganz oben auf der politischen Agenda. Mit dem Landesprogramm BAMBINI hat das Bundesland seit Anfang 2007 gezielt die Betreuung von Kindern unter drei Jahren gefördert. Das im vergangenen Jahr gestartete KNIRPS-Programm bietet noch einmal zusätzliche finanzielle Anreize zum beschleunigten Ausbau des Betreuungsangebotes - auch für zusätzliche Plätze bei Tagesmüttern und -vätern.
Die Erfolge sind inzwischen sichtbar: Rund 4.000 hessische Kinder befanden sich im Jahr 2008 in öffentlich geförderter Tagespflege – doppelt so viele wie zwei Jahre zuvor. In ganz Hessen gibt es ein flächendeckendes Netz von mehr als 100 Vermittlungsstellen, die sich um die Gewinnung, Qualifizierung und Vermittlung von Tagespflegepersonen kümmern. Sie werden unterstützt vom Hessischen KinderTagespflegeBüro, einem bundesweit einzigartigen zentralen Fachdienst.
Pilotprojekt zur Qualitätssicherung
Darüber hinaus soll ein Anfang 2008 vom Hessischen Sozialministerium und der Karl Kübel Stiftung gestartetes Pilotprojekt für die nötige Qualitätssicherung und Professionalisierung in der Tagespflege sorgen. Im Rahmen des Projekts "Kindertagespflege" erhalten die sieben ausgewählten Kommunen und Institutionen neben finanzieller auch fachliche Unterstützung beim Aufbau von Trägerstrukturen oder der Qualifizierung von Tagespflegepersonen.
