Die Erkenntnis, dass Wachstum um jeden Preis langfristig untragbar ist, gibt es nicht erst seit gestern. Spätestens seit Themen wie Ölkrise und Waldsterben in den 70-er Jahren die Schlagzeilen beherrschten, sind die Folgen eines rein konsum- und profitorientierten Lebens auch Nicht-Experten bekannt.
Mit der Agenda 21 der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen (UNCED) wurde 1992 ein internationales Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert verabschiedet, das den bewussten Umgang mit Mensch, Natur und Ressourcen in den Fokus internationaler Zukunftsplanung rückt. Im Mai 2008 rief die Hessische Landesregierung zur Bündelung ihrer bisherigen und zukünftigen Aktivitäten die Nachhaltigkeitsstrategie Hessen ins Leben, welche die Inhalte der Agenda 21 auf Landesebene in richtungweisenden Projekten umsetzt.
Große Ziele, konkrete Schritte
„Entwicklung zukunftsfähig zu machen heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können," – so lautet die offizielle UNCED Definition des Prinzips der Nachhaltigkeit. Um die schwierige Aufgabe verantwortungsbewussten Handelns mit Leben und greifbaren Inhalten zu füllen, startete die Hessische Landesregierung im August 2009 zwölf Pilotprojekte, die beispielhaft veranschaulichen, wie die Agenda 21 in der Praxis aussehen kann.
Die Inhalte der Projekte greifen zum einen die Ergebnisse einer Konzeptionsphase auf, an der Experten aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Soziales sowie rund 1.000 Bürgerinnen und Bürger (mittels einer Online-Umfrage) beteiligt waren. Zum anderen orientieren sie sich entsprechend der Zielvorgaben der UNCED an den Aspekten ökologische Verträglichkeit, ökonomische Leistungsfähigkeit und soziale Gerechtigkeit, also den tragenden Säulen des Nachhaltigkeitsprinzips. Die große Akzeptanz, welche diese Maßnahmen bei den jeweils angesprochenen Zielgruppen bereits jetzt verzeichnen, verdanken sie ihrer stimmigen Konzeption, die auf dem Zusammenwirken von vier entscheidenden Faktoren basiert: der Einbindung möglichst vieler Akteure, der strategischen Vernetzung bestehender Aktivitäten und Kontakte, der Nutzung vorhandener Modelle und der intensiven Kommunikation zwischen allen Beteiligten.
Nachhaltigkeit virtuell
„Hessen aktiv: 10.000 Bürgerinnen und Bürger für den Klimaschutz“, so lautet der Titel des wohl bürgernahesten der zwölf hessischen Nachhaltigkeits-Pilotprojekte. Es hat sich zum Ziel gesetzt, mindestens 10.000 umweltsensible Landesbewohner zu aktivieren und in einer „CO2mmunity" digital zu vernetzen. Diese Internet-Plattform dient als Inkubator praktikabler Ideen für einen CO2-armen Lebensstil, die im Rahmen eines Wettbewerbs der Öffentlichkeit vorgestellt werden. „Nachahmungstaten“ sind bei diesem Projekt Teil des Konzepts und somit ausdrücklich erwünscht.
Eine Selbstverpflichtung, die von den Teilnehmern beim Einstieg in das Projekt abgegeben werden muss, verdeutlicht, mit welch einfachen Mitteln jeder Einzelne aktiven Klimaschutz im Alltag praktizieren kann – zum Beispiel durch das Abschalten von Geräten statt Umschalten auf Stand-by, durch die eine oder andere Erledigung zu Fuß, durch Duschen statt Baden oder durch den Kauf saisonaler Erzeugnisse aus der Region.
Früh übt sich...
Auf die kleinsten und allerkleinsten Bürgerinnen und Bürger von Hessen zielt die Initiative „Von Anfang an – Bildung für nachhaltige Entwicklung in der frühen Kindheit" ab. Sie sollen durch eine anschauliche Anleitung schon möglichst früh lernen, mit der Welt, in der sie leben, bewusst und verantwortlich umzugehen.
„Gerade in den ersten zehn Lebensjahren sind Kinder so aufnahmefähig und lernbereit wie in keiner weiteren Lebensphase,“ fasst Jürgen Banzer, Hessischer Minister für Arbeit, Familie und Gesundheit, den Ansatz der Initiative zusammen. Die jungen Landesbewohner sollen eine möglichst einheitliche Basis zur optimalen Förderung von Kenntnissen und Fähigkeiten in punkto Nachhaltigkeit erhalten. Um dieses Ziel zu realisieren, entwickelt das Projektbüro in enger Abstimmung mit dem hessischen Bildungs- und Erziehungsplan vier Projektbausteine, die Eltern, Pädagogen und Betreuern praxisnahe Arbeitsmaterialien zum Thema Nachhaltigkeitserziehung an die Hand geben.
Lokale Agenda 21
Aber nicht nur in den Projekten der Nachhaltigkeitsstrategie Hessen können sich Bürgerinnen und Bürger aktiv für angewandten Umweltschutz in ihrem persönlichen Umfeld einsetzen. Zahlreiche hessische Städte und Gemeinden haben individuelle Konzepte zur Umsetzung der so genannten Lokalen Agenda 21 entwickelt, die – wie der Name schon sagt – die Ziele der in Rio verabschiedeten internationalen Konvention auf regionaler Ebene verwirklichen will. Durch die Ideen und das Engagement der Menschen vor Ort haben sich viele dieser Initiativen zu einem breit angelegten Netzwerk für das Prinzip Nachhaltigkeit entwickelt.
