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Kind mit Pusteblume

FamilienMagazin

15.
Juni
2015

Kinder an die Macht? Ja, bitte

15. Juni 2015

Breaking News! Bundespräsident Joachim Gauck hat soeben Alina Schuster aus Bad Nauheim zur Bundesministerin für Kinderangelegenheiten ernannt. Die neue Ministerin ist 13 Jahre alt und war bislang als Schülerin tätig. „Ich wünsche Frau Schuster alles Gute und viel Erfolg. Ihre Englischkenntnisse sind solide, sie interessiert sich für Politik wie auch für Ponys, und sie kann jeden Streit in der Koalition schlichten helfen. Immerhin hat sie ja zwei kleine Geschwister“, so der Bundespräsident. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Alina Schuster vorgeschlagen hatte, kommentiert euphorisch: „Kein anderes Land setzt die UN-Kinderrechtskonvention derart konsequent um. Frau Schuster ist die Idealbesetzung für dieses Amt. Schauen wir mal, vielleicht hat sie sogar das Zeug zur Kanzlerin.“

Eine Kinderkanzlerin? Reine Utopie. Doch der Wunsch von Kindern nach Mitbestimmung ist sehr real. Wer jung und klein ist, hat in der Regel nicht viel zu sagen. Die Eltern entscheiden, der Staat, die Gesellschaft. Eine Demokratie lebt aber davon, dass Menschen sich einbringen, mitdenken, sich eine Meinung bilden –und dann auch mitentscheiden können. Jedes Kind wünscht sich, gehört und gefragt zu werden. Hören die Erwachsenen gut genug zu?

In der UN-Kinderrechtskonvention von 1989 geht es unter anderem um die Beteiligung von Kindern. Seitdem sie in Kraft trat, ist in dieser Hinsicht eine Menge geschehen. An vielen Stellen in unserer Gesellschaft werden Kinder ernster genommen. Sinnvoll ist ihre Beteiligung überall dort, wo sie direkte demokratische Erfahrungen machen können. Zum Beispiel in der Kindertageseinrichtung oder Schule, im Verein oder in der Jugendeinrichtung ihrer Kommune. Mitbestimmung und Mitverantwortung sind hier gefragt. Dahinter steht der Gedanke, dass die Erfahrung mit Alltagsdemokratie von Kindesbeinen eine echte Langzeitwirkung hat. Als Erwachsene werden diese Kinder sich dann vermutlich stärker für das Gemeinwesen engagieren.

Beteiligungsmodelle sinnvoll gestalten

Wie kann eine bessere Beteiligung von Kindern nun aussehen? Vieles ist denkbar: Vom Meckerkasten in der Schule über Kinder- und Jugendparlamente, Zukunftswerkstätten und Planungsworkshops bis hin zum Wahlrecht auf kommunaler Ebene. Mal sind es einmalige, projektbezogene Aktionen, mal offene Beteiligungsformen wie Diskussionsrunden, mal geht es um Einbindung in „Erwachsenenstrukturen“. Damit Beteiligung den Kindern wirklich etwas bringt, muss auf eine Reihe von Aspekten geachtet werden. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat Standards definiert, wie Kinder und Jugendliche qualifiziert eingebunden werden können. Hier eine Auswahl der wichtigsten Kriterien:

  • Stehen die Beteiligungsangeboten allen Kindern und Jugendlichen offen?
  • Sind Ziele und Entscheidungen transparent?
  • Sind die Entscheidungsspielräume klar umrissen?
  • Können die Kinder und Jugendlichen bei der Themenfindung mitentscheiden?
  • Werden die Ergebnisse zeitnah umgesetzt?

Ein Kongress nur über Kinderrechte

Anhand dieser Qualitätsstandards können Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie andere interessierte Stellen ihre Beteiligungsmodelle entwickeln und überprüfen. Über laufende Projekte informiert unter anderem das Deutsche Kinderhilfswerk mit einer Landkarte der Kinderpolitik. Auch die hessenstiftung – familie hat zukunft engagiert sich. Sie ist Mitveranstalter vom Kinderrechte-Kongress 2015 in Darmstadt. Dort wird sich alles um die Verwirklichung des Kinderrechts aus Beteiligung drehen. Kinder und Erwachsene diskutieren in zehn Themenkreisen gemeinsam. Vielleicht auch über die Frage, ob es eine Kinderministerin geben sollte?

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