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Kind mit Pusteblume

FamilienMagazin

21.
September
2015

Zurück in den Beruf

21. September 2015

„Du arbeitest wieder?“ Diese Frage hört Annika jetzt dauernd. Als ob es ein Wunder wäre, als gut ausgebildete Frau berufstätig zu sein. Mehr als zehn Jahre war sie nur Mutter. Nur?! Sie war Managerin, Seelentrösterin und Erziehungsbeauftragte in einem. Nun wo die Kinder größer sind, hat sie wieder Zeit für einen „richtigen Job“. Das heißt, einen der bezahlt wird. Familie ist jetzt ein Nebenjob für sie, an dem ihr Herz natürlich besonders hängt. In ihrem neuen Hauptjob ist sie jeden Tag gefordert, lernt neue Menschen kennen, muss Probleme lösen – aber gerade deswegen liebt sie ihn ja.

Frauen wie Annika wollen zurück ins Arbeitsleben und sich beweisen. Dass aus dem Wunsch Wirklichkeit wird, liegt auch im Interesse der Familien- und Wirtschaftspolitik. Die meist hoch motivierten und qualifizierten Berufsrückkehrerinnen stellen ein großes Potenzial für den Arbeitsmarkt dar.

Aktionsprogramm der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat im Jahr 2008 das Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ entwickelt und in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit umgesetzt. Im Zentrum des Programms steht ein so genanntes Lotsenportal, das alle für die Berufsrückkehr nötigen Informationen bereithält. Unter www.perspektive-wiedereinstieg.de können die Nutzerinnen einen persönlichen Wiedereinstiegscheck durchführen, der ihnen einen ersten Einstieg ins Thema ermöglichen soll. Er führt zu einer auf die individuelle Situation zugeschnittenen Sammlung von Artikeln, Tipps und Checklisten. Über eine interaktive Landkarte können Beratungsstellen vor Ort herausgesucht werden.

Ein weiteres Serviceangebot des Bundesfamilienministeriums ist der Wiedereinstiegsrechner. Der Rechner schätzt anhand von persönlichen Angaben wie Alter, Berufserfahrung, Anzahl der Kinder und Familienstatus das voraussichtliche Gehalt und den Rentenanspruch.

Hessisches Netzwerk

Frauen in Hessen können sich an das Netzwerk Wiedereinstieg (www.new-hessen.de) wenden. Das vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration und der Europäischen Union geförderte Projekt verfügt dank seiner Netzwerkpartner und Unterstützer über eine große Palette von Angeboten: Sie reichen von individueller Beratung, Coaching und Mentoring über zielorientierte fachliche Weiterbildung bis hin zu Betriebspraktika, Stellenvermittlung oder Begleitung bei der Existenzgründung.

Für hessische Unternehmen ist das Netzwerk ein kompetenter Ansprechpartner, wenn sie Informationen zu Themen wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie, flexible Arbeitszeiten oder berufliche Integration von Migrantinnen suchen.

Arbeitgeber müssen mitdenken

Tatsächlich haben viele Arbeitgeber noch Beratungs- und Handlungsbedarf, um den beruflichen Wiedereinstieg für alle Seiten zu einem Erfolg zu machen. Wie eine von der hessenstiftung beauftragte und vom Allensbach-Institut durchgeführte Umfrage 2007 ermittelt hat, führt die Berufsrückkehr für die meisten Mütter zu einschneidenden beruflichen Veränderungen. Lediglich 16 Prozent der Rückkehrerinnen arbeiten nach dem Wiedereinstieg genauso wie vor der Geburt ihres Kindes, das heißt: beim früheren Arbeitgeber, auf derselben Stelle, mit denselben Arbeitszeiten und denselben inhaltlichen Schwerpunkten.

Dabei wird die Reduzierung der Arbeitszeit von den Müttern durchaus angestrebt; die Rückkehr in den Beruf bedeutet für sie nicht, den Job in den Mittelpunkt des Lebens zu stellen. Ihr Ziel ist meist eine zufriedenstellende Balance von Beruf und Familie, bei der genug Zeit für die Kinder, den Lebenspartner und den Haushalt bleibt.

Oft richten sich die Verfügbarkeitsanforderungen des Arbeitsgebers jedoch nicht nach dem verringerten Stundensoll der Wiedereinsteigerin. Damit besteht die Gefahr, dass der Wiedereinstieg schnell zu einem Wiederausstieg wird. Dass es anders geht, zeigt das Unternehmensprogramm „Erfolgsfaktor Familie“ mit seinen „Guten Beispielen" für flexible und familienfreundliche Arbeitszeitgestaltung.

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