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FamilienMagazin

17.
Dezember
2015

Beruf und Pflege? Passt!

17. Dezember 2015

Beruf und Familie vereinbaren, das sagt sich so leicht. In Hessen wird einiges dafür getan, dass Arbeitnehmer sich besser um Familiendinge kümmern können. Zum Beispiel, wenn sie Angehörige pflegen. Der „Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ haben sich bereits zahlreiche Arbeitgeber angeschlossen. Im Dezember sind die Hessische Landesregierung und der Hessische Landtag der Charta beigetreten. Die Landesbehörden bekennen sich damit zu einer freiwilligen Selbstverpflichtung, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu unterstützen. Worum geht es bei der Charta und wie profitieren Arbeitgeber wie auch Mitarbeiter von ihr?

Dauerthema Pflege, denkt Helena Z. sich. Darüber wird ja zur Zeit sehr viel geredet. Sie faltet die Zeitung zusammen und steigt aus der Bahn. Eine kalte Winterbrise weht ihr durchs Haar. Wiesbaden im Dezember. Auf den letzten Metern zur Arbeit holt sie sich wie immer einen Cappuccino. „Kaffee Togo“ nennt ihre Mutter den. Wie Menschen mit Mitte 70 eben so reden. Alt ist sie ja geworden, die Gute. Aber längst kein Pflegefall. Nur wie wird das in fünf oder zehn Jahren aussehen? Helena nippt an ihrem Kaffee. Vielleicht ganz gut, dass es jetzt diese neuen Modelle gibt, wie man Arbeit und Pflege von Familienangehörigen besser in den Griff bekommen kann. Jetzt muss sie aber erst mal ins Büro, ihre Arbeit wartet.

Selbstverpflichtung zu mehr Familienfreundlichkeit

Helena Z. und viele weitere Kolleginnen und Kollegen im hessischen Staatsdienst profitieren in Zukunft von einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Deutliches Signal hierfür ist die Charta, die den beteiligten Institutionen im Dezember überreicht worden ist. Verliehen wird sie von der hessischen Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren“. Hinter ihr stehen das Hessische Ministerium für Soziales und Integration, die AOK Hessen, die berufundfamilie gGmbH und das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft unter dem Dach der Seniorenpolitischen Initiative Hessen.

Bislang haben rund 86 Unternehmen und Organisationen in Hessen die Charta der Initiative unterzeichnet. Mit dem Beitritt der Hessischen Ministerien und des Hessischen Landtags hat sich die Zahl auf insgesamt 95 Mitglieder erhöht. Sie bekennen sich damit zur Würdigung der Pflegearbeit von Beschäftigten. Zugleich verpflichten sie sich, eine entsprechende Organisationskultur zu fördern, Lösungen für pflegende Beschäftigte zu entwickeln und den internen und externen Dialog voranzutreiben. Den Anforderungen von Arbeitgebern wie auch den Bedürfnissen der Pflegenden soll Rechnung getragen werden.

Eine Initiative für Arbeitgeber, die vorausdenken

Warum lohnt sich dieses Engagement für beide Seiten? In Zukunft werden mehr und mehr Beschäftigte beides meistern müssen, ihren Job und die Pflege von Angehörigen. Bereits heute gibt es rund 2,6 Mio. Pflegebedürftige in Deutschland. Bis 2030 wird diese Zahl auf geschätzt 3,4 Mio. ansteigen. Das heißt auch: Immer mehr Erwerbstätige werden gefordert sein, Beruf und Pflege unter einen Hut zu bringen. Die Mehrzahl der pflegenden Angehörigen ist nämlich erwerbstätig.

In den meisten Fällen ist die Unterstützung durch die Arbeitgeber aber verbesserungswürdig. Den Unternehmen fehlt das Know-how, sie scheuen den organisatorischen Aufwand und die möglichen Kosten. Die hessische Charta-Initiative will dies ändern und den Arbeitgebern helfen, pragmatisch und effizient ihre Beschäftigten zu unterstützen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Arbeitgeber profitieren durch zufriedenere Mitarbeiter und eine engere Bindung an das Unternehmen. Wer in Zukunft motivierte Beschäftige finden und halten will, ist also gut beraten, sich in Sachen Beruf und Pflege klar zu positionieren.

Das Land zeigt Flagge für bessere Pflege

Nicht nur für Unternehmen, auch für Behörden und andere öffentliche Arbeitgeber ist die Initiative attraktiv. Das Land Hessen geht hier mit gutem Beispiel voran und folgende hessische Landesbehörden haben die „Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ Mitte Dezember unterzeichnet:

  • Hessischer Landtag
  • Hessische Staatskanzlei
  • Ministerium des Innern und für Sport
  • Ministerium der Finanzen
  • Ministerium der Justiz
  • Kultusministerium
  • Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
  • Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
  • Ministerium für Wissenschaft und Kunst

2016 werden weitere Unternehmen und Organisationen der Charta beitreten.

Charta Beruf und Pflege 2015

 

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