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FamilienMagazin

17.
März
2015

Christen feiern Ostern - was feiern die anderen

17. März 2015

Anna-Lina steht auf dem Schulhof, in der Hand einen Schokoriegel. Sie hat keine Lust mehr auf Fasten. Seit heute morgen schon verzichtet sie auf Süßigkeiten. Total konsequent. Das sollte doch wohl reichen? Ihre Eltern trinken ein paar Wochen lang keinen Alkohol und essen kein Fleisch. Ihre Mutter findet das gut. Da nimmt dein Vater ein paar Kilo ab, sagt sie. Anna-Lina will gerade die Verpackung aufreissen, da kommt Bülent auf sie zu. „Deine Familie fastet, hab ich gehört? Ist ja wie bei uns im Ramadan.“Er grinst breit. Schnell lässt sie den Schokoriegel in der Jackentasche verschwinden. Bald ist ja Ostern.

Die Osterzeit ist für viele Menschen mit bestimmten Ritualen verbunden. Selbst wer als Christ nicht regelmäßig in die Kirche geht, nimmt sich vielleicht in der vierzigtägigen Fastenzeit vor, auf ein oder mehrere Genussmittel zu verzichten. Hier treffen Tradition und das neuzeitliche Bedürfnis nach bewusster Lebensweise aufeinander. Osterdekorationen sind ebenfalls beliebt. Ein paar Zweige, daran bemalte Eier aus Holz oder sogar mit echter Schale, und schon freut man sich noch mehr auf dieses große Frühjahrsfest. Ostern selbst begehen viele Christen gerne als Familienfest, ähnlich wie Weihnachten. Man trifft Verwandte und Freunde, tauscht sich aus, genießt die ersten schönen Tage des Jahres zusammen.

Muslime fasten an Ramadan

Der Gedanke des Fastens ist in vielen Religionen von Bedeutung. Am intensivsten gelebt wird er im Islam. Fasten gilt Muslimen als eine Form des Gottesdiensts. Rund um die Welt begehen sie jährlich den Fastenmonat Ramadan. In der Zeit von Beginn der Morgendämmerung bis Sonnenuntergang essen und trinken sie nichts. Jeder Erwachsene und gesunde Gläubige ist aufgefordert, sich an die Fastenpflicht zu halten. Kinder „erlernen“das Fasten nach und nach, sie verzichten anfangs nur wenige Stunden täglich auf Nahrung. Nicht fasten müssen Kranke, alte Menschen und schwangere oder stillende Frauen.

Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender. Jedes Jahr rückt der Termin um ein paar Tage nach vorne. 2015 findet der Ramadan vom 18. Juni bis 16. Juli statt, 2016 vom 6. Juni bis 4. Juli. Mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens, im Türkischen als Zuckerfest bekannt, endet er jeweils. Gefeiert wird mit Verwandten, Freunden, Nachbarn.

Für Juden ist Jom Kippur ein Fasttag

Im Judentum ist Jom Kippur der höchste Feiertag und traditionell ein Tag des Fastens. 25 Stunden lang wird gefastet, von kurz vor Sonnenuntergang des Vortags bis zum nächsten Sonnenuntergang. Weder flüssige noch feste Nahrung sind erlaubt. Jom Kippur bedeutet „Tag der Sühne“und stellt den Höhepunkt der zehn Tage der Reue und Umkehr dar, die mit dem Neujahrsfest Rosch ha-Schana beginnen. 

Gefeiert wird Jom Kippur im ersten Monat des bürgerlichen jüdischen Kalenders, das heißt im September oder Oktober, zum Beispiel dieses Jahr am 23. September. In Israel steht dann das öffentliche Leben still. Restaurants, Kinos, Geschäfte sind geschlossen, kaum jemand fährt mit dem Auto, Radio und TV senden nicht. Die meisten Juden weltweit begehen Jom Kippur im Kreise der Familie und Gemeinde.

Dialog bringt uns weiter

Und warum fastet ihr? Mit dieser Frage kann man den Dialog mit Andersgläubigen anstoßen. Ob Christ, Jude, Muslim, Buddhist oder Bahai. Dies sind nur fünf von zahlreichen Glaubensrichtungen, die in Hessen und ganz Deutschland vertreten sind. Miteinander reden, Gemeinsamkeiten erkennen, sich besser verstehen lernen – gute Wege, um Vorurteile auf allen Seiten abzubauen.

Wer feiert was wann?

In einigen Familien gibt es Angehörige mehrerer Religionen. Für sie, aber auch für alle anderen Interessierten, erscheint der Interkulturelle Kalender des Verbands binationaler Familien und Partnerschaften Bonn. Er zeigt ausgewählte religiöse, kulturelle und nationale Fest- und Feiertage im Überblick.

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