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Familie mit Kindern auf der Couch

FamilienMagazin

16.
Februar
2015

Das Baby verstehen, schon vor der Geburt

16. Februar 2015

Rieke strahlt über beide Backen, als sie auf die Straße tritt. Vorhin hat sie sich noch schlapp gefühlt. Schlecht geschlafen, früh raus, Stress bei der Arbeit. Oder hat es mit der Schwangerschaft zu tun? Doch es hat sich wieder einmal gelohnt. Allein wegen ihr. Ihrer kleinen Tochter. Gespielt haben sie zusammen, sind über eine Sommerwiese gelaufen, immer den bunten Schmetterlingen hinterher. Zum Abschied nahm ihre Kleine ihre Hand und streichelte sie. Mach dir keine Sorgen, Mama. Alles wird gut sein, wenn ich geboren werde. Rieke atmet tief die Abendluft ein und macht sich auf den Nachhauseweg. 

Von Glücksgefühlen berichten viele werdende Mütter, die eine Mutter-Kind-Bindungsanalyse absolvieren. Wie muss man sich diese Schwangerschaftsbegleitung vorstellen? Im Kern geht es darum, dass die Schwangere mit ihrem Ungeborenen in Kontakt tritt. Ziel ist es, das Baby besser zu verstehen und eine tiefe Beziehung zu etablieren, die über die Geburt hinaus Bestand hat. Die Analyse selbst findet im Rahmen von ein bis zwei wöchentlichen Terminen während der Schwangerschaft statt. Spätestens ab der 25. Schwangerschaftswoche sollte die Analyse beginnen. Am Anfang stehen mindestens zwei Kennenlerntermine, danach starten die Babystunden – so nennt man die Sitzungen, in denen die werdende Mutter unter Anleitung einer speziell ausgebildeten Expertin oder eines Experten lernt, mit ihrem Kind zu kommunizieren.

Einzigartiger Dialog zwischen Mutter und Kind

Die Schwangere liegt während der Babystunde, ganz entspannt und doch hoch konzentriert. Denn es gilt einen Zustand zu erreichen, der ähnlich einer Meditation ist. Welche Signale sendet das Baby aus? Welche inneren Bilder entstehen plötzlich? Die Vorstellung von einem „inneren Bildschirm“ trifft es recht gut: Auf ihm erscheinen die Gefühle, Bilder, Gedanken und Fantasien von Mutter und Kind. Beide haben Zugriff auf diesen Bildschirm, können sich über ihn austauschen. So bildet sich eine „seelische Nabelschnur“, die einen tiefen Dialog ermöglicht.

Teilnehmerinnen berichten von den positiven Effekten auf Schwangerschaft, Geburt und die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes. Grundsätzlich ist die Bindungsanalyse für alle werdenden Mütter geeignet. Vor allem für solche, die bei vorherigen Schwangerschaften Probleme hatten. Mütter, die eine Bindungsanalyse durchlaufen haben, haben weniger Ängste bei der Geburt und leiden in geringerem Maße an Geburtstraumata. Auch Kaiserschnitte und Frühgeburten sind bei ihnen seltener. Zu diesen Ergebnissen kommt Jenö Raffai, ein ungarischer Psychotherapeut, der in den 90er Jahren die Bindungsanalyse begründete.

Grundlage für eine glückliche Entwicklung

Besonders vorteilhaft wirkt sich die Analyse auf das spätere Verhältnis von Mutter und Kind bzw. Eltern und Kind aus. Die pränatale Psychologie, wie sie von Jenö Raffai oder dem deutschen Psychotherapeuten Ludwig Janus vertreten wird, sieht in der Qualität der vorgeburtlichen Beziehung einen elementaren Faktor für die Entwicklung des Kindes. Nicht jede Schwangere mag sich auf die Bindungsanalyse einlassen wollen. Skeptische, die dennoch neugierig sind, können sich unverbindlich beraten lassen und mit Müttern sprechen, die Erfahrungen mit dieser Form der Schwangerschaftsbegleitung gesammelt haben.

Ansprechpartner in der Nähe finden

Eine Liste mit Experten für Bindungsanalyse (Ärzte, Therapeuten) aus ganz Deutschland gibt es auf der Info-Website Bindungsanalyse.

 

Was sagt die Wissenschaft?

Wer sich intensiver für das Thema pränatale Psychologie und den wissenschaftlichen Hintergrund der Mutter-Kind-Bindungsanalyse interessiert, findet weitere Informationen auf der Website der ISPMM (Internationale Gesellschaft für Prä-und Perinatale Psychologie und Medizin e.V.). 

 

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