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Familie mit Kindern auf der Couch

FamilienMagazin

16.
April
2015

Entspannt in den Altersunruhestand

16. April 2015

Nur noch im Garten stehen und den Tulpen beim Wachsen zugucken, das wäre nichts für Erika P. Viele Jahre lang leitete sie die Betriebskantine eines großen Versicherers. Stressig war es, oft hatte sie schlicht gesagt die Nase voll von Sparzwängen, Querelen mit Mitarbeitern und den nervigen Arbeitszeiten. Aber schön war es trotzdem. Wenn nur ihr Herz mitgespielt hätte. „Kürzer treten, unbedingt“, meinte der Arzt. „Sie sind doch jetzt in dem Alter, wo das geht“. 64 ist ja kein Alter, dachte Erika. Ihr Motto: Rente kriegen ist fein, aber Ruhestand muss nicht sein. Zwei Jahre ist das nun her. Heute arbeitet sie immer noch. Sie führt eine Küche für Menschen, die eine warme Mahlzeit pro Tag gut gebrauchen können. Hier ist ihre Erfahrung gefragter denn je. 

So wie Erika P. stehen viele Menschen vor der Frage: Was tun, wenn ich ins Rentenalter komme? Früher war die Linie klar gezogen. Spätestens 65 Jahren war Schluss mit Arbeiten. Der „wohlverdiente Ruhestand“, wie man ihn gerne in Verabschiedungsreden nennt, war da. Heute sieht die Situation anders aus. Rente mit 67, Rente ab 63, Altersteilzeit, freiwilliges Arbeiten bis ins hohe Alter. Vieles ist möglich, umso größer die Verunsicherung bei vielen Betroffenen. Wer im Ruhestand bestens finanziell abgesichert sein wird, dank ausreichender Rentenhöhe und Vermögen, ist zumindest in dieser Hinsicht fein raus. Wessen Alterssicherung hingegen eher wacklig ist, dem bereitet der Gedanke, dass der Ruhestand naht und neue Herausforderungen mit sich bringt, vermutlich mehr Kopfschmerzen.

Die "Generation Übergang" will aktiv bleiben

Werfen wir einen Blick auf die Zahlen. In den nächsten 15 Jahren erreichen in Deutschland rund 20 Millionen Erwerbstätige das Rentenalter. Die Generation der Babyboomer tritt nach und nach aus dem Arbeitsleben ab. Viele von ihnen sind bestens ausgebildete Gutverdiener. Sie haben im Job ihren Mann und ihre Frau gestanden und sind an einem harten Schnitt –heute noch Arbeit, ab morgen Rente –in vielen Fällen gar nicht interessiert. Sie sind körperlich und geistig fitter als jede vorangegangene Rentnergeneration. Überhaupt diese Begriffe: Rentner, Ruheständler. Man denkt an beigefarbene Windjacken und betuliche Busausflüge mit Lamadeckenverkauf. Die Babyboomer sind jedoch eher in knallbunten Renntrikots und Wandersachen unterwegs. Und alles andere als an Ruhe interessiert.

Ein flexibler Übergang von der Erwerbsarbeit in den Ruhestand ist also wünschenswert. Für den Einzelnen wie auch gesellschaftlich und wirtschaftlich. Die gemeinnützige berufundfamilie gGmbH, eine Initiative der Hertie-Stiftung, beschäftigt sich unter dem Titel „Arbeit und Alter“mit den Herausforderungen der geburtenstarken Jahrgänge. Informelle Tätigkeiten wie zum Beispiel Familienarbeit oder ehrenamtliche Arbeit sind ihrer Meinung nach ein wichtiges Mittel, um diesen Übergang zu gestalten. Der Vorteil für den Einzelnen: Sie oder er kann sich weiterhin engagieren und Wertschätzung für die eigene Leistung erfahren. Der Vorteil für Gesellschaft und Wirtschaft: Unternehmen, soziale Organisationen und andere Institutionen profitieren vom Know-how und Engagement der „Generation Übergang“. 

Auch im Rahmen der Seniorenpolitischen Initiative unterstützt der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner ehrenamtliche Tätigkeiten. „Wir sehen es als eine ganz entscheidende Aufgabe an, Menschen zu ermutigen und zu motivieren, ehrenamtlich tätig zu werden, und diese aktiven Bürgerinnen und Bürger in ihrem Engagement zu unterstützen, zu fördern und sie für ihren Einsatz zu würdigen.“

Gut vorbereitet in den Ruhestand

Individuell kann man eine Menge tun, um sich auf die Übergangsphase vorzubereiten. Diese Fragen helfen weiter:

  • Ist Altersteilszeit eine sinnvolle Option?
  • Wie soll der Tagesablauf aussehen, wenn man in Rente ist?
  • Welche Hobbys könnten Erfüllung bringen?
  • Wo lassen sich neue soziale Kontakte knüpfen?
  • Welches Ehrenamt würde Freude machen?
  • Welcher Minijob könnte zum Budget beitragen? 

 

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