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FamilienMagazin

15.
Juli
2015

Kein normaler Nebenjob: Angehörige pflegen

15. Juli 2015

Der Deutsche Wetterdienst DWD hat es getan. Die Hess-Natur Textilien GmbH und die Taunus Sparkasse auch. Und ebenfalls die Zweigniederlassung Mitte von REWE mit über 22.000 Mitarbeitern und das sind nur Beispiele einer großen Anzahl von Unternehmen, die sich der Verantwortung stellen, pflegende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu unterstützen. Bald werden esüber 80 Unternehmen sein, die die Charta von „Beruf und Pflege vereinbaren – Die Hessische Initiative“ unterzeichnet haben. Mit ihrer Unterschrift erklären sie sich bereit, Beschäftigte mit pflegebedürftigen Angehörigen zu würdigen und zu unterstützen. Durch eine entsprechende Organisationskultur und weitere Lösungen, die den Betroffenen in ihrem Arbeitsumfeld helfen. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten, kurzfristige Freistellung bzw. kurzfristigen Sonderurlaub, eine pflegeerleichternde Arbeitsorganisation, die Möglichkeit zum Arbeiten von zuhause und vieles mehr.

Eine Initiative für Arbeitgeber und Beschäftigte

Gegründet wurde die Initiative vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, der AOK Hessen, der berufundfamilie gGmbH und dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft unter dem Dach der Seniorenpolitischen Initiative Hessen. Gestartet war man in 2013 mit 11 Erstunterzeichnern. Was macht die Initiative konkret? Sie klärt Arbeitgeber über mögliche Angebote für ihre Mitarbeiter auf, stellt Beispiele aus der Praxis vor und bietet Unterstützungsmaßnahmen an. Sie will ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wertvoll die Pflegearbeit der Beschäftigten ist. Und sie zeigt den Unternehmen auf, wie sie durch eine Unterstützung ihrer Mitarbeiter profitieren können. Der Krankenstand sinkt, die Beschäftigten sind konzentrierter bei der Sache und fühlen sich dem Unternehmen verbundener, das Image als sozial verantwortlich handelnder Arbeitgeber wird gestärkt – ein echter Wettbewerbsvorteil.  

Zielgruppe der Initiative sind vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen in Hessen. Bei ihnen wirken sich Ausfälle von Fachkräften besonders negativ aus. Zu den Angeboten zählen Informationsveranstaltungen für Arbeitgeber, Kompetenztrainings für Mitarbeiter, die Angehörige pflegen oder sich darauf vorbereiten, sowie Qualifizierungsmaßnahmen für Ansprechpartner im Unternehmen, so genannte Pflege-Guides. Bundesweit ist die Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren“ einmalig. Das Land Hessen geht bei diesem wichtigen Thema mit gutem Beispiel voran. 

Pflege ist meist Familiensache

Rund 200.000 Hessen sind auf Pflege angewiesen. Die meisten von ihnen, ca. 150.000, werden von Angehörigen betreut (Statistisches Bundesamt, Stand 2011). Mehr als die Hälfte der pflegenden Angehörigen ist erwerbstätig. In den kommenden  Jahren werden diese Zahlen ansteigen. Für 2030 rechnet man in Hessen mit rund 270.000 Pflegebedürftigen. Das führt vor Augen, wie dringend es ist, sich für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu engagieren.

Mit der Familienpflegezeit trat 2012 ein wichtiges Gesetz für pflegende Angehörige in Kraft: Arbeitnehmer können ihre Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren, wenn sie einen Angehörigen pflegen. Und das über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren. Zum 1. Januar 2015 wurde das Gesetz noch einmal erweitert. Unter anderem können Beschäftigte jetzt bis zu zehn Tage ohne Ankündigung der Arbeit fernbleiben, wenn es eine akute Pflegesituation gibt. 

Infos für pflegende Angehörige

Ein Anlaufpunkt für alle, die sich über das Thema Pflege informieren wollen, ist das Webportal „Pflege in Hessen“, hinter dem das Hessische Ministerium für Soziales und Integration steht. Als Downloads gibt es hier zum Beispiel zwei ausführliche Broschüren. Zum einen die Broschüre „Pflegebedürftig – was ist zu tun?“ mit Schwerpunkt auf den hessischen Pflegeangeboten. Zum anderen den „Ratgeber zur Pflege“ des Bundesministeriums für Gesundheit mit allen Neuregelungen ab Januar 2015.

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