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FamilienMagazin

18.
November
2015

Vorsorgen für den Fall der Fälle

18. November 2015

Von einer Patientenverfügung hat Dietmar F. natürlich schon gehört. Seine Eltern haben die seit Jahren in der Schublade liegen. „Wenn es so weit ist, ist alles geregelt“, sagt sein Vater bei Familientreffen gerne, wenn er den Braten anschneidet. Dietmar rollt dann immer die Augen. Neulich meinte aber einer seiner Kollegen, er hätte auch so eine Verfügung aufgesetzt. Meine Güte, dachte Dietmar sich, wer grübelt mit Ende 30 schon über Krankheit und Siechtum nach? Bis er heute die Nachricht bekam, dass eine alte Bekannte einen Autounfall hatte und jetzt im Koma liegt. Was wäre, wenn ihm so etwas passiert?

Genau wie Dietmar sollte man nicht erst als Rentner, sondern bereits in jüngeren Jahren über eine Vorsorge nachdenken. Für den Fall, dass man plötzlich nach einem Unfall nicht mehr über die eigenen Angelegenheiten entscheiden kann, zeitweise oder sogar dauerhaft. Oder für den Fall, dass eine fortschreitende Krankheit dazu zwingt, einer Vertrauensperson die Vollmacht zu übertragen.

Hier eine Übersicht über die wichtigsten rechtlichen Vorsorgemöglichkeiten:

Vorsorgevollmacht

Benannt wird eine Person des Vertrauens, die im Ernstfall die Vollmacht erhält. Auch auf mehrere Personen kann diese übertragen werden. Man legt praktisch die persönlichen Geschicke in die Hand dieser Vertrauensperson. Selbstverständlich sollte man mit der oder dem gewünschten Bevollmächtigten zuvor geredet und sie oder ihn in die Abfassung der Vollmacht einbezogen haben. Enge Verwandte und Freunde bieten sich als Bevollmächtigte an.

Betreuungsverfügung

Was geschieht, wenn man entscheidungsunfähig wird und keine Vorsorgevollmacht erteilt hat? Dann bestimmt das Betreuungsgericht eine gesetzliche Vertretung. Mit einer Betreuungsverfügung kann man festlegen, wer vom Gericht als Betreuerin oder Betreuer beauftragt wird. Ebenso hat man die Option, bestimmte Personen von der Auswahl auszuschließen. 

Patientenverfügung

Hier geht es um die medizinische Behandlung in Situationen, in denen man darüber nicht mehr eigenständig entscheiden kann. Das kann im Alter sein, im Falle einer Demenz oder ähnlichen Krankheit. Aber auch nach einem schweren Unfall, wie er täglich passieren kann. Diese Verfügung empfiehlt sich besonders für Menschen, die ihre Vorstellungen von einem würdevollen Sterben berücksichtigt wissen wollen.

Das Thema rechtliche Betreuung gewinnt angesichts des demografischen Wandels an Gewicht. Fast 100.000 hessische Bürger haben aktuell eine rechtliche Betreuerin oder einen rechtlichen Betreuer, unter ihnen viele ältere Menschen. Aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung richtet das Betreuungsgericht dann eine rechtliche Betreuung ein, wenn keine anderen Unterstützungsmöglichkeiten vorhanden sind. Teilweise oder vollständig erledigt ihre Betreuerin oder ihr Betreuer alle vom Gericht festgelegten rechtlichen Angelegenheiten für sie. 

Beratung ist der erste Schritt

Kurz googeln, Dokument downloaden und ausfüllen – so einfach ist es leider nicht. Wer rechtlich und inhaltlich einwandfreie Vorsorgedokumente möchte, sollte den Rat von Experten suchen. In Hessen bieten die kommunalen Betreuungsbehörden und zahlreiche Betreuungsvereine  ihre Hilfe unentgeltlich an. Auch ärztlicher Rat sowie ein Gespräch mit einem Anwalt oder einem Notar kann sinnvoll sein. Es kostet also oftmals nur etwas Zeit, eine solide Vorsorge für den Ernstfall zu treffen. Ein Aufwand, der sich lohnt.

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