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Familie mit Kindern auf der Couch

FamilienMagazin

20.
Januar
2015

Wir bleiben eine Familie - trotz Trennung

20. Januar 2015

Annette Habert ließ dieser eine Wunsch keine Ruhe. Die Religionspädagogin hatte Wünsche ihrer Schüler gesammelt und versprochen, mindestens einen von ihnen zu erfüllen. Ein Kind schrieb ihr: „Mein Papa wohnt am Bodensee. Er besucht mich jedes Wochenende. Aber das geht nur im Sommer, da kann er ja im Auto schlafen. Kannst Du da was ändern?“ Sie wollte etwas ändern –und gründete 2008 die Initiative „Mein Papa kommt“, die dafür sorgt, dass Eltern ihre getrennt von ihnen lebenden Kinder unter bequemeren Umständen sehen können.

Heute ist das Besuchsprogramm „Mein Papa kommt“das Herzstück des Angebots der gemeinnützigen Flechtwerk 2+1 gGmbH. Väter und Mütter, die am Programm teilnehmen, übernachten kostenlos ein bis zwei Nächte bei ehrenamtlichen Gastgebern in der Stadt, in der ihr Kind jetzt lebt. Sie sparen Unterbringungskosten und können ihren Nachwuchs häufiger sehen.

Erklärte Ziele sind: Die Eltern-Kind-Beziehung und damit die Familienbande zu stärken sowie die betroffenen Familien organisatorisch und finanziell zu entlasten. Die Besuchsschwelle wie auch das Armutsrisiko sollen dadurch sinken.

Doch nicht nur um Übernachtungsmöglichkeiten kümmern sich Annette Habert und ihr kleines Team. Sie bieten auch weitere Angebote für Eltern und Kinder aus so genannten Distanzfamilien an:

Das „Kinderzimmer auf Zeit“ist ein Raum, in dem sich das Kind und der Elternteil in einer geschützten Umgebung begegnen können. Besuchenden Eltern gibt dies die Möglichkeit, mit ihren Kindern zu spielen, zu kuscheln oder den Geburtstag zu feiern. Eben ganz so wie sie im eigenen Zuhause die Zeit mit ihrem Kind verbringen würden. „Kinderzimmer auf Zeit“werden von Institutionen in der besuchten Stadt zur Verfügung gestellt. Die Räume sind kindgerecht ausgestattet, unter anderem mit pädagogisch wertvollem Spielmaterial.

Weiterhin bietet Flechtwerk 2+1 ein individuelles Elterncoaching an. Eltern erhalten praktische Hilfen und Tipps, wie sie die Begegnung mit ihrem Kind am Besuchsort gestalten und ihre elterlichen Aufgaben trotz großer Entfernungen meistern können.

Einer der Hauptförderer von Flechtwerk 2+1 ist seit 2014 die hessenstiftung –familie hat zukunft. Für beide Organisationen spielt das Kindeswohl und der Wunsch des Kindes nach bleibendem Kontakt und Umgang mit den Eltern eine wichtige Rolle. Als „Hessenpate“von Flechtwerk 2+1 unterstützt die hessenstiftung –familie hat zukunft zwei hessische Elternhäuser und wirbt bei Jugendämtern und Familiengerichten für das Besuchsprogramm.

Bereits zwei Mal wurde die Arbeit von Flechtwerk 2+1 ausgezeichnet: 2012 gewann die Initiative den Deutschen Engagementpreis. Im Jahr zuvor wurde sie Bundessieger im Wettbewerb startsocial. Schirmherrin Angela Merkel überreichte den Preis persönlich.

Wie können Eltern das Besuchsprogramm nutzen?

Interessierte Väter oder Mütter können sich unverbindlich auf der Website von Flechtwerk 2+1 registrieren. Danach werden sie vom Team kontaktiert und über alle weiteren Schritte informiert. Erst bei Nutzung des Besuchsprogramms wird ein monatlicher Elternbeitrag von 12 Euro fällig.

Und wie wird man Gastgeber für besuchende Eltern?

Wer sich ehrenamtlich für Eltern und Kinder engagieren will, kann Gastgeber im Rahmen des Besuchsprogramms von Flechtwerk 2+1 werden. Voraussetzung ist natürlich, dass die eigene Wohnsituation es zulässt. Auf der Website von Flechtwerk 2+1 gibt es ein Anmeldeformular und alle wichtigen Informationen im Überblick. Nach der Registrierung setzt sich das Team mit den Interessenten in Verbindung, um alles Wesentliche zu klären.

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