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Mutter und Kind mit Bilderbuch

FamilienMagazin

27.
April
2016

Alleinerziehende – alles andere als allein gelassen

27. April 2016

Wenn das Leben nur so wäre wie im Film, denkt sich Lilli und hebt den Kinderwagen die Stufen vor der Haustür herunter. Da sieht man immer diese tollen alleinerziehenden Mütter oder Väter, gespielt von Til Schweiger oder Sandra Bullock. Bei denen spielt Geld keine Rolle, die ärgern sich mit ihrem Nachwuchs etwas herum, aber am Ende kriegen sie alles auf die Reihe. Wobei – so völlig anders ist das bei ihr auch nicht. Mal abgesehen vom Geld, aber das ist ja meistens knapp, wenn man Kinder hat. Ihre Älteste ist sieben und macht sich richtig gut in der Schule, so wie sie selbst damals. Und ihrem Jüngsten, dem bringt sie in ein paar Jahren bei, wie man Skateboard fährt. Für eine Filmstory reicht das wohl kaum, eine gute Geschichte ist es trotzdem. Mit schnellen Schritten schiebt sie den Kinderwagen Richtung Spielplatz. 

Alleinerziehende gibt es im realen Leben noch häufiger als im Film. Jede fünfte Familie mit minderjährigen Kindern in Deutschland hat nur einen Elternteil. Das sind rund 1,6 Mio. Familien (Stand 2012). Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielt gerade für sie eine enorme Rolle. Mehr als zwei Drittel der alleinerziehenden Eltern sind aktiv erwerbstätig. Ca. 42 Prozent von ihnen arbeiten in Vollzeit. Das Einkommen alleinerziehender Eltern reicht aber in vielen Fällen nicht aus. Rund 39 Prozent aller Haushalte von Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern sind auf Unterstützung durch die staatliche Grundsicherung angewiesen.

Kinder aufziehen ohne Partner – das will gut organisiert sein. Oftmals springen die Großeltern, andere Familienangehörige oder Freunde ein, wenn ein Kind krank wird und betreut werden muss. Alleinerziehende brauchen also ein Netzwerk, auf das Verlass ist. Auch andere Alleinerziehende sind eine Stütze. Hilfst du mir, helfe ich dir. Diese solidarische Formel bewährt sich im Alltag. Der Staat ist nichtsdestotrotz gefordert, Familien mit nur einem Elternteil zu unterstützen. Familie ist überall, wo Kinder sind, und Familien verdienen den besonderen Schutz des Staates, egal ob die Eltern ein Paar oder alleinerziehend sind. Bund wie auch Länder und Kommunen engagieren sich deshalb intensiver denn je – nicht zuletzt, weil in den vergangenen Jahrzehnten das Bewusstsein für die Leistung alleinerziehender Eltern enorm gewachsen ist. Mancher Film mag dazu beigetragen haben.

So werden Alleinerziehende finanziell unterstützt

Kindergeld, Elterngeld, Wohngeld – von diesen allgemeinen Leistungen profitieren auch Alleinerziehende. Eine besondere Leistung, um die Berufstätigkeit von Alleinerziehenden zu fördern und die finanzielle Situation der Familien zu verbessern, stellt der Entlastungsbetrag dar. Er beträgt aktuell 1908,00 Euro (für ein Kind) und wird steuerlich geltend gemacht. Pro weiterem Kind steigt er um 240 Euro.

Unterhaltsleistungen sind für viele Alleinerziehende ein weiterer wichtiger Einnahmeposten. Doch was tun, wenn der andere Elternteil seinen Verpflichtungen nicht oder nur unregelmäßig nachkommt? Der Unterhaltsvorschuss schafft hier Entlastung. Für Kinder von bis zu fünf Jahren beträgt er 145 Euro im Monat, für Kinder von sechs bis zu 11 Jahren liegt er bei 194 Euro monatlich. Gezahlt wird der Vorschuss für maximal 72 Monate. Wenn der andere Elternteil leistungsfähig ist, muss er den gezahlten Vorschuss erstatten. Ein Gerichtsurteil ist hierfür nicht notwendig. Informationen über staatliche Hilfen findet man unter anderem auf der Webseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSF).

Gemeinsam die eigene Sache vertreten

Bundesweit haben sich alleinerziehende Eltern organisiert. In Hessen gründeten sie bereits 1974 den Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV), der sich für die Rechte Alleinerziehender und ihrer Kinder stark macht. Daneben leisten regionale Vereine und Initiativen wertvolle Arbeit. Zum Beispiel das Frankfurter Alleinerziehenden Netzwerk (FAN), das seit 2015 besteht.

Vereinigungen wie der VAMV und FAN sind nicht nur gute Anlaufstellen für Ratsuchende, sie fördern auch den Austausch unter den Eltern: Sie erfahren, dass andere ganz ähnliche Sorgen und Probleme haben. Und sie lernen, wie man den Alltag als Alleinerziehender besser packen kann. Gemeinsam etwas unternehmen, sich einbringen und daraus Kraft schöpfen – unendlich wichtig für alle, die alleine ihre Frau oder ihren Mann stehen müssen.

Unterstützung durch Familienzentren

Auch Familienzentren, die seit 2011 mit einer Landesförderung unterstützt werden, helfen Familien und besonders Alleinerziehenden, die alltäglichen Herausforderungen zu meistern. Hier gibt es in einer gemütlichen Atmosphäre Angebote rund um den Familienalltag, die passende Bildung, Beratung und Unterstützung. Aber auch Möglichkeiten zum gegenseitigen Austausch, um Kontakte zu knüpfen oder neue Freundschaften zu schließen. Je nach Bedarf und vorhandenen Ressourcen bieten Familienzentren von der Kinderbetreuung, dem Krabbelcafé bis zum offenen Treff und dem Seniorenabend vielfältige Kurse und Angebote. Mittlerweile werden in Hessen bereits 129 Familienzentren gefördert, die gut über Hessen verteilt sind. Vielleicht findet sich auch ein Familienzentrum in Ihrer Nähe, denn in jedem Landkreis gibt es mindestens eine Einrichtung. 

Daneben bieten auch Mehrgenerationenhäuser, Mütterzentren und Familienbildungsstätten in Hessen eine breite Palette von Angeboten und Unterstützungen für Familien. 
Auch das Angebot der Kinderbetreuung unterstützt Alleinerziehende.

Förderung so früh wie möglich

Ein gutes Angebot in der Kinderbetreuung ist zur Unterstützung von Familien und insbesondere für Alleinerziehende von maßgeblicher Bedeutung. Jedes Kind in Hessen soll möglichst früh, möglichst optimal und nachhaltig gefördert werden. Das ist das erklärte Ziel der Hessischen Landesregierung. Die Bedeutung der frühen Bildung von Kindern und die Forderung einer „Bildung von Anfang an“ hat daher in Hessen seit Jahren hohe Priorität. Ziel der Landesregierung ist es, in Hessen eine passgenaue und zeitlich flexible Betreuungslandschaft für Kinder jedes Alters zur Verfügung zu stellen.

Die Förderung von Kindern in Kindertageseinrichtungen und in Kindertagespflege kann und soll Familie nicht ersetzen, sondern Eltern in ihrem Erziehungsauftrag unterstützen. Dabei setzt Hessen auf Vielfalt. Eltern sollen aus verschiedenen Angeboten wählen können. Daher hat das Land den bedarfsgerechten Ausbau der Kinderbetreuung sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht mit erheblichen Finanzmitteln vorangetrieben.  

Das Angebot an Kindertagesbetreuung in Hessen ist sehr gut. Die Betreuungsquote für Kinder im Alter von drei bis unter sechs Jahren beträgt 93,6%. Im U3- Bereich ist der Bedarf in einigen Regionen bereits gedeckt, auch wenn der weiterhin erforderliche Ausbau besonders in den Städten und Ballungsräumen nach wie vor eine Herausforderung darstellt. Die Betreuungsquote beträgt hier knapp 30%.

Kinderbetreuung Aufgabe der Kommunen

Kinderbetreuung ist eine kommunale Aufgabe. Die Kommunen stellen den Bedarf von Betreuungsplätzen fest und halten ein entsprechendes Angebot vor. Sie kooperieren mit freien Trägern der öffentlichen Jugendhilfe und stellen ein vielfältiges Angebot sicher. Das Land Hessen unterstützt die Kommunen bei der Erfüllung dieser Aufgabe mit Fördermitteln in Höhe von jährlich durchschnittlich 434,5 Mio. Euro.

Die Landesregierung trägt mit der Landesförderung für Kindertageseinrichtungen dazu bei, dass allen Kindern unabhängig von ihrer Herkunft und ihren sozialen Rahmenbedingungen gleiche Bildungschancen eingeräumt werden. Dazu werden zusätzlich zur Grundförderung besondere Pauschalen gewährt. 

Für Kitas, die auf der Grundlage des BEP arbeiten, wird eine sog. BEP-Qualitätspauschale gewährt. Rund 95 Prozent aller geförderten Kinder werden in Kindertageseinrichtungen betreut, die den Bildungs- und Erziehungsplan zur Grundlage ihrer pädagogischen Arbeit gemacht haben.  

Für Fachkräfte werden zudem seitens des Landes kostenlose Fortbildungen angeboten, z.B. zu Themen wie Inklusive Bildung, sprachliche Bildung, Bildungs- und Erziehungspartnerschaft etc.
Tageseinrichtungen, in denen der Anteil der Kinder, in deren Familien nicht vorrangig deutsch gesprochen wird oder für die das Jugendamt die Beiträge übernimmt, bei mindestens 22 Prozent liegt, können die sogenannten Schwerpunktkitapauschale erhalten. Diese Förderung an die Kitas wird flankiert durch eine gesonderte Landesförderung für die gezielte Fachberatung von sog. Schwerpunktkitas und für Kitas die nach dem BEP arbeiten.

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