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FamilienMagazin

20.
Mai
2016

Essen wegwerfen? Besser: Refood

20. Mai 2016

„Das kann man doch noch essen!“ Diese Aussage hört und liest man immer öfter. Lebensmittelverschwendung in unserer Gesellschaft prangern viele Menschen zu Recht an. Ob es nun Supermärkte oder Bäckereiketten sind, die abgelaufene oder ausgelistete Artikel entsorgen. Oder Privatpersonen, die noch genießbare Lebensmittel einfach wegwerfen. Die Refood-Bewegung nimmt solche Missstände ins Visier – und engagiert sich für einen vernünftigen und sozial gerechten Umgang mit Lebensmitteln. Hier einige eindrucksvolle Beispiele:

Die Tafeln

Die Tafeln sind sicher die bekannteste Refood-Initiative Deutschlands. Die Wiesbadener Tafel gründete sich 1999 und versorgt pro Woche rund 2.800 bedürftige Personen. Außerdem beliefert sie soziale Einrichtungen wie Frauenhaus und Übergangswohnheime. Bereits seit 1993 gibt es die erste deutsche Tafel in Berlin, inspiriert von einem New Yorker Vorbild. Die Idee: Lebensmittel, die Einzelhandel, Bäckereien, Gastronomiebetriebe und andere Betriebe nicht mehr benötigen, werden eingesammelt und an Bedürftige verteilt. Rund 900 Tafeln unterstützen mittlerweile deutschlandweit bis zu 1,5 Mio. Menschen. Über 60.000 Helfer engagieren sich ehrenamtlich. Viele Tafeln bieten auch warme Mahlzeiten an.

„Appetit auf Zukunft – besser essen in Hessen“

„Appetit auf Zukunft – besser essen in Hessen“ heißt die Ernährungsinitiative des Hessischen Verbraucherschutzministeriums. 
Die Wertschätzung von Lebensmitteln hat sich laut Statistik negativ entwickelt. Rund 82 Kilogramm Lebensmittel werden pro Bundesbürger jährlich vernichtet.
Um diesen Trend entgegenzuwirken hat das Hessische Verbraucherschutzministerium die Ernährungsinitiative ins Leben gerufen.
Wo und wie werden unsere Lebensmittel erzeugt? Wie werden sie verarbeitet? Welche Menge wird zum Verzehr tatsächlich benötigt? Bürgerinnen und Bürgern soll gezeigt werden, wie sie mit ihrem Kauf- und Ernährungsverhalten für mehr Nachhaltigkeit sorgen können.

Hessische Familienzentren

Die hessischen Familienzentren veranstalten ebenfalls Kurse in Sachen richtiger Umgang mit Lebensmitteln. Familienzentren gibt es überall in Hessen. Sie unterstützen und begleiten Familien und bieten für alle Generationen und für jede Lebensphase ein vielfältiges, wohnortnahes Angebot. Gefördert werden die Zentren vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration.

LandFrauen Hessen

Die LandFrauen Hessen machen sich für die Verbraucherbildung stark und sensibilisieren Kinder und Erwachsene unter anderem für eine gesunde Ernährung mit regional erzeugten Produkten. In diesem Zusammenhang liegt ihnen auch der verantwortungsvolle Umgang mit Lebensmitteln am Herzen. „Lebensmittel clever lagern – länger genießen“, so lautete ihr Thema auf der Messe Land und Genuss in Frankfurt. Regelmäßig steht die schlaue Verwertung von Lebensmittelresten im Zentrum von Verbraucheraktionen.

Foodsharing

Foodsharing ist eine junge Initiative, die international und besonders in den Großstädten aktiv ist –  natürlich auch in der Bankenmetropole Frankfurt. Die Idee: Lebensmittel teilen statt wegwerfen. So kann zum Beispiel jeder Foodsharer Lebensmittel, die er nicht mehr braucht, zu einer Sammelstelle bringen. An diesen öffentlichen „Fairteilern“ – in der Regel ist dies ein großer Kühlschrank plus Lagerregal – darf sich jedermann bedienen. Seit 2013 haben sich bereits mehr als 10.000 Unterstützer auf der deutschen Webseite registriert.

„Kein Essen für die Tonne“

„Kein Essen für die Tonne“ ist ein Aktionsprogramm des Frankfurter Vereins ShoutOutLoud, der sich ebenfalls seit 2013 gegen Lebensmittelverschwendung engagiert. Der Verein will Menschen eine Plattform bieten, um Ideen für eine fairere, gesündere und nachhaltigere Welt gemeinsam umzusetzen. Ganz praktisch geschieht das mit der Aufkleber-Aktion „Wir machen mit – Kein Essen für die Tonne“. Sie soll mehr Transparenz in das Ende der Lebensmittelkette zu bringen und helfen, das Bewusstsein von Lebensmittelhändlern und Kunden zu erhöhen. Daneben finden "Waste Watchers"-Kochaktionen mit geretteten Lebensmitteln statt.

„Kreative Resteküche“

„Kreative Resteküche“ ist ein Ratgeber der Verbraucherzentrale Hessen mit vielen Rezepten und Tipps rund um Einkaufsplanung, Vorratshaltung und einfache, leckere Resteverwertung. Erhältlich ist er in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale, oder man bestellt ihn über deren Webseite.

Dieser kurze Überblick zeigt: Refood ist im Kommen. Wer sich über Lebensmittelverschwendung ärgert, kann sofort loslegen und selbst etwas tun. Die braune Banane schmeckt besonders aroma-tisch, und für einen deftigen Auflauf ist die etwas schrumpelig gewordene Paprika noch allemal gut. Darüber hinaus kann sich jeder Bürger in seiner Gemeinde oder Stadt dafür stark machen, dass sozial Bedürftige mit Lebensmitteln unterstützt werden. Nicht nur die Tafeln, auch andere karitative Einrichtungen suchen ständig Ehrenamtliche, die beim Sammeln, Sortieren, Verteilen und Kochen helfen. Refood ist vernünftig und sozial.

Tipps für Lebensmittelretter

  • Den Einkauf gut planen: Was brauche ich wirklich? Sonderangebote verlocken zum Kauf von Übermengen. Besser nur kaufen, was man sofort verbrauchen oder gut lagern kann.
  • Zu viel gekocht? Am besten in Plastikdosen kühl lagern oder einfrieren. Oder einfach mal beim Nachbarn fragen, ob er oder sie Lust auf eine leckere Mahlzeit hat.
  • Die Tafeln und andere Refood-Initiativen freuen sich über Spenden und ehrenamtliche Helfer. Dran denken: Es werden nur hygienisch einwandfreie Lebensmittel akzeptiert, keine offenen Speisen wie zum Beispiel Reste vom Buffet.
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