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Mutter liest Kind aus Buch vor

FamilienMagazin

Mutter liest Kind aus Buch vor
27.
September
2016

Gute Vorleser (und Zuhörer) gesucht

27. September 2016

„Liest du mir was voo-hoor?“ Marta ahnt, dass diese Frage gleich kommen wird. So sicher wie das Amen in der Kirche. Oder passender: So sicher wie das Oooh! nach dem Buchzuklappen. Ihre Kleine kann nicht genug bekommen vom Vorlesen. Ein Bilderbuchkind, sagen Martas Freundinnen, die auch Kinder haben, aber nicht so vorlesewütige. Nur hat Marta nicht immer Lust aufs Vorlesen. Ausreden gäbe es so viele. Keine Zeit. Muss noch was arbeiten. Die Küche aufräumen. Das neue Regal zusammenschrauben. Nur hätte sie dann ein schlechtes Gewissen. „Ganz wie du damals, die Kleine.“ Das sagt Martas Vater immer, wenn er da ist. Er muss es ja wissen. Für heute Abend hat sie schon ein Buch rausgesucht. Sie wartet nur noch auf diese eine Frage.

Vorlesen beflügelt, verbindet und macht Lust auf Lesen

Die meisten Eltern lesen ihren Kindern regelmäßig vor. Sie kennen das Ritual der Gute-Nacht-Geschichte aus ihrer Kindheit, so wie Marta. Doch rund 30 Prozent der Mütter und Väter in Deutschland verzichten aufs Vorlesen. Schade, denn damit verpassen sie eine großartige Chance, die Fantasie ihrer Kinder zu beflügeln. Auch die verbindende Kraft, die aus lebendigem Erzählen und gespanntem Zuhören erwächst, bleibt ungenutzt.

Vor allem aber ist Vorlesen eine Art sanfte elterliche Werbeaktion fürs Lesen. Kinder, denen vorgelesen wird, kriegen Lust darauf, lesen zu lernen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie später einmal nicht nur zum Smartphone, sondern auch zu einem Buch greifen, ist höher. Ein weiterer starker Vorteil des Vorlesens: Neben der Lese- wird auch die Sprachkompetenz gefördert.

Am 18. November wird aus Deutschland ein Vorleseland

Leute, lest mehr vor, es macht Spaß und ist gut für alle. Das ist die ungeschriebene Botschaft des Bundesweiten Vorlesetags, der seit 2004 stattfindet. Am jeweils dritten Freitag im November verwandelt sich Deutschland in ein Vorleseland. Viele tausende von Vorlesern schwärmen aus und lesen in Schulen, Kindertagesstätten, Buchhandlungen und Bibliotheken vor. Auch an untypischeren Orten wie Tierparks, Museen oder Riesenrädern treten sie auf. Unter den rund 100.000 Vorlesern sind bekannte Politiker, Schauspieler und Autoren. Die meisten sind aber ganz normale Bürgerinnen und Bürger, die sich fürs Vorlesen begeistern.

Der Bundesweite Vorlesetag ist eine Initiative von DIE ZEIT, Stiftung Lesen und der Deutsche Bahn Stiftung. Auf der Webseite des Vorlesetags kann man sich als Vorleser anmelden oder einen Vorleseort finden. Alle geplanten Aktionen sind dort gespeichert und per Suchfunktion auffindbar.

Auch Hessen liest vor, und das mit Leidenschaft

Im Heimatland der Gebrüder Grimm hat Vorlesen natürlich einen besonderen Stellenwert. Auch wenn bei hessischen Kindern heute eher die Minions angesagt sind als die sieben Zwerge. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) engagiert sich seit vielen Jahren für das Thema Vorlesen. Seit 2001 initiiert und fördert es Projekte der Stiftung Lesen, in denen es um die Sprach- und Leseförderung für Kinder im Vorschulalter geht. Ebenfalls seit 2001 unterstützt es den Aufbau eines Netzwerks von „Vorlesepaten für Hessen“. Mittlerweile gibt es über 3.000 hessische Vorlesepaten, die ehrenamtlich auftreten. Sie lesen nicht nur Kindern, sondern auch älteren oder kranken Menschen vor. Auf der Webseite von „Netzwerk Vorlesen“ können sich Interessierte informieren, wie man Vorlesepate wird.

Weitere Projekte in den folgenden Jahren zielten auf die Sprach- und Leseförderung in Kindergarten und Grundschule wie zum Beispiel das Fortbildungsprojekt „DREIKLANG: Zuhören - Sprechen – (Vor)lesen“ für Fach- und Lehrkräfte. Zu den aktuellen geförderten Projekten zählen unter anderem das Modellprojekt „Qualifizierte Schulvorbereitung (QSV)“ für Kindertagesstätten oder „kicken & lesen in Hessen“ für Jungen aus lesefernen Familien – ein gemeinsames Projekt der hessenstiftung – familie hat zukunft und der FSV Frankfurt 1899.

Seit 2010 läuft die Aktion „Mein Papa liest vor!“. Die Stiftung Lesen und die hessenstiftung – familie hat zukunft starteten dieses Projekt zunächst in Hessen. Inzwischen gibt es bundesweit Partnerinitiativen. Zielgruppe sind berufstätige Väter (und Mütter!) mit Kindern bis zu zwölf Jahren. Teilnehmende Unternehmen erhalten über das Projekt jede Woche attraktiven Vorlesestoff, den sie ihren Mitarbeitern als Download übers Intranet bereitstellen können.

Übrigens geht die hessische Landesregierung am Bundesweiten Vorlesetag mit gutem Beispiel voran: Der Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner, und weitere Kabinettsmitglieder werden wie in den Jahren zuvor Kitas besuchen und dort vorlesen.

Jetzt aktiv werden und vorlesen!

Es gibt viele Gelegenheiten, Kindern und Erwachsenen vorzulesen und damit etwas Gutes zu tun. Beim Bundesweiten Vorlesetag, als Vorlesepate oder im eigenen Zuhause als privater Vorleser. Wer nach Vorleseideen für Kinder und Senioren sucht, wird zum Beispiel auf der Webseite vom „Netzwerk Vorlesen“ fündig.

Viel Spaß beim Geschichten entdecken und erzählen!

 

Bildnachweis: Yuganov Konstantin/shutterstock.com

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