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Familie mit Kindern auf der Couch

FamilienMagazin

17.
März
2016

Impfen ist für alle gut

17. März 2016

Ellen würde am liebsten umkehren und ihre Mutter zurück zum Bahnhof fahren. Die weiß nämlich wieder alles besser. „Masern hatte ich auch, sind nicht so schlimm. Da muss man durch.“ Ellen schüttelt den Kopf. „Damals gab es noch keine Impfung. Heute muss kein Kind mehr Masern bekommen.“ Ihre Mutter zieht die Augenbrauen hoch. „Du bist übervorsichtig. Habe ich neulich doch erst von gelesen: Helikoptereltern, so nennt man Leute wie dich. Immer um die Kinder herum, damit ja nichts passiert.“ Jetzt reicht es Ellen. „Und warum lässt du dich jedes Jahr gegen Grippe impfen?“ Ihre Mutter zuckt mit den Schultern. „Na, das ist ja keine Kinderkrankheit.“

Impfnutzen ist weit höher als das Risiko

Masern, Röteln, Mumps und andere so genannte Kinderkrankheiten werden immer noch unterschätzt. Hartnäckig halten sich Überzeugungen, dass eine „natürliche“ Immunisierung besser sei als eine Impfung. Impfstoffe könnten schlimme Nebenwirkungen haben, wird behauptet. Wie so oft tragen Quellen aus dem Internet zur Verunsicherung bei.

Das Risiko von Impfungen wird stark überzeichnet, zugleich werden die Risiken der jeweiligen Krankheit heruntergespielt. Beispiel Masern: Ungefähr bei einem von 1000 Kindern, die an Masern erkranken, entwickelt sich eine Gehirnentzündung (Enzephalitis). Eines von 1000 Kindern stirbt an Masern. In etwa 1 zu eine Million Fällen tritt eine Komplikation wie eine Gehirnentzündung auch nach einer Impfung auf.

Zum Glück zählen nur wenige Menschen zu diesen „Impfgegnern“. Die allermeisten Eltern kümmern sich darum, dass ihre Kinder den notwenigen Impfschutz erhalten. Eine allgemeine Impfpflicht gibt es in Deutschland nicht. Die Pflicht zur Pockenschutzimpfung wurde in den alten Bundesländern in den 80er Jahren abgeschafft, nachdem die Pocken als ausgerottet gelten konnten.

In den neuen Bundesländern gab es eine Impfpflicht für viele Infektionserkrankungen, die Impfpflicht entfiel jedoch 1990 mit der Vereinigung. Seitdem liegt es in den Händen jeder Bürgerin und jedes Bürgers, sich gegen Infektionskrankheiten zu schützen. Impfempfehlungen, an denen man sich orientieren kann, spricht die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut aus.

Richtig impfen von Kindheit an

Wichtig ist eine Grundimmunisierung, die meist im Kindesalter erfolgt. Durch Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Polio , Rotaviren, Keuchhusten, Hepatitis B, Hämophilus influenza, Masern, Mumps, Röteln und Varizellen sowie Meningokokken C. Auffrischimpfungen im Abstand von fünf bis zehn Jahren erhalten und stärken den Schutz. Je nach Infektionsrisiko bei der Arbeit (z.B. Medizinpersonal), durch Freizeitverhalten (z.B. FSME), und Reisetätigkeit empfehlen sich Impfungen gegen Krankheiten wie Hepatitis A Gelbfieber oder Cholera.

Impfen schützt nicht nur den Einzelnen, auch die Allgemeinheit profitiert durch den so genannten Kollektivschutz. Vor allem Menschen, die sich nicht impfen lassen können, kommt dieser zugute. Zu ihnen zählen Babys, die für Impfungen in der Regel zu jung sind, sowie Menschen, für die eine Impfung z.B. aufgrund einer Schädigung des Immunsystems nicht in Frage kommt.

Hessischer Pakt für die Gesundheit

Ansprechpartner in Sachen Impfung ist der Hausarzt. Nicht vergessen: Impfpass zum Beratungstermin mitnehmen! Übrigens gibt es mit Blick auf die Ärzteversorgung gute Nachrichten: Der Hessische Gesundheitspakt 2.0 trägt zur Sicherung der medizinischen Versorgung bei. Bereits mit dem ersten Pakt, der von 2011 bis 2014 lief, wurden unter anderem Maßnahmen gegen den drohenden Ärztemangel auf dem Land ergriffen.

Nun stehen weitere Lösungen mit im Fokus: Ausbau von eHealth und Telemedizin, zukunftsfeste Gestaltung der Pflege, sicherer Zugang zum Gesundheits- und Pflegesystem für Menschen mit Behinderung.

Der Hessische Minister für Soziales und Integration Stefan Grüttner brachte für den Gesundheitspakt die Ärztekammer Hessen, Krankenkassen, Universitäten und kommunale Spitzenverbände an einen Tisch. Die Laufzeit reicht von 2015 bis 2018.

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