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Plötzlich Pflegefall – was nun?

FamilienMagazin

Plötzlich Pflegefall – was nun?
20.
Dezember
2016

Plötzlich Pflegefall – was nun?

20. Dezember 2016

Die nette alte Dame von nebenan. Der eigene Vater. Oder man selbst. Jeden kann es treffen. Und je älter wir werden, umso wahrscheinlicher kommt er: der Zeitpunkt, an dem ein Mensch Pflege braucht. Angehörige und Ehepartner haben sich meist schon vorher Gedanken gemacht, aber nun wird es konkret.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen, die sich Betroffene und Angehörige im Hinblick auf die erforderlichen Schritte und die richtige Vorsorge stellen. Außerdem informieren wir beruflich Interessierte über Wege in den Pflegeberuf.

Ein erster Überblick: Wo gibt es eine gute Beratung?

Erste Anlaufstellen sind die Pflegestützpunkte, die Pflegekassen, Seniorenberatungsstellen kommunale Beratungsstellen, die Sozialdienste der Krankenhäuser und ehrenamtliche Vereine. Sie alle informieren über Angebote und vermitteln notwendige Hilfen. Einen guten Überblick über diese Beratungsangebote, über die verschiedenen Pflegestufen und alles Weitere in Sachen Pflege liefert die Broschüre „Pflegebedürftig – was ist zu tun?“, die auf der Webseite des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration (HMSI) als Download erhältlich ist: https://soziales.hessen.de/familie-soziales/senioren/pflege/pflegebeduer...

Weitere Informationen gibt es auch im Internetportal www.pflege-in-hessen.de. Hier finden Betroffene und Angehörige Hilfestellungen zu Beratungsangeboten, gesetzlichen und finanziellen Regelungen.

Das Regierungspräsidium Gießen als oberste Aufsichtsbehörde und die sechs Hessischen Ämter für Versorgung und Soziales sind für die hessische Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen zuständig. Auch sie sind direkter Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger.

Projekte des Landes Hessen

Die Hessische Landesregierung fördert gemeinsam mit den Pflegekassen Modellvorhaben, die neue Versorgungskonzepte und –strukturen insbesondere für demenzkranke pflegebedürftige Menschen erproben. Die Maßnahmen haben dabei auch die Unterstützung von pflegenden Angehörigen im Blick. 

Beratung über altersgerechte Wohnformen sowie Schulungen von Wohnberaterinnen und Wohnberatern bietet die vom HMSI geförderte Hessische Fachstelle für Wohnberatung. In Hessen sind ca. 320 haupt- und ehrenamtliche Wohnberaterinnen und –berater im Einsatz. Sie informieren zu Möglichkeiten einer altersgerechten Einrichtung, zu technischen Fragen und zu finanziellen Fördermöglichkeiten. Mehr Informationen hierzu gibt es unter www.sozialnetz.de/wohnberatungsstellen

Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Am 6. September 2016 fand die vierte Beitrittswelle der hessischen Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege im Haus der Wirtschaft in Frankfurt am Main statt. Bei der feierlichen Charta-Übergabe bedankte sich der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner bei allen, die den Herausforderungen des Themas „Beruf und Pflege" aktiv begegnen. „In Hessen sind wir früh angetreten, die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu verbessern. Das Interesse an dem Thema ist riesig“, so Minister Grüttner.

Mit der hessischen Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren“ hat das Hessische Ministerium für Soziales und Integration mit weiteren Partnern 2013 eine Charta ins Leben gerufen. Inzwischen sind es 134 Mitglieder, die sich mit der Unterzeichnung der Charta im Sinne einer freiwilligen Selbstverpflichtung dazu bekennen, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu unterstützen. Damit nehmen hessische Unternehmen eine Vorreiterrolle ein.

Vom Antrag zur Einstufung: Was leistet die Pflegekasse?

Den Antrag auf Pflegeleistungen stellt man bei seiner Kranken- bzw. Pflegekasse. Leistungen erhält man frühestens ab Antragsdatum. Die Pflegekasse beauftragt einen Gutachter, der beurteilt, ob ein Pflegegrad besteht.

Welche Leistungen die Pflegekasse erbringt, hängt davon ab, ob die Pflege ambulant oder stationär erfolgt. Es kann sich um Sach- oder Geldleistungen oder eine Kombination beider handeln. Weiterhin sind unter folgende Leistungen möglich: häusliche Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson, Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege, vollstationäre Pflege, Pflegehilfsmittel und technische Hilfen, Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen, Leistungen zur sozialen Sicherung der Pflegeperson, zusätzliche Betreuungsleistungen für Demenzerkrankte.

Alle Details zu Antragstellung, Begutachtung, Einstufung und Leistungsumfang sind in der oben erwähnten Broschüre aufgeführt.

Rund ums Betreuungsrecht: Welche Vorsorge sollte man treffen?

Auf fremde Hilfe angewiesen sein, nicht mehr selbst entscheiden können – auf diesen Ernstfall sollte man vorbereitet sein. Möglich sind hier eine Vorsorgevollmacht, eine Betreuungsverfügung und eine Patientenverfügung.

Was nur wenige wissen: Ist man nicht mehr in der Lage, seine Angelegenheiten selbst zu regeln, und es liegt keine Vorsorgevollmacht oder anderweitige Verfügung vor, dann bestellt das zuständige Amtsgericht einen Betreuer – der Ehepartner oder Familienangehörige können also nicht automatisch die rechtliche Vertretung übernehmen.

Mit einer Vorsorgevollmacht bzw. Betreuungsverfügung bestimmt man selbst, wer mit der Betreuung beauftragt werden soll. Man kann auch festlegen, welche Dinge diese Person regeln darf und welche nicht. Eine Patientenverfügung hingegen bezieht sich nur auf die medizinische Behandlung und berührt Fragen wie die nach einem würdevollen Sterben.

Ausführliche Informationen zu den drei genannten Vorsorgeformen gibt es auf der Website des HMSI. Auch eine Broschüre steht dort zum Herunterladen bereit. Wer sich persönlich beraten lassen will, wendet sich an einen Betreuungsverein in seiner Nähe.
http://www.betreuungsrecht.hessen.de

Altenpflege als Beruf: Welche Ausbildungen kommen in Frage?

Es ist ein Job mit wirklich sicheren Zukunftsaussichten: In der Altenpflege mangelt es schon jetzt an Fachkräften, und der Bedarf wird in den nächsten Jahren noch enorm anwachsen. Wer pflegebedürftige Menschen betreuen will, dem bieten sich zwei Ausbildungswege an.

Zum einen die einjährige Ausbildung zur Altenpflegehelferin bzw. zum Altenpflegehelfer. Voraussetzung ist neben gesundheitlicher Eignung ein Hauptschulabschluss. Zum anderen die dreijährige Ausbildung zur Fachkraft Altenpflege. Hierfür braucht man einen Realabschluss, unter bestimmten Voraussetzungen reicht auch ein Hauptschulabschluss. Genaueres zur Altenpflegeausbildung in Hessen erfährt man auf den Webseiten der Regierungspräsidien Darmstadt und Gießen.

Ausgezeichnet: Wie würdigt das Land Hessen Menschen, die sich für Pflegebedürftige engagieren?

Jedes Jahr verleiht das Land eine Pflegemedaille an Personen in Hessen, die einen pflegebedürftigen, kranken oder behinderten Menschen, der ihnen nahe steht, unentgeltlich im häuslichen Bereich über einen zusammenhängenden Zeitraum von mindestens fünf Jahren gepflegt und betreut haben. Überreicht wurde die Auszeichnung in diesem Jahr an 17 hessische Bürgerinnen und Bürger vom Hessischen Minister für Soziales und Integration Stefan Grüttner.

„Dank und Anerkennung für hingebungsvollen, unschätzbaren Dienst an der Gesellschaft – Geehrte sind Vorbilder, so Minister Grüttner. 

 

Bildnachweis: Photographee.eu/shutterstock.com

 

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