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Familienfreundliche Arbeitgeber

FamilienMagazin

Familienfreundliche Arbeitgeber
21.
Februar
2017

Ja zum Job, ja zur Familie

21. Februar 2017

Der Personalchef klappt die Mappe zu und schaut auf seine Uhr. „So, das war es dann von meiner Seite. Haben Sie denn noch Fragen zu unserem Unternehmen?“ Marcus S. räuspert sich. „Wie sieht es denn mit Angeboten zur Kinderbetreuung aus? Und kann ich ab und zu von zuhause aus arbeiten?“ Der Personalchef starrt ihn an. „Daran arbeiten wir noch. Vorerst bauen wir da auf die Eigeninitiative und das Verantwortungsbewusstsein unserer Mitarbeiter.“ Marcus S. zieht die Augenbrauen hoch. „In Ihrer Ausschreibung klang das aber ganz anders. Dort stand was von familienfreundlichen Arbeitsbedingungen.“ Jetzt lächelt ihn der Personalchef schief an. „Zum Sommerfest dürfen Sie Ihre Kinder mitbringen. Ist das etwa nichts?“

Gute Frage: Was macht ein familienfreundliches Unternehmen eigentlich aus? Es geht um mehr als Nettigkeiten wie die Einladung von Partnern und Kindern zum jährlichen Sommerfest. Es geht darum, sich als Arbeitgeber konsequent für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu engagieren. Indem man zum Beispiel die betrieblichen Abläufe so organisiert, dass Eltern ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten können. Denkbar sind auch familienbezogene Zusatzleistungen wie Betriebskindergärten. Familienfreundlich sein heißt auch, Mitarbeiter, die ihre Angehörigen pflegen, zu unterstützen.

Drei Gütesiegel für familienfreundliche Arbeitgeber

Wie erkennt man ein familienfreundliches Unternehmen? Eine gute Orientierung bieten hier zum Beispiel Gütesiegel von renommierten Organisationen und Initiativen.

Die Bertelsmann Stiftung zeichnet Unternehmen, die eine mitarbeiterorientierte und familienfreundliche Personalpolitik verfolgen, mit einem Qualitätssiegel aus. „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ darf sich nennen, wer einen standardisierten Bewertungsprozess durchlaufen hat und alle relevanten Kriterien erfüllt. Bewertet wird unter anderem in den Kategorien Unternehmens- und Führungskultur und Kommunikation.

Nur familienfreundlich? Das genügt der Frankfurter berufundfamilie Service GmbH nicht. Familienbewusst, also wirklich an den Bedürfnissen von Familien orientiert sollte ein Arbeitgeber sein. Und außerdem lebensphasenbewusst, das heißt mit Blick auf die sich verändernden Bedürfnisse von Beschäftigen im Laufe ihrer Lebensarbeitszeit. berufundfamilie hat ein Audit entwickelt, mit dem Unternehmen ihre Personalpolitik prüfen und optimieren können. Bei erfolgreicher Zertifizierung winkt der Titel „Attraktiver Arbeitgeber“. 

Auch das Land Hessen verleiht seit mehreren Jahren ein Gütesiegel für Familienfreundlichkeit. Und zwar an Dienststellen des Landes, die bestimmte Standards einer familienfreundliche Personal- und Organisationspolitik erfüllen. Entwickelt wurde das Gütesiegel vom Hessischen Innenministerium im Auftrag der Landesregierung. Diese Dinge erhofft man sich: leichtere Mitarbeitergewinnung, höhere Mitarbeiterzufriedenheit und dadurch gesteigerte Produktivität, verbesserte Innovationsfähigkeit, weniger Fehlzeiten. Das Gütesiegel „Familienfreundlicher Arbeitgeber Land Hessen“ wird jährlich verliehen. Für Hochschulen in Hessen gibt es eine eigene Variante. Mit dem Gütesiegel ausgezeichnet wurde übrigens ganz aktuell das Hessische Ministerium für Soziales und Integration.

Frische Impulse in Sachen Beruf und Familie aus Hessen

Das Thema Beruf und Familie weiter denken und neue Wege für Politik und Unternehmen aufzeigen. Diese ambitionierten Ziele verfolgt seit 2004 das Hessische Ministerium für Soziales und Integration in Zusammenarbeit mit der hessenstiftung – familie hat zukunft. Mit der Kongressreihe "Dialog Beruf und Familie in Hessen“ wollen beide Partner zeigen, dass eine gesellschaftlich breit aufgestellte Familienpolitik maßgeblich zur Attraktivität einer Region beiträgt. Ende 2016 zum Beispiel lautete das Kongressthema „Arbeit. Zeit. Familie.“ Es ging um die Erwartungen von Mitarbeitern an ihre Arbeitgeber angesichts der Megatrends Individualisierung und Digitalisierung – und um vorhandene bzw. denkbare Lösungen.

Wer familienfreundlich handeln will, sollte nicht nur an Kinder, sondern auch an die Älteren denken. Die Vereinbarkeit von Job und Angehörigenpflege steht im Mittelpunkt der bundesweit einzigartigen Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren – die Hessische Initiative“. Ins Leben gerufen haben sie das Hessische Ministerium für Soziales und Integration, die AOK, berufundfamilie sowie das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft unter dem Dach der Seniorenpolitischen Initiative Hessen. Zielgruppe sind kleine und mittlere Unternehmen, denn gerade für sie ist der Ausfall von Fachkräften schmerzlich: Wie wichtig ist die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege für die Mitarbeiterbindung? Durch welche Maßnahmen lässt sie sich verbessern? Wie kann man seine Mitarbeiter besser über gesetzliche Rahmenbedingungen und regionale Unterstützungsangebote informieren? 134 Unternehmen in ganz Hessen haben sich der Initiative bislang angeschlossen.

Starker Wettbewerbsvorteil für Unternehmen

Der Trend ist eindeutig: Die Arbeitsbedingungen in den Unternehmen werden familienfreundlicher. Dank staatlicher Hilfen und der Eigeninitiative von Arbeitgebern, die erkannt haben, wie wichtig die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist, um qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Irgendwann wird Familienfreundlichkeit deshalb kein Thema mehr sein, auch in Bewerbungsgesprächen nicht, weil sie einfach selbstverständlich geworden ist.

Bildnachweis: Frank Gaertner/shutterstock.com

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