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Generationenübergreifendes Wohnen

FamilienMagazin

Generationenübergreifendes Wohnen
24.
August
2017

Jung plus Alt: eine gute Mischung fürs Wohnen und Leben

24. August 2017

„Das kannst du doch nicht machen! In deinem Alter!“ Richard klingen die Worte seines Sohnes Thomas noch in den Ohren. „Natürlich kann ich das, gerade in meinem Alter!“, antwortete er damals. „Generationenübergreifendes Wohnen, schon mal was davon gehört, mein Sohn?“ Dann zog er aus seiner viel zu groß gewordenen Dreizimmerwohnung aus – und in eine Mietergemeinschaft ein, die bunt zusammengewürfelt war. Familien, Singles, Junge, Alte. Mehrere Haushalte unter einem Dach, in einem umgebauten Mietshaus mit Gemeinschaftsraum. Seitdem sind mehrere Jahre vergangen. Thomas besucht ihn regelmäßig und ist jedes Mal erstaunt, wie aktiv sein Vater ist. „Du gibst Nachhilfe in Mathe und Geschichte? Und du machst Yoga? Ist ja ein Ding.“ Richard überhört das stets, zumindest tut er so. In seinem Alter muss er ja nicht mehr alles kommentieren. 

Was wünscht man sich fürs Alter? Gesundheit, selbständig bleiben, nicht vereinsamen, sondern weiterhin viel sozialen Kontakt haben. Zur Familie, zu Freunden und Bekannten. Doch die gesellschaftliche Entwicklung macht die Realisierung dieses Wunschbilds nicht gerade einfacher. Immer mehr Menschen leben alleine, die Familien werden kleiner, der Altersdurchschnitt steigt.

Eine Generation hilft der anderen

Gemeinschaftliches Wohnen ist eine Antwort auf diese Trends. Grundsätzlich kann es verschiedene Formen annehmen. Weit verbreitet ist zum Beispiel das Modell der Baugemeinschaft: Mehrere Parteien, also Familien oder Singles, tun sich zusammen und bauen ein großes Haus bzw. mehrere Häuser für alle. Leben mehrere Generationen zusammen, spricht man von einem Mehrgenerationenhaus.

Der Bund wie auch das Land Hessen unterstützen und fördern das Zusammenleben mehrerer Generationen auf vielfältige Weise. Hessen kümmert sich im Rahmen der Seniorenpolitischen Initiative auch um generationenübergreifendes Wohnen. Die Broschüre „Wohnen in Hessen“ informiert über dieses Thema und ist aus der Initiative heraus entstanden.

Download unter: https://soziales.hessen.de/sites/default/files/media/hsm/web_final_broschuere_gem_wohnen_2017.pdf

Früher stand beim generationenübergreifenden Wohnen der Wunsch im Vordergrund, eine Alternative zum Altersheim zu schaffen. Heute kommt meist eine ganze Palette an Vorteilen und Beweggründen in Betracht. Vor allem möchten ältere Menschen länger aktiv bleiben, in körperlicher und geistiger Hinsicht. Sie legen Wert auf ein soziales Miteinander. Und das erhoffen sie sich von einer Gemeinschaft, in der Jung und Alt miteinander wohnen und leben.

So kann gemeinschaftliches Wohnen aussehen

So individuell wie die Menschen, so vielgestaltig sind die Wohnmodelle. Neben der bereits erwähnten Baugemeinschaft sind dies die drei vorherrschenden Modelle:

  • Wohngemeinschaft: Die einfachste Form des Zusammenwohnens. In einer Wohnung, man teilt sich Miete und Nebenkosten, es gibt einen gemeinschaftlichen Mietvertrag und meist auch eine gemeinsame Haushaltskasse. In der Regel sind „WGs“ privat organisiert. Zum Beispiel tun sich mehrere Seniorinnen und Senioren zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen.
  • Hausgemeinschaft: Jeder Haushalt hat seine Wohnung, man teilt sich aber Gemeinschaftsflächen. Dieses Modell wird immer beliebter, weil es einerseits den Rückzugsort der eigenen Wohnung bietet, andererseits ein hohes Maß des Miteinanders gewährleistet. Für ältere Menschen und jüngere Menschen mit Kindern hat die Hausgemeinschaft viele Vorteile. Man hilft sich gegenseitig, zum Beispiel bei der Kinderbetreuung oder beim Einkauf. 
  • Siedlungsgemeinschaft: Die größere Form der Hausgemeinschaft. Es gibt mehrere Gebäude, die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner ist dementsprechend höher. Angesichts der Größe lassen sich auch professionelle Hilfs- und Pflegeangebote effizienter einbinden.

Generationenübergreifend wohnen in Hessen

Mehrgenerationenhäuser, also Hausgemeinschaften, werden seit 2006 vom Bund gefördert. In Hessen erhalten rund 30 Projekte diese Förderung. In der Broschüre „Wohnen in Hessen“ stellt das Hessische Ministerium für Soziales und Integration eine Auswahl an Beispielen für generationenübergreifendes Wohnen vor. Die Broschüre ist als Download über die Website des Ministeriums erhältlich.

Hessens Sozialminister Stefan Grüttner über das generationenübergreifende Wohnen: „Viele ältere Menschen beschäftigen sich heute früh mit der Frage, wie sie im Alter leben wollen. Sie suchen altersgerechte Wohnmöglichkeiten, die es ihnen erlauben, so lange wie möglich selbstständig und aktiv zu leben. Dies wird vor allem dann möglich, wenn sich die Generationen untereinander ergänzen und bestärken. Die Hessische Landesregierung unterstützt den Wunsch von jüngeren und älteren Menschen, in gemeinschaftlichen Wohnprojekten selbstbestimmt zu leben.“

Informieren, vernetzen, loslegen!

Wie und wo findet man Gleichgesinnte für gemeinschaftliches Wohnen? Mit den Familienzentren verfügt das Land Hessen über Einrichtungen, die für den Aufbau von Kontakten und die Vernetzung äußerst hilfreich sind. Die Familienzentren bieten allen Generationen ein vielfältiges und wohnortnahes Angebot und Programm. Tipps zur Realisierung von Wohnprojekten gibt es unter anderem in der oben erwähnten Broschüre „Wohnen in Hessen“.

Bildnachweis: Rawpixel.com/shutterstock.com

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