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Trennungskinder und ihre Familien

FamilienMagazin

Trennungskinder und ihre Familien
21.
April
2017

Mama lebt hier, Papa dort – und wo bleibe ich?

21. April 2017

Meine Eltern trennen sich. Amelie bringt diesen Satz immer noch nicht über die Lippen. Jedes Mal, wenn sie nur daran denkt, zieht sich ihr Magen zusammen und sie muss weinen. Bei zwei ihrer Schulfreundinnen hat sie gesehen, wie das ist: Der Vater oder die Mutter ist ausgezogen, alles wurde anders. Keine gemeinsamen Urlaube mehr, kein Essen an einem großen Tisch. Nur noch Besuchstage, Winken am Bahnhof, Geburtstagsgeschenke vom Paketdienst. Amelie will so was nicht. Sie will keinen neuen Papa, keine neue Mama, keine andere Familie. Doch wer fragt schon sie?

Konflikte. Trennung. Scheidung. Eine Familie zerbricht. Aus einem Zuhause werden plötzlich zwei. Jedes Jahr passiert das tausendfach. 2014 zum Beispiel gab es rund 84.000 Scheidungen von Ehen mit minderjährigen Kindern. Für Kinder ist die Trennung der Eltern extrem hart. Doch nicht nur ihre Psyche kann Schrammen bekommen, auch ihre direkte Lebenssituation kann sich deutlich verschlechtern.

Was sich Trennungskinder von ihren Eltern wünschen

Doch nicht nur die Finanzen sind ein Problem. Kindern liegen meist eher die immateriellen Dinge am Herzen. Sie fürchten sich davor, den Vater oder die Mutter oder gar beide zu verlieren. Sie sehnen sich nach Geborgenheit und Liebe. Die Kinderbuchautorin Karin Jäckel hat hierzu eine Liste erstellt: „20 Bitten von Kindern an ihre geschiedenen oder getrennten Eltern“. Ein kleiner Auszug:

1. Vergesst nie: Ich bin das Kind von euch beiden. (…)
2. Helft mir, zu dem Elternteil, bei dem ich nicht ständig bin, Kontakt zu halten. (…)
3. Fragt mich nicht, wen ich von euch beiden lieber mag. (…)

Die vollständige Liste gibt es auf der Website von Karin Jäckel.

Eltern helfen Eltern – ein Erfolgsmodell

Wer weiß am besten, wie es betroffenen Eltern und ihren Kindern ergeht? Natürlich Eltern und Kinder aus Trennungsfamilien. In Interessenverbänden wie dem Verband alleinerziehender Mütter und Väter e. V., kurz VAMV, oder dem Väteraufbruch für Kinder (VafK) haben sie sich organisiert.

Beide Verbände machen sich für die Interessen von alleinerziehenden Eltern stark, ob geschieden, getrennt lebend, verwitwet oder ledig.

Der VAMV hat rund 200 regionale Ortverbände und Kontaktstellen in ganz Deutschland. Gegenseitige Hilfe und Unterstützung stehen im Vordergrund. Eltern können sich informieren und beraten lassen. Oder sich zum Beispiel in Gesprächskreisen mit anderen Eltern austauschen. Über die Website des VAMV findet man schnell eine Anlaufstelle in der Nähe. 

Der VafK ist ebenfalls bundesweit aktiv, aber stärker auf politische Interessenvertretung ausgerichtet als der VAMV. Er versteht sich als Väterinitiative und will die Rechte von Männern stärken. Nach seiner Auffassung werden Frauen bzw. Mütter von den Gerichten in Scheidungsverfahren bevorzugt. Wer sich für die Arbeit des VafK interessiert und sich engagieren will, erfährt auf der Website des Verbands alles Weitere. 

Beratung und praktische Hilfen für Trennungsfamilien

Das Unterstützungsangebot für Trennungskinder und ihre Eltern wächst, in Hessen und bundesweit. Hier eine Auswahl:

Lässt sich unsere Ehe, unsere Familie noch retten?
Kirchliche Organisationen wie die Caritas bieten eine kostenlose Beratung für Paare an, unabhängig von Konfession und Weltanschauung. Auch nach einer Trennung stehen sie den Betroffenen zur Seite.

Wie löse ich trennungsbedingte Konflikte und wie vermeide ich weiteren Streit?
Eine Mediation, also die gesteuerte Vermittlung zwischen beiden Partnern, kann hier helfen. pro familia bietet diese Beratungsleistung unter anderem im Landesverband Hessen an.

Wo finde ich Rat in rechtlichen Fragen zu Unterhalt, Steuer, Sorge und Umgang?
Der Interessenverband Unterhalt und Familienrecht ist eine Selbsthilfeorganisation und berät seine Mitglieder umfassend. In allen größeren hessischen Städten ist er vor Ort.

Mein Kind wohnt nun in einer anderen Stadt – wo übernachte ich, wenn ich es besuche?
Die "Flechtwerk 2+1 gGmbH" vermittelt günstige Übernachtungsmöglichkeiten bei ehrenamtlichen Gastgebern am Wohnort des Kindes. 

 

Bildnachweis: bokan/shutterstock.com

 

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