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Hospizarbeit in Hessen

FamilienMagazin

Hospizarbeit in Hessen
24.
Oktober
2017

In Würde sterben – Hospizarbeit in Hessen

24. Oktober 2017

Sterben gehört zum Leben dazu. Das sagt sich so leicht. Tatsächlich beschäftigen wir uns ungern mit dem Sterben. Themen wie Leiden und Tod werden in unserer Gesellschaft immer noch tabuisiert. Die moderne Hospizbewegung trägt hier seit mehreren Jahrzehnten zu einem Umdenken bei. Als sie sich formierte, angeregt unter anderem von der Arbeit der britischen Ärztin Cicely Sanders und den Büchern von Elisabeth Kübler-Ross, gab es noch große Bedenken gegen Hospize. Politik und Medizin lehnten sie zunächst ab. Orte, an denen Menschen sterben sollten? Wozu gab es denn Krankenhäuser?

Der Unterschied zwischen einem Hospiz und einem Krankenhaus ist aber groß, trotz mancher Gemeinsamkeit. Eine medizinische Betreuung findet auch im Hospiz statt. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der liebevollen Begleitung von Sterbenden unter Einbindung ihrer Angehörigen. In einem geschützten Raum, sei es ein Hospiz oder im Falle der ambulanten Begleitung das eigene Zuhause, können Menschen ihre letzte Lebensphase mit ihren Partnern, ihrer Familie und ihren Freunden verbringen.

Eine Charta führt Aufgaben, Ziele und Handlungsbedarf vor Augen

Für den Durchbruch sorgte eine internationale Initiative für Hospizarbeit. Angeregt durch sie formulierten mehrere große deutsche Organisationen die „Charta zur Betreuung Schwerstkranker und Sterbender in Deutschland“. 2010 wurde sie verabschiedet. Zu den Unterzeichnern zählen mehr als 1.600 Organisationen und Institutionen, zahlreiche von ihnen in Hessen. Unter anderem unterstützen das Hessische Ministerium für Soziales und Integration und viele Städte und Gemeinden die Charta. Umgesetzt wird sie im Rahmen einer nationalen Strategie. Erklärtes Ziel: „Sterben, Tod und Trauer als Teil des Lebens zu begreifen, dies im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern und allen Menschen in Deutschland ihren individuellen Bedürfnissen entsprechend einen gerechten Zugang zu einer würdevollen Begleitung und Versorgung am Lebensende zu ermöglichen.“

Hospizarbeit in Hessen

Seit 1996 gibt es in Hessen ein ressortübergreifendes Konzept, um die Sterbegleitung zu verbessern. 1997 wurde die KASA eingerichtet, die Koordinations- und Ansprechstelle für Dienste der Sterbegleitung und Angehörigenbetreuung. Die KASA unterstützt und berät hospizliche Dienste und bietet Weiterbildungsangebote an. Wer erfahren möchte, welche Hospizinitiativen in seiner Nähe aktiv sind, kann sich an die Ansprechpartnerinnen bei der KASA wenden. 

Aktuell sind in Hessen 105 ambulante Hospizinitiativen tätig. Weiterhin existieren 14 stationäre Hospize für Erwachsene und ein stationäres Kinderhospiz. Zudem gibt es 11 Palliativeinrichtungen in Krankenhäusern sowie 22 ambulante Palliativteams, die Sterbende in ihrem Zuhause begleiten.

Ausgewählte Beispiele aus Hessen:

Hospiz Bergstraße

Leben in Würde, bis zuletzt. So das Motto des 1994 gegründeten Hospiz-Vereins Bergstraße e.V. Seit 2010 betreibt er das neu errichtete Hospiz Bergstraße, das sich an Menschen aus Bensheim und Umgebung wendet. Die Pflege basiert auf dem Prinzip der Bezugspflege: Die Pflegekräfte übernehmen über einen längeren Zeitraum hinweg die Pflege der ihnen zugeordneten Gäste. Vertrauen und Kontinuität stehen im Vordergrund.

Kinderhospiz Bärenherz Wiesbaden

Das Kinderhospiz sieht sich als Herberge, in der die Lebensqualität der Kinder und die Entlastung der Familien im Mittelpunkt stehen. Kinder mit einer lebensverkürzenden Erkrankung und deren Familien finden hier Betreuung, Pflege und Begleitung, unabhängig von ihrer Kultur, Herkunft oder Religion. Stationäre und ambulante Angebote unterstützen die Familien. 

Heilhaus Kassel

Geburt, Leben, Sterben als Ganzes betrachten. Dieser breite und Generationen übergreifende Ansatz des Hauses umfasst Geburtshilfe, Betreuung von Schwangeren, Neugeborenen und jungen Familien, Förderung von Kindern und Jugendlichen, Gesundheits- und Patientenberatung, Begleitung in Lebenskrisen, Pflege und Betreuung von kranken, alten und sterbenden Menschen, Trauerbegleitung von Angehörigen. Mit der Erweiterung des Heilhauses durch das „Haus der Mitte“ schuf man 2016 das erste Mehrgenerationenhospiz Deutschlands. Schwer kranke und sterbende Kinder, Jugendliche und Erwachsene, ihre Angehörigen und Freunde sind hier willkommen.

Infos, Hilfen und Lernmaterialien zum Thema Sterbegleitung

Die Deutsche Palliativstiftung und der Hospiz- und Palliativverband Hessen machen sich für die Hospizarbeit stark. Mit einer Spende, Mitgliedschaft oder Stiftung kann man ihr Wirken unterstützen. Auch die Hospize selbst sind für Spenden und ehrenamtliche Unterstützung dankbar.

Lernmaterialien für den Schulunterricht stellt die Deutsche Palliativstiftung auf ihrer Website als Download kostenfrei bereit. Die Printversion ist für Interessierte aus Hessen ebenfalls kostenfrei bestellbar.

Wer sich ehrenamtlich in der hessischen Hospizbewegung engagieren möchte, kann sich an die oben erwähnte KASA oder den Hospiz- und Palliativverband Hessen wenden.

 

Bildnachweis: Photographee.eu/shutterstock.com

 

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