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Familie und Beruf

FamilienMagazin

Familie und Beruf
25.
Oktober
2019

Arbeit und Familie – so geht’s zusammen

25. Oktober 2019

„Kannst du Lisa noch vom Sport abholen, bevor du heimkommst? Hallo?! Hallo-ooo…?!“ Annette blickt auf das Display ihres Handys. Anruf abgebrochen, ihr Mann hat mal wieder kein Signal. Wenn sie sich beeilt, kriegt sie die U-Bahn noch. Das Handy vibriert, ihre Chefin ist dran: „Frau Schreiner, wahrscheinlich sitzen Sie schon zuhause, aber könnten Sie noch kurz die Anfrage von heute Vormittag bearbeiten?“ 

So ähnlich wie Annette geht es vielen Hessinnen und Hessen: Sie müssen es irgendwie packen, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, was zu einer echten Herausforderung werden kann. Zum Glück tut sich hier eine Menge, dank entsprechender Gesetze und staatlicher Initiativen wie Recht auf Teilzeit und Elterngeld sowie durch ein Umdenken in den Unternehmen. Insgesamt sind Job und Familie in vielen Berufszweigen bereits besser vereinbar geworden. Je nach Branche zeigen sich aber große Differenzen. 

Zum Beispiel ist es für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Schichtarbeit leisten, immer noch recht schwer, familienfreundliche Bedingungen zu bekommen. Die hessenstiftung – familie hat zukunft veranstaltet im Dezember einen Kongress eigens zu diesem Thema.

Große Probleme, aber auch Lösungen in Sicht

Schauen wir uns zunächst kurz an, auf welche allgemeinen Probleme Beschäftigte mit Familie stoßen und welche Lösungen es dafür gibt.

Ein großes Problem, gerade für Menschen am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn, sind befristete Arbeitsverhältnisse. Ein Jahr oder zwei Jahre in Lohn und Brot – und dann? Keine gute Basis, eine Familie zu gründen oder zu ernähren. Diese Unsicherheit wird auch als ein Grund gesehen, warum sich berufstätige Mütter und Väter in Deutschland eher relativ spät für Kinder entscheiden.

Ein zweites Problem sind fehlende Betreuungsplätze. Ohne Kita wird es schwierig, den Tag so zu organisieren, dass Kinder rundum gut betreut sind. 

Als drittes Problem spielen hohe Betreuungskosten eine Rolle. Tagesmutter oder andere Betreuungsformen, all das kann viel Geld kosten. Eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird so zur Einkommensfrage.

In vielen Unternehmen ist man sich dieser Probleme bewusst. Auch unter dem Eindruck des steigenden Fachkräftemangels sucht man verstärkt nach Möglichkeiten, familienfreundlicher zu werden. Ein familienfreundlicher Arbeitgeber zu sein, ist nämlich mittlerweile zu einem starken Wettbewerbsvorteil im Ringen um die besten Fachkräfte geworden. Flexiblere Arbeitsbedingungen, unter anderem durch Homeoffice und flexible Arbeitszeiten, sind ein Weg. Außerdem setzt man in den Betrieben zunehmend auf Angebote für Kinderbetreuung, sogenannte Betriebskitas. Weiterhin gibt es Hilfen während und nach der Elternzeit.

Wie Schichtarbeit familienbewusst gestalten?

Besonders heikel steht es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Branchen wie Automobilindustrie, Hotellerie und Gastronomie oder Gesundheitswesen. Hier wird oft Schichtarbeit geleistet, die nicht nur die Gesundheit belasten kann, sondern sich auch häufig negativ auf das Familienleben auswirkt. Ständig wechselnde Arbeitszeiten erschweren es, die Kinderbetreuung zu organisieren, Einkäufe oder Ausflüge zu planen etc. Rund jeder sechste Beschäftigte in Deutschland arbeitet in Schichtarbeit – wie lässt sich für diese Menschen eine familienbewusstere Schichtgestaltung realisieren?

Um diese Frage wird es auf einem Kongress gehen, den die hessenstiftung – familie hat zukunft veranstaltet. Das Motto lautet: „Schicht im Schacht? Familienleben trotz Schichtarbeit - wir zeigen wie!“ Einen Tag lang werden Lösungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus den Bereichen Handel, Hotel und Gastronomie sowie Pflege vorgestellt und diskutiert: Was hat sich in welchem Unternehmen bewährt? Welche Lösungen lassen sich auf andere Unternehmen übertragen?

Hier ein kleiner Überblick über Lösungsmaßnahmen, die es in Sachen Schichtarbeit und Familienfreundlichkeit gibt: 

  • Beschäftigte werden qualifiziert, damit sie breiter einsetzbar sind und so in anderen Schichtplänen bzw. außerhalb des Schichtmodells arbeiten können.
  • Wenn möglich, wird der Nacht- und Wochenendbetrieb reduziert.
  • Jahresarbeitszeitkonten (auch Flexkonten genannt) schenken den Beschäftigen mehr Zeitsouveränität.
  • Mehr Mitspracherecht der Beschäftigten, zum Beispiel durch Wunschdienstpläne.
  • Einsatz moderner IT-Tools, die individuellere Planungen des Schichtdiensts ermöglichen.

Der Kongress findet am 2. Dezember 2019 in Frankfurt statt. Kooperationspartner sind das Hessische Ministerium für Soziales und Integration und die IHK Frankfurt. Die Anmeldung erfolgt über das Tagungsbüro der hessenstiftung – familie hat zukunft.

Anmeldung zum Kongress „Schicht im Schacht?“ 
http://schicht-im-schacht.hessenstiftung.de/index.htm

Drei Tipps für Familien, die nicht jeder kennt

Familienpflegezeit
Die Familienpflegezeit erlaubt es Beschäftigten, nahestehende Angehörige besser pflegen zu können. Infos über die Antragstellung beim Arbeitgeber finden Interessierte auf der Website service.hessen.de.

Studieren mit Kind
Auch Hessens Hochschulen bemühen sich um familiengerechtere Arbeits- und Studienbedingungen. Mehr Informationen hierzu gibt es auf der Website des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst oder auf den Seiten der einzelnen Hochschulen.

Familie und Beruf
Informationen zur Vereinbarkeit, Kinderbetreuung, Weiterbildung und viele weitere Themen  finden Sie auf der Website des FamilienAtlas.

Bildnachweis: 
diego cervo / stock.adobe.com 

 

 

 

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