Listen
Digitalisierung in Hessen

FamilienMagazin

Digitalisierung in Hessen
19.
Dezember
2018

E-Health – eine gesunde Sache für ganz Hessen

19. Dezember 2018

Telemedizin und E-Health. Das klingt erstmal nach seelenloser Technik, die den menschlichen Kontakt im Gesundheitswesen noch weiter vermindert. In Wirklichkeit ist es genau andersherum. Telemedizin und E-Health bringen die Medizin näher an den Menschen. Das ist auch eines der erklärten Ziele der E-Health-Initiative des Landes Hessen. Sie strebt eine wohnortnahe, hochwertige und zukunftsfeste Versorgung an. Distanzen überbrücken, medizinisches Fachwissen allen Menschen bereitstellen, bestehende Versorgungsangebote unterstützen. Darum geht es.

In der Digitalisierung des Gesundheitswesens stecken also große Chancen. Um diese nutzen zu können, investiert die Hessische Landesregierung in den nächsten zwei Jahren rund sechs Mio. Euro. Gesundheitsminister Stefan Grüttner betont hierbei: „Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Im Mittelpunkt der E-Health-Initiative steht der Mensch, die Technologie ist das Mittel zum Zweck. Daher stehen Patientennutzen und der Datenschutz immer im Mittelpunkt.“

Fünf neue Projekte hat die Landesregierung bislang für eine Förderung ausgewählt. Wichtig bei der Auswahl waren diese Kriterien: Erhöht das Vorhaben die Qualität der Patientenversorgung? Optimiert es die Versorgungskette nachhaltig? Kommt die neue Technik direkt dem Patienten zugute?

Dies sind die fünf Projekte im Überblick:

1. Eine flächendeckende Epilepsieversorgung in Hessen

Epilepsie ist selten ein Thema in den Medien. Doch viele Tausende von Hessinnen und Hessen sind betroffen. Über eine enorme Expertise, wie man ihnen am besten helfen kann, verfügt das Epilepsiezentrum Frankfurt Rhein-Main. Dank Telemedizin steht dieses Know-how bald den niedergelassenen Neurologen in ganz Hessen zur Verfügung. Das hat große Vorteile für alle Betroffenen. Denn Epilepsiefälle können so früher erkannt und therapiert werden, Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen lassen sich verhindern. Geleitet wird das vom Land Hessen geförderte Projekt von der Goethe-Universität Frankfurt. Projektpartner sind die Universitätskliniken Marburg und Gießen, die ebenfalls ihre Expertise einbringen.

2. Schnellere Notfallversorgung im Rettungsdienst

Rettungssanitäter müssen oft bis zum Eintreffen des Notarztes warten, bevor sie mit der Versorgung eines Verletzten oder Erkrankten beginnen können. Damit hier wertvolle Zeit gespart werden kann, erprobt die Landesregierung den Einsatz von Telemedizin im hessischen Rettungsdienst. In den mittelhessischen Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Gießen werden die Rettungswagen mit neuen EKG-Geräten ausgestattet, die alle Daten in Echtzeit übertragen können. Notärzte können so aus der Ferne die Notfallsanitäter unterstützen, per elektronischer Kommunikation und Videotelefonie. Bei lebensbedrohlich verletzten oder erkrankten Notfallpatienten wird aber nach wie vor ein Notarzt vor Ort sein. 

3. Wirksame Stottertherapie bereits ab frühem Kindesalter

Wer stottert, hat es meistens schwerer im Leben. Je früher die Therapie beginnt, desto besser. Große Erfolge kann hier das Institut der Kasseler Stottertherapie vorweisen. Seit mehr als 20 Jahren verhilft es stotternden Menschen zu einem flüssigeren Sprechen. Mehr als 2500 Patientinnen und Patiennen haben im Laufe der Jahre hiervon profitiert. Nun soll die Online-Therapie für Jugendliche ab 13 Jahren einer weiteren Gruppe von Betroffenen angeboten werden: Kindern von drei bis sechs Jahren. Diese Altersgruppe ist momentan schlecht versorgt, obwohl eine Therapie im frühen Kindesalter besonders erfolgversprechend ist und den Betroffenen einen lebenslangen Therapiemarathon ersparen kann. Das Land Hessen wird das Projekt bis 2020 mit rund einer halben Million Euro fördern.

4. Eine verbesserte Versorgung von Intensivpatienten

Um Intensivpatienten optimal versorgen zu können, ist ein reibungsloser Informationsaustausch zwischen intensivmedizinischen Einrichtungen und zuweisenden Kliniken und Reha-Kliniken erforderlich. Hier gibt es aber immer wieder Probleme wegen fehlender oder unzureichender Schnittstellen. Ein Projekt der Universitätsklinik Frankfurt und des Klinikums Kassel will das ändern, durch definierte Schnittstellen für ein mobiles Telemedizinsystem. Patientendaten, Bilddaten und Laborergebnisse können dann in Echtzeit zwischen den Kliniken geteilt werden. Das Land Hessen unterstützt dieses Vorhaben bis 2020 mit 900.000 Euro Fördermitteln.

5. Kürzere Wartezeiten bei Ärzten

Immer noch sitzen zu viele Hessinnen und Hessen zu lange in Wartezimmern von Ärzten. Laut einer Studie aus dem Jahr 2013 warten 9 Prozent der Patienten in Deutschland zwei Stunden oder länger, rund 16 Prozent Prozent warten mindestens eine Stunde, bis sie aufgerufen werden. Wäre es da nicht schön, wenn es eine App gäbe, die den Nutzer informiert, wann er in der Arztpraxis sein muss? Die Zeit bis dahin könnte er dann sinnvoll nutzen. Die Technische Hochschule Mittelhessen will eine solche App fürs Smartphone entwickeln, gefördert vom Land Hessen und der Techniker Krankenkasse. Dank der „Warts Ab“-App könnte also bald Schluss sein mit langen Wartezeiten.

Diese Projekte sind erst der Anfang. Die E-Health-Initiative will die Digitalisierung des Gesundheitswesens intensiv vorantreiben, um künftige Herausforderungen zu meistern und auch in ländlichen Regionen die medizinische Versorgung sicherzustellen. Im Rahmen der übergeordneten Digitalstrategie Hessen stehen aber auch weitere Bereiche wie Infrastruktur, Mobilität oder Energie im Fokus. Ziel ist es, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, um die Lebensqualität und die wirtschaftliche Entwicklung in Hessen zu verbessern.

Diesen Artikel weiterempfehlen

Stylesheet ändern

Mit dieser Funktion werden die Kontraste der Schriften auf einen Wert 5:1 erhöht. Sollte Ihnen das nicht ausreichen, benutzen Sie bitte die Einstellmöglichkeiten Ihres Computers.

Weitere Möglichkeiten finden Sie in den Einstellungen Ihres Browsers.